Lass Blumen sprechen: Modern Talking mit Pflanzensensor

Peinlich !6
Der Pflanzensensor hilft Blumen perfekt zu pflegen
Der Pflanzensensor hilft Blumen perfekt zu pflegen(© 2014 Koubachi)

Man muss kein Botaniker sein, um seine Blumen perfekt zu pflegen. Ein Pflanzensensor und die passende App verhelfen selbst Laien zu einem grünen Daumen. Das zumindest verspricht Koubachi.

Gießkanne oder Zerstäuber? Mehr oder weniger Sonne? Bei welcher Temperatur fühlen sich Pflanzen wohl? Und wie viel Dünger ist zu viel? Gewächse sind sensibel. Auch ein gut gemeinter Vitalschub erweist sich schnell als Überdosis. Damit Pflanzen gedeihen, sind drei Dinge wichtig: Genaues Wissen über ihre Eigenheiten, das richtige Maß und perfektes Timing.

Soweit die Theorie, in der Praxis aber hat das seine Tücken. Ich als Laie verfolge deshalb eine Vermeidungsstrategie. Nach unwissender Überdüngung und falscher Bewässerung, habe ich die Nährstoffzufuhr gänzlich eingestellt und das Gießen auf ein Minimum reduziert. So lässt sich zwar ein Totalschaden abwenden, die Verfassung meines Zimmergrüns ist jedoch kümmerlich: Nur ein einziges Mal trieb meine Orchidee bislang Blüten. An meinem Einblatt hängen die wenigen verbliebenen Blätter meist lustlos.

Auf solche faulen Kompromisse wollte sich ein Promovend der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich in der Schweiz nach dem Kauf einer Birkenfeige nicht einlassen. Beim Grübeln über den richtigen Umgang mit seiner neuen Zierpflanze aus der Familie der Maulbeergewächse kam Philipp Bolliger eine glänzende Idee. Warum nicht die Pflege von Pflanzen mithilfe von Technik vereinfachen?

Mit seinem Kollegen Moritz Köhler gründete der Informatiker das Start-up Koubachi und entwickelte einen WLAN-Sensor, der die realen Bedingungen einer Pflanze misst. Für Hobbygärtner gibt es neben einem Sensor für den Innenbereich (circa 89 Euro) eine wetterfeste Variante (circa 119 Euro), die sich auch für Balkon- und Gartenpflanzen eignet. Ziel ist es, einen individuell auf das Gewächs abgestimmten Pflegeplan zu ermitteln. Wie das gelingt, habe ich in den vergangenen Wochen mithilfe des Sensors und der iPhone-App an zwei meiner Pflanzen ausprobiert.

Pflanzenassistent mit drei Sensoren

Auffallend ist zunächst die Gestaltung des batteriebetriebenen Pflanzensensors, der mit seinem ovalen Kopf und dem Sensorstiel an einen zu kurz geratenen Golfschläger erinnert. 2012 erhielt Koubachi für das Design den begehrten Red Dot Design Award. Zur Analyse der Befindlichkeit einer Pflanze wird das Gerät so nah wie möglich an der Pflanze in den Blumentopf gesteckt. Ein Sensor am Kopf misst die Lichtintensität und Umgebungstemperatur, einer am Stiel die Bodenfeuchtigkeit.

Laut Hersteller simuliert der Sensor am Stiel die Wurzeln der Pflanze und arbeitet wie ein sogenannter Tensiometer. Das ist ein professionelles Messgerät zur Ermittlung der Bodenfeuchtigkeit. Der Vorteil: Die Ergebnisse werden nicht durch den Salzgehalt des Bodens verfälscht, etwa wenn Dünger zugegeben wird. Die Technik funktioniert mit Pflanzenerde, aber auch mit Sand, Torf, Lehm und sogar Substrat. Sie eignet sich damit auch für meine Orchidee.

Voraussetzungen sind die Einrichtung eines Koubachi-Nutzerkontos und die Einbindung des Gerätes in das eigene WLAN-Netz. Die Konfiguration geht komfortabel und schnell. Die notwendigen Schritte sind nach einem Log-in auf my.koubachi anschaulich erklärt.

