"Love, Death & Robots" im Review: Eine Liebeserklärung

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Fantastische Welten zwischen Gewalt und Liebe
Fantastische Welten zwischen Gewalt und Liebe

Mit "Love, Death & Robots" hat Netflix ein weiteres Mal bewiesen, wie schön Binge Watching sein kann. Unser Autor erklärt, was die Sci-Fi-Animationsserie zu seiner aktuellen Favoritin macht. 

Als am 15. März "Love, Death & Robots" auf Netflix erschien, brach ein regelrechter Begeisterungssturm los. Kein Wunder, schließlich vereint die aus 18 Episoden bestehende Serie viele Elemente, die bis dahin in keinem vergleichbaren Format und in dieser Weise erschienen sind: packende Geschichten, nachdenkliche Twists, dystopischer Cyberpunk. Und das verpackt in phänomenalen Bildern und dramatischen Storys über Liebe, Sex und Gewalt – zwischen Menschen und Maschinen. Und einer Prise Humor.

Alles Themen, für die ich schon von Kleinauf empfänglich gewesen bin – wobei Sex, Gewalt und Liebe eher später hinzukamen. Doch Love, Death & Robots ist mehr als das. Diese Serie bricht mit Konventionen und erschafft neue Freiräume. Aber für wen eigentlich? Und warum spreche ich seit Wochen eine absolute Empfehlung für diese Serie aus?

"Love, Death & Robots": Ein atemberaubender Animations-Mix

Das Offensichtlichste zuerst: Die grafische Umsetzung von "Love, Death & Robots" ist umwerfend. Jede einzelne Episode wurde in einem eigenen Stil gehalten: von fotorealistisch bis handgezeichnet. Bei der Visualisierung haben einige der besten Effektstudios mitgewirkt: zwar nicht die bekanntesten, sondern eher kleinere Studios, die vor allem an TV-Spots und Videospielen Hand angelegt haben.

Für diese Studios war "Love, Death & Robots" aber mehr als nur ein Projekt von vielen. Denn es sind gerade die kleineren Firmen, deren Auftraggeber nur selten kreative Freiheiten lassen und die Kreativen deshalb in einem eng abgesteckten Feld wirken müssen. Für sie bot "Love, Death & Robots" die Möglichkeit, sich mal richtig auszutoben und das Format Animationsfilm aufzubrechen. Das Ergebnis sind phantastische Bilder, die diese Anthologie zu einem Augenschmaus machen.

Grandiose Geschichten

Man nehme die Themen Liebe, Gewalt und Sex und packe diese in die Genres Shocker, Cosmic Horror, Anime, Cyberpunk und Zeitreise. Herausgekommen sind wahnsinnig interessante Settings für tolle Storys mit Twists, die teilweise noch lange im Gedächtnis bleiben. Das kommt nicht von ungefähr: Als Inspiration für "Love, Death & Robots" diente der Sci-Fi-Klassiker Heavy Metal, bei dem nicht nur bekannte Künstler wie HR Giger mitwirkten, sondern auch renommierte Sci-Fi- und Horrorautoren.

Mehr als das: Als weitere Quellen der Inspiration dienten Geschichten preisgekrönter Sci-Fi-Autoren wie Alastair Reynolds ("Revelation-Space"-Zyklus, "Poseidon’s-Children"-Trilogie), John Scalzi ("Krieg der Klone"), Ken Liu ("The Paper Menagerie") oder Joe R. Lansdale ("Die Wälder am Fluss"). So kommt es, dass alle in sich geschlossenen Kurzgeschichten in Zukunfts-Utopien und Dystopien, alternativen Realitäten und im Weltraum spielen – und die Handlungen so gut wie keine Grenzen kennen.

Legendäre Regisseure

Mit David Fincher ("Sieben", "Fight Club", "House of Cards") und Tim Miller ("Verblendung", "Deadpool") haben sich zwei kongeniale Regisseure zusammengetan. Während Fincher die Produktion übernahm, verantwortete Miller die kreative Umsetzung der Netflix-Serie. Seine Erfahrungen, die er als Entwickler von CGI-Trailern und PC-Games gesammelt hat, flossen so in die Produktion von "Love, Death & Robots" ein.

Die Masterminds haben es geschafft, jede Folge einzigartig zu machen. So gleicht keine Episode der anderen – weder optisch noch erzählerisch. Nur der Grundtenor bleibt derselbe: Liebe, Gewalt und Sex.

Freiheit dank Netflix

Mit "Love, Death & Robots" konnten kleinere Animationsstudios die Möglichkeit nutzen, sich einmal richtig auszutoben. Und die schöpften sie aus! Vor allem Netflix ist dieser Umstand zu verdanken. Verglichen mit den großen Produktionsstätten wie Warner Brothers, 20th Century Fox oder Sony, die den Kosten-Nutzen-Faktor eines Films zum kategorischen Imperativ gemacht haben, hat Netflix dieses Problem nicht.

So können auf Netflix Produktionen erscheinen, die sich nicht dem Mainstream anbiedern. Keine neue Marvel-Verfilmung und auch keine weitere Fortsetzung der Transformers-Reihe, die eher bei den Effekten große Geschütze auffahren als mit einer fesselnden Handlung, neuen Ideen und facettenreichen Charakteren punkten wollen. Während die großen Filmfirmen das Risiko eines Flops möglich gering halten wollen – und auch müssen –, entstehen auf Netflix dank eines anderen Geschäftmodells viel mehr Freiräume. Diese Räume wurden mit "Love, Death & Robots" hervorragend genutzt. Bitte mehr davon!


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