Macht die App Lift Euch zu besseren Menschen?

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Macht die App Lift Euch zu besseren Menschen?
Macht die App Lift Euch zu besseren Menschen?(© 2014 liftapp.com, CURVED Montage)

"Lift" soll täglich motivieren, um gesteckte Ziele zu erreichen. Funktioniert das? Unsere US-Korrespondentin Lisa ist schon einmal gescheitert und hat sich jetzt Hilfe von den Entwicklern geholt. 

Friedhof toller Qualitäten

Vor Mitternacht schlafen gehen, keine Mails vor dem Frühstück, die Eltern anrufen. Das Leben könnte so perfekt sein, wenn man ein Übermensch wäre. In der Realität ist das meine gescheiterte Lift-Liste. Mit der App, die für iOS, Android und Web verfügbar ist,  sollen Nutzer positive Gewohnheiten erlernen. Das Prinzip ist simpel: Nach der Anmeldung können in einer Liste von Aktivitäten die gewünschten Ziele ausgewählt, oder selbst Ziele eingegeben werden. Daraus entsteht die persönliche Checkliste. Sobald der Nutzer ein To Do erledigt hat, kann er via Lift einchecken und sieht so über einen längeren Zeitraum die Entwicklung seiner Eigenschaften.

Meine Lift-Checkliste ist jedoch nur mehr ein Friedhof toller Qualitäten. Im Herbst hatte ich die App installiert und war zwei Wochen motiviert, mich zum besten Menschen der Welt umzutrainieren. Doch irgendwann fiel ich vom Motivationszug und kam nicht mehr hoch. Die Anwendung schlummerte leise auf dem Screen meines Nexus 5 dahin, und unregelmäßige Push-Benachrichtigungen löschte ich, überkommen von schlechtem Gewissen, innerhalb einer Millisekunde.

Tipps vom Lift-Team

Wieso bin ich gescheitert? Und wie nutze ich eine App, die mich täglich motivieren soll - und nicht deprimieren – effizient? Ratlos besuchte ich das Team von Lift in San Francisco, und bat um Hilfe.

"Es geht nicht darum, ausnahmslos täglich einzuchecken"

"So wie dir geht es vielen", beruhigt mich Erin Frey. Sie ist im Zehn-Personen-Team von Lift für das Community Management verantwortlich. "Wir sind bemüht, die Menschen auf ihre Erfolge aufmerksam zu machen, und nicht ihre Niederlagen. Das heißt, wir passen Visualisierungen so an, dass du dich gut fühlst, wenn du die App nach Wochen wieder öffnest." Seitdem ich das letzte Mal Lift zu öffnen wagte, ist ein Update erschienen, das die App wirklich etwas weniger deprimierend macht. Der Fortschritt eines Ziels kann im Wochen- und Monatsverlauf angezeigt werden. "Es geht um ein langfristiges Bild und nicht darum, ausnahmslos täglich einzuchecken."

Wie aber kann der Abbruch eines Motivationshochs verhindert werden, frage ich Frey nach Tipps für den richtigen Umgang mit Lift. "Manche Menschen haben nur ein bis zwei Aktivitäten in ihrer Liste, manche checken täglich dutzende Gewohnheiten. Zu Beginn hilft es vielen, ein einfaches Ziel einzutragen - das Bett machen zum Beispiel." So hätte man bereits morgens ein Erfolgserlebnis und könne mit dem Spirit positiv weiterarbeiten. Weiters helfe es, seine Ziele alle paar Wochen zu hinterfragen: "Ich kicke hin und wieder Elemente aus der Liste und habe kein schlechtes Gewissen dabei", meint die Community Managerin.

Selbsthilfe-Guru Tim Ferriss liefert Content

Um die Lift-Nutzer bei Laune zu halten, haben die Macher das Produkt weiterentwickelt. War zu Beginn das Abhaken der Aktivitätenliste das primäre Feature, so setzt das Startup jetzt den Schwerpunkt auf Content. Wer Meditieren als Gewohnheit auswählt, kann in der App Videos und Audiobeiträge abspielen. Im Bereich Workout stellen Fitness-Experten Trainingspläne zusammen. Prominente Lift-Fans sollen die Community außerdem antreiben. So unterstützt Autor und Selbsthilfe-Guru Tim Ferriss die Community bei der "Four Hour Body Diet". Beruhigend: Selbst er hat in den vergangenen 640 Tagen nur 28 mal bei Lift eingecheckt. Der Unternehmer hat in das Startup vor zwei Jahren investiert. Das Team sucht übrigens nach weiteren Content-Partnern. "Wir nehmen gerne Vorschläge von den Lift-Usern an", verspricht Frey. Die Nutzung der App und der Inhalte sind "vorerst" kostenlos. Pläne, das in Zukunft zu ändern, gebe es noch keine.

Mehr Content, einfache Ziele und bessere Darstellung der Ergebnisse sollen Menschen also dabei unterstützen, positive Gewohnheiten anzutrainieren. Zwar macht Lift einen aufgeräumten, simplen Eindruck, allerdings gibt es noch Verbesserungspotenzial. So ist das Folgen von Freunden und Promis noch unübersichtlich, und die Auswahl der Multimedia-Inhalte nicht immer flüssig. Wünschenswert wäre außerdem eine Schnittstelle zu anderen Produkten aus dem Quantified Self-Universum, wie etwa zu Fitbit oder dem Nike Fuelband. Das sei derzeit jedoch nicht geplant, informiert Frey.

Am Tag 5 nach meinem Motivationsgespräch mit Frey habe ich immerhin vier mal die Aktivität "Meditieren" abgehakt. Bin ich vor Mitternacht schlafen gegangen? Nein. Dafür schreibe ich in den nächsten 30 Tagen einen Roman.


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