Million-Dollar-App: Sagt ein Yo mehr als tausend Worte?

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Yo!
Yo!(© 2014 Yo, CURVED Montage)

Was als Aprilscherz begann, konnte inzwischen eine Million Dollar Investment-Gelder sammeln, über 50.000 Installationen auf Android- und iOS-Geräten verzeichnen und in den letzten Tagen große Medienaufmerksamkeit erregen: Die App Yo sendet und empfängt nur ein Wort — eben: "Yo" — und steht entweder für die Genialität seines Erfinders, die gefährlich-unbegrenzten Möglichkeiten des mobilen Marktes oder den Untergang des Abendlandes ...

Vor ein paar Tagen berichteten wir über die alternative Android-Tastatur Hodor Keyboard, die es Game of Thrones-Fans erlaubt, das einzige Wort, das der gleichnamige Charakter aus der Erfolgsserie spricht, komfortabel zu tippen. Bei einem Preis von 73 Cent und ein paar tausend Installationen dürfte der Entwickler der sinnfreien Anwendung zwischenzeitlich durchaus ein kleines Taschengeld verdient haben. Doch es geht noch lukrativer — und dabei noch simpler.

Yo!

"Yo" heißt die App, die der ehemalige iOS-Entwickler Or Arbel am 1. April veröffentlichte und die lediglich ein "Yo" an Kontakte verschicken kann, die die Anwendung ebenfalls installiert haben.  Aus dem Aprilscherz wurde schnell ein Millionen-Projekt: Arbels ehemaliger Chef bei der israelischen Firma Mobli, der ihn ursprünglich beauftragte hatte, eine Anwendung zu programmieren, mit der dieser seinen Assistenten schnell herbeirufen könnte, unterstützt das Projekt mit einer Millionen Dollar, so berichtete die Financial Times gestern.

Dieser Bericht gibt der App nun das nötige breite Interesse, das sie tatsächlich zu einem guten Investment werden lassen könnte: Vox.com veröffentlichte gestern noch schnell ein FAQ zu Yo und erklärte darin selbst, dass sich die Nutzungszahlen vom 17. Juni (50.000 Registrierungen, vier Millionen versendete "Yo"s) inzwischen deutlich vervielfacht haben dürften.

Markiert Yo das Ende einer Mobile-Tech-Blase? Oder gar der Vernunft?

Konnte man das Hodor-Keyboard noch als geekigen Spaß für Fans abtun, stellt sich bei einem Investment in Millionenhöhe für Yo nun die Frage, ob das Abendland endgültig verrückt geworden ist und unsere westliche Gesellschaft droht, jedweden Bezug zur Realität des Welt — die eben andernorts weiterhin aus Krieg, Hunger und Armut besteht — in Hedonismus, Kapitalgier und Vergnügungssucht einzutauschen.

Bei diesem Gedanken geht es nicht so sehr um das Investment selbst, sondern um das wirtschaftliche Potenzial, dass die Geldgeber in Yo erkennen. Eine App, die im Kern nichts tut, als uns kurzzeitig zu amüsieren, scheint für einige, die sich durchaus mit so etwas auskennen, das Versprechen abzugeben, wirtschaftlich relevant werden zu können. Weil alles, was Sinn macht, schon erfunden scheint und inzwischen jeder Quatsch beim gelangweilten Wohlstandskunden phänomenal ankommen könnte?

Yo!

... oder macht Yo doch Sinn?

Arbels selbst hingegen ist vom Nutzen seiner App überzeugt: Nicht nur könnten Nutzer damit schnell und einfach ihre Zustimmung mitteilen, auch könnten Blogger ihre Leser damit auf neue Inhalte hinweisen, Läden ihre Kunden auf neue Produkte, oder der Eiscremewagen auf seine Ankunft. Ebenfalls in der Breite denkbar und teilweise schon umgesetzt: Benachrichtigungen zu Sport-Veranstaltungen. Schon jetzt sendet der Yo-User "Worldcup" ein "Yo" sobald in Brasilien ein Tor fällt — und zwar schneller, als die meisten Medien-Dienste; was wohl daran liegen dürfte, das Informationen zum Schützen, Spielstand und zur Spielminute entfallen.

Und auch wer keine Lust hat, schnöden Smalltalk zu schreiben, kann mit einem simplen "Yo" dennoch sein grundsätzliches Interesse beispielsweise an der Liebsten ausdrücken. So sinnlos, wie Yo auf den ersten Blick erscheint, muss die App also gar nicht sein.

Gleichzeitig muss auch in Erwägung gezogen werden, dass Yo trotz des Investments und des nun aufflammenden Medien-Interesses kein Erfolg werden muss; Investor Hogeg kommt zwar aus dem Business und sollte sich auskennen — hat aber vielleicht auch einfach nur zu viel Geld und Spaß daran, im Fahrwasser eines etwaigen Yo-Hypes ein bisschen Aufmerksamkeit zu erfahren: Er wäre nicht der erste Business-Angel, dessen Motivation zum Geld geben nicht nur betriebswirtschaftlich gesteuert ist.

Warten wir also ab, was aus Yo wird. Vielleicht schütten wir uns in ein paar Jahren Asche auf unsere Häupter, weil wir an der dann genialsten Mobile-Idee der letzten Jahre gezweifelt haben; so wie einst auch die Idee eines öffentlichen Netzwerks zum freizügigen Teilen privater Fotos und Gedanken abstrus schien. Oder wir haben Yo schon in ein paar Monaten wieder vergessen...

Sicherheitsprobleme, Yo!

Update vom 20.06.2014, 16:57 Uhr: Yo wurde gehackt. Firmengründer Or Arbel bestätigte gegenüber TechCrunch, dass es Sicherheitsprobleme mit der App gebe. Unter anderem wollen sich drei Studenten sich Zugang zu den Rufnummern sämtlicher Yo-Nutzer verschafft haben. Außerdem könnten sie jedem möglichen User nach Belieben "Yo"- und Push-Benachrichtigungen senden. Ein anderer Nutzer hat die App indes geknackt, um den "Yo"-Sound durch einen Schnipsel aus "Never Gonna Give You Up" von Rick Astley zu ersetzen – das war ihm unterhaltsamerweise ein Vine-Video wert.

Einige der Sicherheitslücken sollen bereits behoben worden sein, an anderen soll ein extra engagiertes Team von Fachleuten arbeiten. Bereits in wenigen Stunden könnte es ein Update geben, das die Lücken schließt.


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