Mobile Payment unter Freunden: Interview mit Lendstar

Mobile Payment ist schon lange das Hype-Thema in der Mobilfunkbranche und wird immer noch viel diskutiert. Durchgesetzt hat sich die digitale Form des bezahlen aber immer noch nicht so richtig. Vor wenigen Wochen war ich bei den Mobile Payment Days 2013 in Frankfurt und durfte selbst etwas zum Thema Mobile Payment sagen. Dabei habe ich die Startups Figo und Lendstar kennengelernt. Mit beiden Gründern habe ich ein Interview geführt und sie zur Zukunft des Mobile Payment befragt. Im Interview mit Christopher Kampshoff möchte ich euch jetzt eine neue Methode des bezahlen unter Freunden vorstellen.

Felix: Wer bist du und was machst du?

Christopher: Hallo, mein Name ist Christopher Kampshoff und ich bin Gründer und CEO von Lendstar. Bevor ich Lendstar gegründet habe, war ich viele Jahre in der Finanzbranche tätig, habe bei verschiedenen Banken – von der Sparkasse bis zu JP Morgan – gearbeitet und war zuletzt als CFO bei der IDENT Technology AG (einem High Tech Unternehmen im Bereich Sensorik) angestellt.

Felix: Warum hast du Lendstar gegründet?

Christopher: Durch meine langjährige Arbeit in der Finanzbranche weiß ich, wie kundenunfreundlich die Angebote der Banken oft sind. Schon lange habe ich mir gedacht: „Es müsste eine Alternative zur Bank und vor allem zum teuren Dispokredit geben. Etwas, das die Leute gerne und mit guten Gewissen nutzen.“ Mit Lendstar möchte ich die Barrieren zwischen den Konten einreißen und Finanztransaktionen sozialer und interaktiver gestalten.

Felix: Welche Vorteile haben Anwender mit deiner App und wie erleichtert es das tägliche Leben?

Christopher: Lendstar ist ein Finanznetzwerk von Freunden für Freunde. Per App können sich Freunde, Familienmitglieder, Bekannte, also Menschen, die sich kennen und vertrauen, untereinander Geld leihen. Einfach, schnell und sicher. Und zinsfrei! Damit bietet Lendstar eine echte Alternative zum teuren Dispokredit der Bank. Mit Lendstar werden die einzelnen Transaktionen dokumentiert. Innerhalb weniger Sekunden stellt der User eine Leihanfrage, in der folgende Fakten festgehalten werden: Transaktionsname, Höhe, Leihdauer, und Rückzahlungs- bzw. Zahlungsdatum des Betrages. Zudem kann er optional eine Transaktionsbeschreibung und ein Foto posten. Das regt die Interaktivität und Kommunikation der User an. Lendstar ist kein anonymes Netzwerk, sondern sozial und interaktiv. Übrigens: Sollte es einmal zu einer Verzögerung bei der Rückzahlung von geliehenen Geldern kommen, so erinnert Lendstar automatisch Schuldner und Gläubiger innerhalb der Lendstar-App und auch per E-Mail. Diese lästige Aufgabe bleibt den Usern also auch erspart.

In einigen Wochen wird die App um zusätzliche Features erweitert. Die User können dann auch Geld sammeln, z.B. für ein Geburtstagsgeschenk, gemeinsame Kosten aufteilen und sich vorausbezahlte Beträge erstatten lassen. Die App übernimmt dabei die Dokumentation und alle Rechenvorgänge. Mit Lendstar 2.0 wird außerdem ein weiteres spannendes und sinnvolles Feature für die User eingeführt: die Lendstar Wallet. Die elektronische Geldbörse macht den Geldtransfer in Echtzeit möglich. Die User können mühelos aus der App heraus untereinander Geld transferieren und zum Beispiel in Kombination mit der Lendstar Prepaid Kreditkarte in der realen Welt bezahlen.

Felix: Wunschdenken: Sollten wir Bargeld total abschaffen und wie sieht deine persönliche Zukunft in Bezug auf Bezahlen und digitale Bezahldienste aus?

Christopher: Ich für meinen Teil bräuchte Bargeld nicht. Könnte ich, ich würde überall mobil oder momentan noch via Girocard oder Kreditkarte zahlen. Leider ist es in Deutschland heute noch so, dass viele, vor allem kleinere, Geschäfte ausschließlich Bargeld akzeptieren. Das kennt man aus dem Ausland ganz anders. In anderen Ländern kann ich sogar meine Kugel Eis mit der Kreditkarte bezahlen. Aktuell ist das hierzulande noch undenkbar.

