Lauf-App Strava verrät geheime Militär-Stützpunkte

Bringt die beliebte Jogging-App Strava weltweit Soldaten in Gefahr, weil sie teilweise geheime Militärstützpunkte preis gibt?
Bringt die beliebte Jogging-App Strava weltweit Soldaten in Gefahr, weil sie teilweise geheime Militärstützpunkte preis gibt?(© 2018 CC: Unsplash/Nasa)

Bringt die beliebte Jogging-App Strava weltweit Soldaten in Gefahr, weil sie teilweise geheime Militärstützpunkte preisgibt? Diesem Verdacht gingen am Wochenende einige User auf Twitter nach. Hier kommen die Einzelheiten.

Mit der Sport-App Strava lassen sich unter anderem Jogging-Routen tracken und teilen. Nicht nur Zivilisten ermitteln auf diese Weise gerne ihren Fitnessstatus, sondern auch Soldaten nutzen die App. Strava unterscheidet seine Nutzer aber nicht und teilt auf der "Global Heatmap" sämtliche Nutzer-Aktivitäten. Aus den mehr als drei Billionen einzelnen GPS-Datenpunkte lassen sich Rückschlüsse auf zum Teil geheime Informationen zu Standorten von Militärstützpunkten und Spionage-Aussenposten auf der ganzen Welt ziehen. Obwohl diese sensiblen Informationen offenbar seit 2015 für alle Strava-Nutzer einsehbar sind, hatte erst am vergangenen Wochenende der Student Nathan Ruser via Twitter auf diesen Faux pas hingewiesen und dort eine rege Diskussion losgetreten, bei der sich etliche User mit Strava-Posts von militärischen Standorten beteiligten. Diverse Medien, darunter Heise, berichten über den kuriosen Fall.

Soldaten, die in Krisengebieten helle Ringe um ihre Basen joggen

Schaut man sich die Nutzerdaten auf der Weltkarte über Strava an, fällt auf, dass etwa in Krisengebieten in Afghanistan, wo sonst kein normaler Mensch joggt, trotzdem diverse Jogging-Touren als helle Ringe auf der sonst dunklen Heatmap zu verzeichnen sind. Man muss kein geschulter Spion sein, um darauf zu kommen, dass es sich hier höchstwahrscheinlich um Militärbasen und Außenposten ausländischer Truppen handelt, um die Soldaten gerne ihre Runden laufen. Weil selbst Soldaten ihren Tracker offenbar nicht immer gleich deaktivieren, sind sogar vermeintliche Versorgungsrouten zwischen solchen Militärbasen als dünne Linien auf dem Strava-Kartenmaterial auszumachen. Über die Strava-Bestenlisten und die Verknüpfung zu sozialen Netzwerken könnten sogar einzelne Soldaten identifiziert werden. Daten solcher Art könnten für Angreifer von großem Interesse sein und die Soldaten tatsächlich in ernsthafte Gefahr bringen.

Nachdem der findige Student über Twitter die Aufmerksamkeit auf diesen Strava-Fall gelenkt hatte, haben auch Journalisten und Twitter-Nutzer über die Sport-App nach vermeintlichen Militärstützpunkten gesucht: Der US-Amerikaner Ben Taub hat laut eigener Aussage neben den bekannten ausländischen Militärbasen im Niger auch eine bisher geheime ausfindig machen können. Übrigens scheinen nicht nur US-amerikanische Soldaten Strava zu nutzen, sondern auch russische Militärs in Syrien und die deutsche Bundeswehr.

Was sagen Strava, das US-Militär und die Bundeswehr zu dem Daten-Unfall?

Bei Strava hat man bereits auf die Berichte reagiert und auf die Datenschutzempfehlungen hingewiesen: Von Seiten Strava werden nur als öffentlich gekennzeichnete Daten in der Anwendung geteilt. Nutzer seien daher selbst in der Pflicht, ihren Datenschutzeinstellungen zu prüfen. Vom US-Militär gibt es bisweilen noch keine Reaktion auf diesen pikanten Daten-Unfall. Auch die deutsche Bundeswehr hat Medienanfragen noch nicht kommentiert.


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