Mediamarkt: mit Online-Shop auf Kurs

Mit den Marken Media Markt und Saturn hat der Handelsriese Metro den deutschen Elektronikmarkt fest im Griff. Der neuste Schritt auf dem Weg zur Weltherrschaft: Bei Media Markt droht die rote Reizüberflutung ab jetzt auch online. Ohne Zweifel ein cleverer Schritt - mit schalem Beigeschmack.  Ein Kommentar von Jannik Schall

"Ich bin doch nicht blöd!". Den kennen wir alle. Auch dass Weihnachten unter'm Baum entschieden wird, wissen wir - auch wenn eine Gruppe von rund 42.000 christlichen Spinnern auf Facebook die krude These verbreitete, Weihnachten werde in der Krippe entschieden.

Unnütz aber trotzdem wichtig

Media Markt ist nicht nur Marktführer in Deutschland, sondern mischt auch international kräftig mit. Ob in der Schweiz, in Frankreich, in der Türkei oder in China: Überall wartet der knallrote Markt auf kauffreudige Kunden. Wie dem auch sei, das Interesse am neuen Onlineangebot ist hierzulande groß. Aber warum eigentlich? Haben wir nicht schon viel zu viele derartige Shops? Im Media Saturnschen Imperium stellt sich diese Frage nicht.

 

Geballte Marktmacht

Die beiden Marken Media Markt und Saturn gehören zur Media Saturn Holding (MSH) und die wiederum gehört dem Handelsriesen Metro. Doppelt genäht hält eben besser. Während die breite Öffentlichkeit Media Markt und Saturn als Konkurrenten wahrnehmimmt, verdient am Ende immer Metro. Dabei bedienen sich die Märkte marktschreierischer Werbestrategien, ausgeheckt von den kreativste Köpfen Deutschlands - etwa der Werbeagentur Jung von Matt. Kein Wunder, dass sich die Konkurrenz weit abgeschlagen in zweitklassigen Vorstadt-Einkaufszentren herumdrückt.

 Progressive Problemlösung

Die MSH springt bei voller Fahrt auf den Online-Zug und macht dabei keine halben Sachen: Erst vor einem knappen Jahr riss sich die Holding den Online Versandhändler Redcoon unter den Nagel. Es folgte der Saturn-Onlineshop und nun eben auch der für Mediamarkt. Es ist ein cleveres Konzept, keine Frage. Geht der Kunde doch gerne ins Geschäft, lässt sich beraten - und kauft schlussendlich bei Amazon. Dieses Problem wird nun bei der Wurzel gepackt: Wenn man schon die eifrigen Verkaufsbemühungen des aalglatten Kundenberaters abgewehrt hat und es ohne einen tiefen Griff in die Brieftasche zurück vor den heimischen PC geschafft hat, springt uns nun auch dort die geballte Marketingkraft der MSH ins Gesicht.

Alles halb so wild?

Obwohl die marktbeherrschende Position der MSH langsam erschreckende Züge annimmt, ist die Eröffnung des neuen Onlineshops eine logische Konsequenz aus der allgemeinen technischen Entwicklung. Diese Zweigleisigkeit wird von immer mehr Unternehmen praktiziert und dürfte auch für die Kunden erhebliche Vorteile bringen. Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack beim Anblick von Geil ist Geil und Co. Denn am Ende profitieren vor allem die Konzerne: Der Umsatz von fast 21 Milliarden Euro, den die MSH im Jahr 2010 machte, dürfte sich durch die neue Strategie noch steigern lassen.