Leyo ausprobiert: Digitale Erweiterung für Kinderbücher

Der Platz auf einer Buchseite ist begrenzt. Mit Leyo wird er quasi grenzenlos. Die App ergänzt Kinderbücher von Carlsen mit zusätzlichen Informationen, Animationen und Geräuschen. Aber nicht alles, was Kindern gefällt, stößt auch bei Eltern auf uneingeschränkte Begeisterung...

Als Verlag, der mit bedruckten Papierseiten sein Geld verdient, ist Carlsen daran gelegen, seine Bücher auch in Zeiten von E-Books, Smartphones und Apps für Leser und Käufer interessant zu machen. Die neueste Idee in diesem Zusammenhang heißt Leyo und ist eine App für iOS und Android, die Kinderbücher um zusätzliche Inhalte ergänzt.

Ein Blick ins Müllauto, muhende Kühe und Hintergrundinfos

Leyo erweitert den begrenzten Platz auf einer Buchseite zum Beispiel mit Bildern, auf denen die Kinder sehen, was im Inneren eines Müllwagens passiert. Im Atlas gibt es zu fast jeder abgebildeten Sehenswürdigkeit kurze Texte von einem Erzähler zu hören. Die kleinen, simplen Animationen findet man als Elternteil vielleicht langweilig, aber die kleinen Leser freuen sich sehr, wenn etwas bewegt. Geräusche von Fahrzeugen, Tieren und anderen tönenden Objekten sorgen für die passende Atmosphäre beim Lesen. Leyo übernimmt sogar die Rolle des Vorlesers, wenn kein Erwachsener dafür zur Verfügung steht.

Die zusätzliche Inhalte von Leyo erweisen sich überwiegend als informativ und unterhaltsam. Für sie wäre auf einer Buchseite gar nicht genug Platz gewesen und hätten sich gar nicht auf Papier drucken lassen. Aber nicht alles klappt mit Leyo besser. Will man seinem Kind ein Buch vorlesen, sollte man lieber nur dieses in die Hand nehmen und die App beiseite legen.

Die Kinder sind andernfalls nur auf die interaktiven Elemente auf dem Display fixiert und das eigentliche Buch gerät ins Hintertreffen. Zudem ist es je nach Sitzposition sehr schwierig Buch, Kind und Smartphone gleichzeitig auszubalancieren. Denn man kann mit der Kamera nicht immer dicht an der Seite bleiben, sondern muss die Arme hochnehmen, um die Doppelseiten komplett im Bild zu haben, damit die App die richtigen Inhalte lädt.

Pro Buch lädt Leyo rund 100 Megabyte Daten auf Smartphone oder Tablet herunter. Je nach Anzahl der Bücher und verfügbarem Speicherplatz, kann das schon mal eng werden - vor allem auf günstigen Geräten mit kleinem Speicher. Ich war zumindest froh, nach dem Test mit fünf Büchern mir wieder etwas Luft verschaffen zu können.

Der Download ist jedoch sinnvoll, da die zusätzlichen Inhalte auch im Offline-Modus die Bücher ergänzen. So lässt sich Leyo auch während einer Zugfahrt oder anderen Orten mit schlechter Netzanbindung verwenden, und als Eltern muss man sich keine Sorgen machen, dass der Nachwuchs auf Einkaufstour geht oder anderen Schabernack online anstellt - sofern man die Internetverbindung gekappt hat.

Im Test stürzte die Android-Version von Leyo vergleichsweise häufig ab. Öfter als jede andere App, die ich in den letzten Monaten ausprobiert habe. Wo man als Erwachsener schnell einen Neustart durchführt, staut sich bei Kindern schnell der Frust auf, wenn das interaktive Leseerlebnis immer wieder unterbrochen wird. Bei Carlsen ist man sich der Problematik bewusst und arbeitet nach eigenen Aussagen an einer Lösung.

Begeisterte Kinder, skeptische Eltern

Ich habe Leyo natürlich nicht nur selber ausprobiert, sondern die Bücher und ein Smartphone auch der Zielgruppe zur Verfügung gestellt. Fazit: Mit fünf Jahren sind viele andere Dinge interessanter als die interaktiven Bücherseiten in der App. Mit acht Jahren kann man dagegen stundenlang die Details der Bücher erkunden und sich die Animationen auch problemlos mehrfach ansehen und Texte immer wieder anhören. Gut, dass wir eine maximale Nutzungszeit ausgemacht hatten.

Während Kinder also von den interaktiven Elementen in Leyo begeistert sein können, bin ich als Vater noch zurückhaltend. Die zusätzlichen Inhalte passen zu den Büchern und rechtfertigen die App zwar, aber ein schlechtes Gewissen habe ich trotzdem, wenn ich mein Kind mit meinem Smartphone alleine lasse. Ich habe zwar keine Probleme damit, mein Smartphone oder Tablet meinen Kindern in die Hand zu geben, aber immer nur mit klaren Grenzen für Nutzungsumfang und -zeit. Für eigene Geräte finde ich die Zielgruppe der bisher verfügbaren Leyo-Bücher zu jung.

Eine Zukunft des Lesens

Leyo ist eine gelungene Ergänzung für das klassische Kinderbuch. Die zusätzlichen Inhalte sind ein wirklicher Mehrwert – und trotzdem sind die Bücher auch solo lesbar. Technisch besteht allerdings noch Nachbesserungsbedarf, und zum Vorlesen sind Smartphones und Apps weniger geeignet, sondern bieten vor allem an, sie einem Kind zum Herumspielen direkt in die Hand zu drücken – falls da keine grundsätzlichen Bedenken bestehen.

Die Kinderbücher von Carlsen, für die Leyo zusätzliche Inhalte bereit hält, sind nicht teurer als Bücher ohne App und kosten im Handel zwischen 10 und 20 Euro. Die Leyo-App für iOS und Android steht kostenlos im App Store und im Play Store zum Download bereit.


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