So funktioniert die Konfiguration

Hinweis:My.koubachi ist der Browserzugang zum persönlichen Nutzerprofil und einer Pflanzenenzyklopädie mit integriertem Plant Finder. Für Smartphone und Tablet gibt es eine passende App kostenlose für iOS und Android.

Ein Spitzname für jedes Gewächs

Was nun noch fehlt, sind genaue Angaben über die zu pflegenden Gewächse. Dazu zählen die Pflanzenart, der Standort in der Wohnung, die Klimazone und die Jahreszeit. Koubachi benötigt diese Eckdaten als Grundlage für den individuellen Pflegeplan.

Auf Wunsch lassen sich auch die Form und Farbe des Übertopfs angeben und ein Foto einbinden. Ein Spitzname ist Pflicht. Das klingt zunächst lustig, ist jedoch effektvoll: Erhält die Pflanze einen Namen, wächst auch das Verantwortungsgefühl. Meine Orchidee heißt nun Titania, das Einblatt Puck.

Eckdaten für jede Pflanze lassen sich nachtragen

Hinweis: Nutzer können aktuell bereits bis zu 27 Pflanzen mit Koubachi verwalten. Pflanzenprofile einzurichten ist sowohl in der App als auch auf my.koubachi möglich.

Nach der WLAN-Konfiguration des Gerätes und der Anmeldung der Pflanze nimmt Koubachi direkt die Arbeit auf. Der Sensor misst stündlich Helligkeit sowie Temperatur und ermittelt in einem Rhythmus von fünf Stunden die Bodenfeuchtigkeit. Die Werte werden dann über WLAN an my.koubachi gesendet, in Diagrammen aufbereitet und in konkrete Pflegehinweise übersetzt.

Für eine vollständige Auswertung und Interpretation der Bodenfeuchtigkeit (1 Tag), der Temperatur (3 Tage) und Lichtverhältnisse (7 Tage) benötigt der Sensor jedoch etwas Zeit. Hinweise zum Besprühen und Düngen von Titania erhalte ich dagegen sofort. Der Grund: Diese Informationen sind unabhängig vom Sensor. Sie speisen sich aus der Koubachi-Datenbank.

Die Analyse startet per Knopfdruck

Zu jedem Punkt des Pflegeprogramms – Bewässerung, Besprühen, Düngen, Temperatur und Licht – erscheint auf my.koubachi und in der App ein aktueller Status, zum Beispiel "Besprühen Sie Titania in einer Woche.". Mit einem Klick öffnet sich dann eine Anleitung. Titania mag Wasserstaub beispielsweise nur auf dem Substrat und an ihren Wurzeln, nicht jedoch auf Blättern und Blüten. Das Einblatt namens Puck ist dagegen weniger sensibel. Koubachi gibt daher folgenden Hinweis: "Besprühe nur die Blätter. Sprühe nicht auf die Blüten und Früchte." So spezifisch wie die Eigenheiten verschiedener Pflanzenarten sind auch die Pflegehinweise von Koubachi.

Besprühen oder nicht? Die App verrät's

"Titania fühlt sich wohl"

Nach einer Woche ist die Analyse der Orchidee abgeschlossen und ein Pflegeplan erstellt. Der Status in Hinblick auf Temperatur und Licht lautet: "Titania fühlt sich wohl". Außerdem: Die Pflanze "benötigt momentan kein Wasser", "in drei Wochen Dünger" und sie "möchte jetzt besprüht werden". Planmäßige Aktionen aber auch unplanmäßige Veränderungen des Pflegeplans – verfrühtes Gießen oder Wechsel an einen dunkleren Standort zum Beispiel – werden bei jeder Datenübertragung registriert.

Hinweis: Mit einem kurzen Knopfdruck am Kopf des Gerätes kann die Übermittlung der Sensormessungen auch manuell ausgelöst werden. Ich habe diese Funktion meist nach dem Gießen genutzt. Nur ein oder zwei Mal war dabei die Sensorwahrnehmung oder die Synchronisation verzögert.

