Der Zuschauer bestimmt die Handlung: "Late Shift" ist halb Film, halb Spiel

Filme haben einen Anfang und ein Ende. Was dazwischen passiert, entscheidet der Regisseur, nicht der Zuschauer. Der Streifen "Late Shift" will die Interaktivität von Videospielen mit der Inszenierung und Narration eines Spielfilms verheiraten – und den Zuschauer zum Mitentscheider machen.

Videospieler sind es gewohnt, Entscheidungen während des Spielens zu treffen, die sich auf die Handlung auswirken. Entwicklerstudios wie Quantic Dream oder auch Telltale Games, das unter anderem "The Walking Dead" als spielbare Serie für Konsolen und PC adaptiert hat, stellen den Spieler permanent vor spielverändernde Abzweigungen. Aber: Schon Anfang der 1990er Jahre entstand mit der Einführung der CD-Rom als neues Medium das – letztlich wenig erfolgreiche – Genre des interaktiven Films.

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Diese Nonlinearität wollen sich auch Filmemacher zunutze machen, um den Zuschauer aus seiner Passivität zu holen. Bislang haben Rezipienten von Filmen und Serien wenig Handlungsspielraum. In das gezeigte Geschehen einzugreifen ist nicht möglich. Das macht die Idee des interaktiven Films weiterhin interessant für Produzenten und Regisseure. Selbst Streaming-Dienste wie Netflix, die bereits erfolgreich eigene Serien produzieren, experimentieren mit Inhalten, die der Zuschauer manipulieren kann.

Mit "Late Shift" kommt Anfang April ein Film in die Stores von PlayStation 4 und Xbox One, der diese Idee bereits zu Realität werden lässt. Wales Interactive, das Studio hinter "Late Shift", hat einen Action-Krimi produziert, der den Zuschauer vor über 180 Entscheidungen stellt, die, so die Macher des Films, durchaus moralische Tragweite haben. Sieben verschiedene Enden hat Michael R. Johnson für den Mitmach-Streifen geschrieben, der insgesamt auf über vier Stunden Filmmaterial kommen soll. Der Drehbuchautor hat unter anderem an "Sherlock Holmes" (2009) und "Pompeji" (2014) mitgewirkt.

In der Verflechtung von Film und Spiel begleitet der Zuschauer den Mathematikstudenten Matt, der ungewollt in einen Raubüberfall hingezogen wird. Gemeinsam mit dem Publikum versucht der Protagonist anschließend seine Unschuld zu beweisen. Während die Handlung in klassischer Spielfilmmanier ununterbrochen weiterläuft, bleiben dem Betrachter nur wenige Sekunden, um an bestimmten Stellen Entscheidungen zu treffen.

Late Shift steht ab dem 12. April im PlayStation Store kostenpflichtig zum Download bereit. Im Store der Xbox One soll er ebenfalls im April starten.

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