Tschüss Spotify, hallo Apple Music!

Her damit !206
Apple Music hat mehr Bands und Songs als Spotify.
Apple Music hat mehr Bands und Songs als Spotify.(© 2015 CURVED)

Bis ich Apple Music auf dem iPhone 6 aus beruflichen Gründen aktiviert hatte, ließ er mich kalt. Ich habe doch Spotify, dachte ich mir. Einen Mehrwert konnte ich im neuen Apple-Dienst Music nicht erkennen. Doch sehr schnell änderte sich meine Meinung.

Ich bin zufrieden mit Spotify. Das Angebot ist groß, der Dienst läuft stabil und zuverlässig. Warum sollte ich da zu einem Dienst wechseln, der sich erst noch etablieren muss und zumindest mir persönlich keinen Mehrwert bietet? Nur weil er aus Cupertino kommt und im Namen Apple auftaucht? Das reicht mir nicht.

Wo Apple Music besser ist als Spotify

Vorgefertigte Playlisten, eine an Myspace erinnernde soziale Netzwerk-Komponente, Musikempfehlungen basierend auf meinem Musikgeschmack und ein Radiosender, dessen Star mir bis zu seiner Verpflichtung durch Apple völlig unbekannt war, lassen mich kalt. Dafür zahle ich nicht 9,99 Euro im Monat - auch nicht, wenn es genau dem Betrag entspricht, den ich durch Kündigung meines Spotify-Abos einsparen würde. Apple schafft es mich an anderer Stelle zu begeistern: Die neue Musik-App von iOS 8.4 erklärt sich nicht an jeder Stelle von selbst, schafft es aber, mich als Nutzer sofort in ihren Bann zu ziehen. Gleich mal Musik hören, Playlisten anlegen, Empfehlungen ausprobieren und Songs suchen.

Bei der Suche nach Songs hat Apple Music dann wirklich mehr zu bieten als Spotify. Die exklusiven Angebote von Taylor Swift, Pharrel Williams und Dr. Dre waren mir schon vorher bekannt, aber dass das Angebot von Apple wirklich größer ist, merkt man bei kleineren und unbekannteren Bands. Ein Beispiel: Die nicht mehr aktive Nerd Core-Band "wax.on wax.off" aus Kiel habe ich bei Spotify bisher vergeblich gesucht und jetzt bei Apple Music gefunden. Von anderen Bands dieser Größenordnung hat der Streaming-Dienst aus Cupertino oft ein oder zwei mehr Alben zu bieten als Spotify, als Bonus gibt es noch 19 Folgen von "Die drei ???".

Ich muss bei Spotify bleiben - noch

Ein Wechsel von Spotify zu Apple Music würde mich nicht mehr Geld kosten, aber viel Zeit. Zudem müsste ich auf Komfort verzichten. Denn es gibt noch keine Import-Funktion für Spotify-Playlisten. Das heißt, ich müsste sie in Apple Music von Hand neu anlegen oder komplett auf sie verzichten. Das will ich beides nicht. Außerdem ist die Android-App von Apple Music erst für den Herbst angekündigt, und ich besitze privat kein iOS-Gerät. Klar, ich könnte bis dahin Musik über iTunes auf meinem Rechner streamen. Aber iTunes ist mit Apple Music nicht besser geworden, sondern genauso unübersichtlich wie bisher - leider. Da macht Spotify am Rechner einfach mehr Spaß.

Beide Dienste lassen mich meine lokale Musikbibliothek einbinden, wobei Spotify dabei nicht nur auf die iTunes-Mediathek begrenzt ist, und empfehlen mir auf Basis meiner bisher gehörten Musik neue Songs und Künstler. Aber Spotify versucht nicht, mich durch die Zensur vor vermeintlichen unpassenden Bezeichnungen zu schützen. Da gibt sich der Konzern aus Cupertino doch recht prüde, wenn aus dem englischen "Ass" ein "A**" wird. Apple Music kann als kleinen Vorteil in meinen Augen noch die Einbindung von Musikvideos verbuchen, aber deren Integration hat Spotify ebenfalls bereits angekündigt.

Ein letzter Pluspunkt von Apple Music ist das Familienpaket. Spotify hat zwar auch ein Familienangebot, in dem jeder weitere Nutzer nur den halben Preis zahlt. Ein Pärchen zahlt dann die 14,99 Euro, die Apple für sein Angebot verlangt, das über die Familienfreigabe aber bis zu sechs Personen nutzen können. Spätestens wenn die Kinder ein eigenes Streaming-Konto benötigen, hört man mit Apple Music also günstiger.

Apple ist eine Gefahr für Spotify, Deezer und Co.

Ich hätte es nicht gedacht, aber ich ziehe ernsthaft in Betracht, von Spotify zu Apple Music zu wechseln. Damit ich diesen Schritt wirklich gehe, müssen aber in Cupertino noch ein paar Hausaufgaben erledigt werden. Damit ist für mich aber auch klar, dass Apple es wieder geschafft hat, nicht nur einen weiteren Streamingdienst zu starten, sondern ein Angebot zu schnüren, dass die Konkurrenz fürchten sollte.


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