Wir bei Lendstar haben uns dem mobilen Zahlen verschrieben und wollen den Menschen mit Lendstar eine Alternative zum klassischen Finanzwesen bieten.

Ich persönlich glaube, dass die Kinder die heute geboren werden bei ihrer Volljährigkeit Bargeld gar nicht mehr kennen bzw. nur noch als Nischenzahlungsmethode. Alles digitalisiert sich. Informationen, Musik, Bilder, Filme etc. warum sollte dies beim Geld aufhören?

Felix: Was muss passieren, dass Mobile Payment in Deutschland akzeptiert wird?
In Polen sind Jugendliche out, wenn sie nicht mit dem Smartphone an der Kasse bezahlen - in Deutschland gibt es diese Möglichkeit kaum bis gar nicht. Ist Deutschland stark technikverdrossen?

Christopher: Die Deutschen sind äußerst vorsichtig, wenn es um Veränderungen und Fortschritt geht. Dass Fortschritt in der Regel eine Verbesserung des Status Quo bedeutet, wird dabei leider oft vergessen. Aber ich denke, dass sich durch die jüngeren Generationen, die mit den neuen Technologien aufwachsen, vieles verändern wird. Die sogenannten Digital Natives sind Neuerungen, nicht nur auf technischer Seite, einfach aufgeschlossener. Ich hoffe darauf, dass sich dadurch, auch im Bereich Mobile Payment, viel bewegen wird. Ich für mich kann sagen, dass ich mich darauf freue die verschiedenen Optionen auszuprobieren.

Felix: Wie können wir Vertrauen in Mobile Payment schaffen? Hilft Lendstar dabei mit dem Freunde-helfen-Freunde-Ansatz?

Christopher: Vertrauen und Geld gehören zusammen. Daher muss das Thema Vertrauen im Bereich Payment einfach erfüllt werden. Da muss heute sicher noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Was Lendstar betrifft: Wir haben uns am Anfang gedacht, dass es den Leuten leichter fallen wird, Geld ausschließlich an Menschen zu verleihen, die sie kennen, denen die vertrauen. Aus diesem Grund haben wir auch die geschlossenen Gruppen eingeführt, in die neue User nur nach Zustimmung aller vorhandenen Mitglieder aufgenommen werden. Diese soziale Komponente ist viel intelligenter als jedes Rating durch eine Bank.  Das minimiert die Hürde, Geld zu verleihen. Finanzen sind ja ein sehr privates, sensibles Thema. Was wir aber nach vielen Rücksprachen mit unseren Usern festgestellt haben: Viele wünschen sich offenere Gruppen, um zum Beispiel Geld für ein Geschenk einzusammeln. Das und andere Features werden wir, wie bereits erwähnt, mit Lendstar 2.0 einführen und den Usern damit einen weiteren Mehrwert bieten.

Felix: Welche App im Bereich Mobile Payment nutzt du neben Lendstar noch und kannst den Mobilfunkexperten empfehlen? 

Christopher: Ganz offen gesagt, ich habe einige auf meinem Smartphone. Verwendet wird davon aber keine wirklich, da entweder die Anbindung zu Kassensystemen bei den Händlern fehlt oder weil sie schlicht noch nicht zuverlässig funktionieren, wie auch der Selbstversuch von Maik Klotz sehr schön gezeigt hat. Er hat festgestellt, dass es momentan in Deutschland quasi kein Mobile Payment gibt. Da muss noch eine Menge Pionierarbeit geleistet werden, und wir freuen uns darauf, diese Nuss zu knacken. Ich bin mir sicher, dass sich das Thema Mobile Payment in den nächsten Jahren rasant entwickeln wird. Es gibt so viele unterschiedliche Ansätze, von NFC, über Apps wie die NettoApp bis zu Zahlungen via QR Code und viele großartige Ideen. Wir freuen uns darauf, diese Entwicklung mitzuerleben und mit Lendstar unseren Teil dazu beisteuern zu können.

Christopher, vielen lieben Dank für deine Zeit! Viel Erfolg weiterhin mit Lendstar und auf ein baldiges Wiedersehen mit Lendstar und den neuen Features.  

  • Betriebssystem: iOS 4.3 oder neuer | Android 2.1 oder neuer
  • Preis: kostenlos
  • Link: iTunes | Google Play
  • Persönliches Rating: ?????