Livestreaming mit Meerkat und Periscope: Wer kann mehr?

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Meerkatze trifft Periskop: die jungen Livestreaming-Apps
Meerkatze trifft Periskop: die jungen Livestreaming-Apps(© 2015 Meerkat, Periscope, CURVED Montage)

Und plötzlich ist Livestreaming vom Smartphone das große Ding: Innerhalb weniger Wochen wollen gleich zwei Apps den Thron für sich beanspruchen: Meerkat, aktueller Liebling der Netzgemeinde, und Periscope, Twitters hauseigene Streaming-App. Wir verraten Euch, was die Apps unterscheidet.

In nur acht Wochen entwickelt, hat die Livestreaming-App Meerkat die Konferenz South by Southwest im Sturm erobert - und von Austin, Texas, aus die ganze Web-Welt. Derzeit wächst die Nutzerschaft täglich um 30 Prozent. Schon der Hype um die Teenie-Streaming-App YouNow hierzulande deutete an, wie groß das Thema Livestreaming in den kommenden Monaten werden wird. Kein Wunder. Denn was ist intimer, unmittelbarer als ein Livestream? Dagegen wirken Beiträge in der Facebook-Timeline oder Fotos auf Instagram ja fast schon altbacken.

In dieser Woche ging zudem Periscope an den Start, Twitters eigene Livestreaming-App. Sie ist das Ergebnis einer einjährigen Entwicklungsphase - und macht auf den ersten Blick einiges besser als der aktuelle Liebling der Web-Gemeinde, Meerkat. Aber hat sie das Zeug zum Meerkat-Killer? Ein Vergleich.

Die Kernfeatures

Wird ein Stream gestartet, so schickte Meerkat automatisch einen Link über das Twitter-Profil des Nutzers aus. Schickte, nicht schickt. Denn Twitter hat dem Konkurrenten nun kurzerhand den Zugriff auf den Social Graph und damit auf die Nutzerkonten verwehrt. Für Meerkat heißt: Die App bietet neuen Usern künftig keine Verbindung mehr zu deren Twitter-Followern. Bislang schickte Meerkat jedes Mal, wenn ein Stream gestartet wurde, automatisch einen Tweet mit Link in die Timeline.

Eine Live-Übertragung als Follower oder Zuschauer nachträglich aufzurufen, ist nicht möglich. Meerkat speichert das Video eigenen Angaben zufolge nicht in der Cloud ab. Der User, der den Stream initiiert hat, kann das Video jedoch in sein Archiv herunterladen.

Periscope wirkt da schon ausgereifter: In der Übersicht der Streams finden sich nicht nur Live-Events, sondern auch Aufnahmen. Wer also einen Livestream verpasst hat, kann sich das Video nachträglich anschauen. Gefällt Euch ein Stream, könnt Ihr dem Betreiber ein Herz durch ein Tap auf den Screen schicken. Dieser bekommt damit ein Instant-Feedback.

Livestreaming

Beide Apps liefern sowohl im WLAN als auch über LTE eine akzeptable Performance. Was bei Meerkat missfällt, ist die Verzögerung, mit der Kommentare von Nutzern beim Podcaster aufschlagen - teilweise bis zu zehn Sekunden. Das macht eine Echtzeitkommunikation, eigentlich der Grundgedanke hinter jedem Livestream in den sozialen Medien, schwer. Bei Periscope beträgt dieser Delay maximal zwei Sekunden. Ein dicker Pluspunkt für die Twitter-App.

Allerdings frage ich mich ernsthaft, was die Entwickler beider Tools geritten hat, als sie die Livestreaming-Apps nur mit einem Hochkant-Videomodus ausgestattet haben. Warum??? Schließlich kann ich im Panoramamodus doch viel mehr von der Umgebung aufnehmen. Und wenn ich einmal ein Video nachträglich auf YouTube oder eine andere Plattform hochladen möchte? Vermutlich gehen die Betreiber nicht davon aus, dass sich Zuschauer die Livestreams auch abseits des Smartphones anschauen. Zumindest ist aus beiden Lagern nicht zu vernehmen, dass ein Horizontalmodus für die Aufnahme geplant sei.

User Experience

Wenn Ihr schon mit Facebook, Twitter, Instagram und Co. überfordert seid, solltet Ihr die Finger von Meerkat und Periscope lassen. Beide Apps neigen in der ersten Version noch dazu, den Nutzer mit Benachrichtigungen zuzuspammen. Egal, ob ein Nutzer, dem Ihr folgt einen Livestream startet, oder Periscope Euch einen neuen Stream empfiehlt: Jedes Mal ploppt eine Notification auf Eurem Locksreen auf. Das ist verständlich: Beide Apps wollen wachsen und setzen auf ein erhöhtes Engagement der Nutzer, um dieses Ziel zu erreichen. Allerdings wären die Entwickler gut beraten, die Benachrichtigungen optional zu machen - oder zumindest die Vergabe von Regeln zu ermöglichen.

Abgesehen davon machen beide Apps einen guten Job, wenn es um einfache Benutzerführung geht. Nach der Installation gebt Ihr beiden Apps lediglich den Zugriff auf Euren Twitter-Account und erlaubt den Zugriff auf Eure Kamera, das Mikrofon und gegebenenfalls den Standort - schon könnt Ihr mit einem Tap losstreamen. Leider ist es über die Twitter-App selbst noch nicht möglich, einen Livesstream zu starten.

Periscope, der Meerkat-Killer?

Schwer zu sagen. Periscope wirkt rundherum überlegter, was es ist, und auch schicker. Aber wenn mir Snapchat eines gezeigt hat, dann dass Design nicht darüber entscheidet, ob sich eine App durchsetzt. Erinnert Ihr Euch noch an Slingshot von Facebook? Die App sah besser aus als das quietschebunte Snapchat, und kam zudem mit einigen praktischen Features. Doch Slingshot wurde nie relevant, und Snapchat ist vor allem bei Jugendlichen weiterhin extrem populär. Was man noch daraus lernen kann: Manchmal musst Du nicht das beste Produkt haben. Es reicht, der Erste zu sein. Meerkat hat es tatsächlich aus dem Stand geschafft, innerhalb weniger Tage die Hype-App des noch jungen Jahres zu werden. Diese wenigen Wochen Vorsprung könnten entscheidend sein für den langfristigen Erfolg. Zudem konnte die in acht Wochen zusammengeschusterte App erst vor wenigen Tagen 14 Millionen Dollar an Funding-Geldern einsammeln. Viel Geld, um die App mit neuen Features auszustatten und mehr Stabilität zu garantieren.

Persönlich gefällt mir Periscope weitaus besser. Und die Tatsache, dass ich Streams auch nachträglich noch anschauen kann, ist für mich ein großer Pluspunkt. Die Integration ins Twitter-Ökosystem dürfte der Livestreaming-App weiteren Auftrieb verleihen. Zumal beide Apps derzeit nur für iOS verfügbar sein. Ein Release einer Android-Version dürfte beiden Anwendungen nochmal einen enormen Nutzerzuwachs verschaffen.

Fest steht: 2015 wird das Jahr des mobilen Livestreamings. Ob YouNow, Meerkat oder Periscope, Echzeit-Videokommunikation ist das nächste große Ding in den Social Networks. Bleibt die Frage: Wann zieht Facebook mit einem entsprechenden Feature nach?


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