Solange der Sensor mit Titania verbunden ist, passt Koubachi die Pflegehinweise für Wasser, Licht und Temperatur automatisch an. In der Anleitung zur Bewässerung steht deshalb der Hinweis: "Nächstes Gießen: unbekannt". Das ist etwas missverständlich. "Wird ermittelt" wäre präziser. Sensorunabhängige Aktionen, wie Düngen oder Besprühen, lassen sich dagegen manuell eintragen. Nach jeder Bestätigung vergibt Koubachi neue Termine für diese Aktionen.

Pflegepläne schlägt die Software vor

Ein großer Vorteil, etwa im Vergleich zum Pflanzensensor Flower Power von Parrot: Der Koubachi-Sensor lässt sich zur Begutachtung weiterer Pflanzen in der Wohnung einsetzen, ohne dass die Daten verloren gehen. Da ich als nächstes das Einblatt analysieren will, melde ich unter my.koubachi Titania ab („Verbindung mit Pflanze trennen“) und Puck an („Sensor mit Pflanze verbinden“). Ein Knopfdruck am Sensorkopf bestätigt den Wechsel.

Koubachi beginnt nun mit den Messungen bei Puck, während Titania Pflegeplan bis auf zwei Änderungen weiterhin erhalten bleibt: Hinweise zu Licht und Temperatur fallen weg. Die Bewässerung wird nun nicht mehr vom Sensor ermittelt sondern geschätzt. Nun weist der Pflegeplan auch konkrete Termine zur Bewässerung aus. Auf Veränderungen der Bedingungen – etwa im Winter bei Heizungsbetrieb und wenig Sonnenlicht – müsste ich vermutlich entweder selbst reagieren oder Titania erneut mit dem Gerät analysieren.

Zusatzfunktionen

Darüber, wie es Titania und Puck geht, hält mich Koubachi mit täglichen Push-Mitteilungen auf dem Laufenden. Man kann sich auch über E-Mails informieren lassen. Je nach Bedarf lassen sich in den Einstellungen von my.koubachi sämtliche Benachrichtigungsmodalitäten festlegen, etwa Zeitpunkt, Häufigkeit, Lautstärke und Informationsgehalt.

Benachrichtigungen lassen sich detailliert konfigurieren

Selbst wenn einmal die Pflanzenart unbekannt ist, hilft Koubachi weiter: mit einem sogenannten ‚Plant Finder’ (in der Betaversion). Ausgehend von der Form der Blätter lässt sich relativ schnell bestimmen, um welche Pflanze es sich handelt. Werden ganz andere Gewächse vorgeschlagen, als die eigenen, nicht aufgeben! Der ‚Plant Finder’ rät dann erneut und gibt weitere Vorschläge aus.

Plantfinder hilft beim Finden der richtigen Pflanze

Koubachi hält außerdem eine umfangreiche Enzyklopädie bereit. Das Lexikon enthält neben allgemeinen Pflegehinweisen auch Charakteristika der jeweiligen Pflanze wie Blütezeit oder Giftigkeit. Die Entwickler versprechen, das Lexikon regelmäßig um neue Pflanzenarten und -daten zu ergänzen.

Will ein Hobbygärtner in den Urlaub fahren, hat dieser außerdem die Möglichkeit, sein Koubachi-Konto mit einem Freund oder Nachbarn zu teilen, damit auch in seiner Abwesenheit die Pflege ebenso leicht und gut gelingt. Die Mission von Koubachi ist klar: das Potenzial von intelligenten Objekten erkennen und neue Möglichkeiten im Umgang mit diesen bieten.

Fazit

Gewiss können auch Menschen mit reichlich Erfahrung und Routine in der Pflanzenpflege noch etwas von Koubachi lernen. Ahnungslosen Laien und vergesslichen Hobbygärtnern bietet der Pflanzenassistent aber eine echte Chance, besser für die eigenen Gewächse zu sorgen. Der Sensor lässt sich einfach bedienen. Die App ist übersichtlich und liebevoll gestaltet.


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