Mini-Smartphone, Mini-Umsatz: Die Kleinen sind zu teuer

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Mini-Ausgaben der Flaggschiff-Smartphones: HTC One mini 2, Samsung Galaxy S5 mini, LG G3 S und Sony Xperia Z1 Compact.
Mini-Ausgaben der Flaggschiff-Smartphones: HTC One mini 2, Samsung Galaxy S5 mini, LG G3 S und Sony Xperia Z1 Compact.(© 2014 HTC, Samsung, LG, Sony, CURVED Montage)

Haben die Galaxy S minis, die HTC One minis und die Sony Z compacts ihren Zenit überschritten? Schienen die "Kleinen" bislang noch durchaus erfolgreich zu sein, berichten nun erste Quellen aus der taiwanischen Zulieferer-Industrie von eher zähen und insgesamt enttäuschenden Absätzen. Woran liegt das und was bedeutet es für die Smartphone-Sparte?

Mit dem Samsung Galaxy S3 mini ging es 2012 los, Sony, HTC und zuletzt auch LG zogen in den vergangenen zwei Jahren allesamt nach: Mini-Varianten der Smartphone-Flaggschiffe schienen vor allem aus Marketingsicht ein probates Mittel, noch mehr Geräe an Käuferschichten zu bringen, die keine 600 Euro für ihr neues Smartphone hinblättern wollten, oder denen der Trend zum immer größeren Display schlicht gegen den Strich ging.

Nur scheint das stimmig klingende Konzept nicht ganz aufgegangen zu sein: Die koreanische DigiTimes berichtet unter Berufung auf Quellen in taiwanischen Zuliefer-Unternehmen, dass die "Verkäufe der Mini-Versionen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, was an einem nicht wettbewerbsfähigen Preis-Leistungsverhältnis liege."

Großer Name, kleines Gerät: Samsungs Galaxy S3 Mini

Und tatsächlich waren wir schon beim Galaxy S3 mini sehr überrascht, dass Samsung für das Mittelklasse-Gerät im Flaggschiff-Gewand ordentliche 400 Euro verlangte — ein Preis, den die verbaute Hardware keinesfalls rechtfertigte und der wohl nur daraus resultierte, dass der Kunde hier das damals wohlklingende Label Galaxy S3 mitbezahlen sollte. Auch das mag von Marketing-Experten clever ersonnen gewesen sein, allein scheint der Markt nicht ganz mitgespielt zu haben: Schon wenige Wochen nach dem Launch kostete das S3 mini real dann nur noch knapp unter 300 Euro.

Unter den Erwartungen

Gleiches gilt für beinahe sämtliche Nachfolger von Samsung und den anderen Herstellern: Von Galaxy S3 mini und Galaxy S4 mini über HTC One mini und LG G2 mini bis sogar zum ganz neuen Galaxy S5 mini lag die vom Hersteller veranschlagte UVP irgendwo zwischen 400 Euro und 500 Euro; verkauft wurden die Geräte dann durchgehend mindestens 100 Euro günstiger. Wenigstens das Sony Xperia Z1 compact entsprach in Sachen Spezifikationen durchaus dem Oberklassen-Standard, geht derzeit aber ebenfalls für satte 150 Euro weniger als der UVP über den virtuellen Ladentisch.

Rühmliche Ausnahme: Das Sony Xperia Z1 compact

Insofern darf man die Aussage der taiwanischen Quellen vom nicht wettbewerbsfähigen Preis-Leistungsverhältnis durchaus für voll nehmen: Die Hersteller werden mit den Minis nicht den erhofften Umsatz erwirtschaftet haben. Zumal es exakt in diesem Leistungssegment ein Fülle günstiger Alternativen — nicht nur aus China, sondern teils aus dem eigenen Portfolio ebenjener Hersteller— gibt. Und ganz so unerfahren sind die Kunden dann eben doch nicht gewesen, als dass sie bereitwillig horrende Preise für ein bisschen High-End-Glanz gezahlt hätten.

Bedeutet das nun das Ende der kompakten Flaggschiff-Ableger? Wie die genannten Hersteller tatsächlich reagieren werden, lässt sich so früh nicht abschätzen. Was sie tun können, liegt auf der Hand: Es gibt durchaus Nutzer die sich kompakte Geräte wünschen . Aber die sind eher rar gesät; nicht umsonst wird wohl selbst das nächste iPhone — entgegen aller ehemaligen Design- und Usability-Paradigmen aus Cupertino — größer werden. Anders, als seit Jahren geunkt wird, wünschen sich die Nutzer Geräte mit 5 Zoll- oder gar noch größeren Displays. Und LG hat mit dem G3 zuletzt bewiesen, dass dazu nicht zwingend das gesamte Smartphone ins Unpraktische anwachsen muss. Warum müssen die Mittelklasse-Ableger also zwingend mini sein?

Und dann gibt es natürlich auch Käufer, denen eine Flaggschiff-Etikettierung erst so richtig Lust auf ein Gerät macht. Aber auch die stellen glücklicherweise nicht die Mehrheit der Kundschaft dar — also sollten die Hersteller damit aufhören, ihre Minis so zu vermarkten. Denn das Problem dabei ist, dass so erst Erwartungen geschaffen werden, die beinahe keines dieser Geräte halten kann.

Rechts das HTC One M8, links das One mini 2

Statt Freude über ein gutes Mittelklasse-Smartphone mit kompakten Dimensionen stellt sich bei Kunden wie Testern und Journalisten somit in erster Linie stets Enttäuschung über die, verglichen mit dem vermeintlichen Schwester-Modell, eher mäßigen Spezifikationen ein. Dabei müsste dieser Vergleich gar nicht stattfinden.

Klar ist aber auch, dass die Hersteller der Minis dann mit anderen Preisen kalkulieren müssen — für ein Mittelklasse-Gerät kann eben kein Preis knapp unter High-End angesetzt werden, zumal nicht in Zeiten, in denen chinesische Unternehmen à la OPPO, Huawei, Xiaomi oder OnePlus und zeigen, dass selbst absoluten High-End-Geräte für 300 Euro machbar sind. Tut uns also leid für Samsung, HTC, LG (Sony nehmen wir ob der guten Hardware ihres compact bewusst aus dieser Aufzählung heraus — die Japaner dürften mit ihrem Gerät letztlich nur Opfer des schon bestehenden Mini-Verdrusses geworden sein), aber es scheint, dass die fröhliche Label-Schummelei endlich zu einem durch den Kunden erzwungenen Ende kommt.

Wir hoffen also zukünftig auf weniger Minis und dafür mehr Compacts und normalgroße Modelle mit normalen Spezifikationen — zu kompakten oder eben normalen Preisen.


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