Mobile Sicherheit: Apples Chance und Androids Versagen

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Google Play Store: eine Halde für toxische Apps?
Google Play Store: eine Halde für toxische Apps?(© 2011 istock.com/zanskar)

Sicherheit ist das ganz große Thema bei Smartphone-Besitzern in diesen Tagen. Ausgerechnet jetzt erklärte Googles Android-Chef Sundar Pichai, dass Sicherheit bei Android nur die zweite Geige spielt.  Ein fataler Fehler.

Googles Play Store ist in diesen Tagen so etwas wie das Atommüll-Endlager Asse: Ein unübersichtlicher Stollen, in dem sich immer mehr giftiger Müll ansammelt - und alle den Überblick verlieren. Zwar sind viele der Apps für Android nicht radioaktiv, doch toxisch sind sie allemal. Allein im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Apps mit Schadsoftware um gigantische 614 Prozent. Stolze 73 Prozent dieser verseuchten Anwendungen greifen dabei direkt auf Eure Konten zu und verschicken unter anderem kostenpflichtige Premium-SMS. Damit ist Android verantwortlich für 92 Prozent aller mobilen Malware, die es gibt.

Wirklich beeinträchtigt haben diese erschreckenden Zahlen das Wachstum von Android allerdings nicht. Doch seit einiger Zeit wächst das Bewusstsein von Smartphone- und Tablet-Besitzern, ihre Daten auch vernünftig schützen zu wollen. Dem NSA-Skandal und der Panik um den WhatsApp-Verkauf an Facebook für 19 Milliarden Dollar sei Dank.

"Wenn ich eine Firma spezialisiert auf Malware betreiben würde, würden sich meine Attacken auch gegen Android richten"

Auf dem Mobile World Congress hätte die Antwort von Sundar Pichai, Googles Chefstratege für Android, allerdings nicht unsensibler ausfallen können: "Wir garantieren nicht, dass Android sicher ist. Es war designed, um Nutzern mehr Freiheit zu geben." Wenn man darüber rede, dass 90 Prozent schadhafter Apps für Android entwickelt seien, müsse man auch in Betracht ziehen, dass es das meistgenutzte Betriebssystem für Smartphones und Tablets ist. Den sprichwörtlichen Vogel schießt Pichai allerdings mit folgenden Worten ab: "Wenn ich eine Firma spezialisiert auf Malware betreiben würde, würden sich meine Attacken auch gegen Android richten." Wichtiger bei Android seien die "Freiheiten", die Entwickler und Nutzer hätten.

Wie bitte?! Gesteht der Android-Chef damit ein, dass sein System so unsicher ist, dass es für Hacker ein Leichtes ist, an Daten von Nutzern zu gelangen. Sieht ganz danach aus. Nur, um einmal die Tragweite dieser Äußerungen nachvollziehen zu können: Das ist ungefähr so, als ob der Firmenchef von Mercedes-Benz behaupten würde, dass er als Autoknacker die eigenen Autos bevorzugen würde - schließlich seien die ja kaum gegen Kriminelle geschützt.

Wiederholt Android das Windows-Dilemma?

Pichai zieht mit seiner Argumentation ungewollt Parallelen zu Windows, das aufgrund seiner enormen Verbreitung seit jeher ein bevorzugtes Ziel von Cyberkriminellen ist. Google mit dieser Sicherheitspolitik Microsofts historischen Fehler wiederholen. Denn es war eben diese Ohnmacht gegenüber Viren, Trojanern und allerlei anderer Schadsoftware, von der Apple nachhaltig profitieren konnte.

Dabei ist Googles Problem hausgemacht: Im Gegensatz zur Update-Politik unter iOS ist das Android-Ökosystem ein Moloch aus Geräten ohne verfügbares Upgrade. Dieses Problem will Google immerhin mit einem Verfallsdatum für Android-Lizenzen angehen. So würden Geräte, die ohne die aktuellste Android-Version ausgeliefert werden, keinen Zugriff auf Google-Dienste bekommen. Doch während Android scheinbar erst langsam "Sicherheit" als Kern-Feature von Android für sich entdeckt, ist Apple schon einen ganzen Schritt weiter. 82 Prozent aller iOS-Nutzer verwenden auch die aktuellste Version. Kitkat, die aktuellste Android-Version, hingegen haben nur 1,8 Prozent aller Android-Nutzer installiert. 1,8 Prozent!

Wohl als Reaktion auf Pichais Android-Rede veröffentlichte Apple nun ein Whitepaper, in dem der Konzern nochmal dezidiert Stellung zum Fingerabdruckscanner Touch ID nimmt. Die Ansage ist klar: Wir nehmen Eure Sicherheit ernst! In dem Dokument heißt es: "Wir haben uns an Jahrzehnten der Erfahrung bedient, um eine völlig neue Architektur zu erstellen. Dabei dachten wir an die Sicherheitsmängel im Desktop-Segment und entwickelten einen völlig neuen Sicherheitsansatz für iOS." Davon profitiert Apple momentan nicht nur bei Euch, sondern vor allem im Business-Bereich. Denn wenn es um den Schutz von Betriebsgeheimnissen geht, sind entsprechend ausgerüstete Smartphones und Tablets noch Mangelware. Das weiß auch Samsung und hat auf dem MWC sein Feature "Knox" als eine Art Safe für sensible Daten auf dem Galaxy S5 vorgestellt.

Nutzer verschwinden schneller als gedacht

Laut den Marktforschungsinstitut Gartner hat das iPad als Enterprise-Tablet ein Monopol. 91,1 Prozent aller Tablets in Unternehmen sind iPads, 73 Prozent aller mobilen Geräte im Business-Bereich laufen mit iOS. Aber nicht nur die Industrie setzt verstärkt auf Apple-Produkte, auch Schulen, das Militär und Teile der Regierung.

Studie zur Smartphone-Treue: Android verliert Nutzer, iOS gewinnt hinzu(© 2014 Fieldwork by Foolproof Ltd.)

Dass Android in seiner jetzigen Verfassung flächendeckend von Unternehmen oder Institutionen eingesetzt wird? Undenkbar! Im Gegenteil: Die US-Regierung warnte sogar offiziell davor,  Android-Geräte zu nutzen. Google, im Besonderen Sundar Pichai, wären gut beraten, diese Warnungen ernstzunehmen. Denn auch wenn Android das meistgenutzte Betriebssystem ist: Aktuelle Zahlen belegen, dass Android-Nutzer ihrem Gerät und damit dem Betriebssystem längst nicht so treu bleiben, wie es iOS-Nutzer tun. Google verspielt hier sukzessive das Vertrauen in die Plattform. Wenn nicht zeitnah ein Umdenken stattfindet, wandern immer mehr Nutzer ab - und kommen nicht mehr zurück. Wie schnell das gehen kann, erfährt in diesen Tagen WhatsApp am eigenen Leib.


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