Mobile TV - der Fernseher für die Tasche

Kaum eine Industrie steht vor so einer ungewissen Zukunft wie die Fernsehindustrie in Deutschland. Das Internet ist omnipräsent, gibt dem Konsum von TV-Inhalten neue Möglichkeiten und stellt eine gewaltige Herausforderung für die privaten Sender dar. Seit April dieses Jahres können wir nur noch digitale Signale empfangen, HD ist bei vielen Sendungen Standard und der Fernseher kann gar nicht groß genug sein. Obwohl die stationären Bewegtbild-Geräte gewaltig Konkurrenz bekommen haben, gucken die Deutschen mit 223 Minuten pro Tag so viel Fernsehen wie noch nie zu vor. LTE und WLAN sind Grundlage für mobiles Fernsehen oder auch mobile TV genannt. Folgend möchte ich zeigen, was bereits möglich ist und was die größten Herausforderungen sein werden.

Mobile TV und was wir darüber wissen sollten

Mobile TV ist seiner Ursprungsform schon viel älter, als die meisten wohl vermuten würden. Bereits in den 70er Jahren sprach die Technikwelt von mobile TV. So kam 1977 der Microvision oder MTV-1 auf den internationalen Markt, der in Großbritannien 100£ kostete, einen 5 cm großen Bildschirm hatte und Bild-Signale in verschiednen Ländern empfangen konnte. Darauf folgten vor allem in den 90er Jahren kleine und leistungsstärkere Geräte, die vielen Reisenden große Freude bereiteten. Mit dem Aufkommen von DVB-T konnten dann auch brauchbare Inhalte in sehr guter Bildqualität empfangen werden. Wenn wir jedoch heute von mobile TV sprechen, dann meinen wir vermehrt Inhalte, die über das Mobilfunknetz abgerufen und von unterwegs geschaut werden können. Aber auch Podcasts und TV-Inhalte vorab runterzuladen, zu speichern und später auf einem Smartphone oder Tablet anzuschauen, zählt durchaus zu mobile TV.

Mobile TV - Was gibt es bereits?

Südkorea war 2002 das erste Land, das ein eigenes mobile-TV-Netzwerk bekam und bis heute zusammen mit Japan als die fortschrittlichste mobile-TV-Nation gilt. Auch in Deutschland und Großbritannien gab es Versuche ein für mobile Inhalte angepasstes Netz zu etablieren, was jedoch an der fehlenden Resonanz scheiterte. Ähnlich wie mobile Payment sind sich Experten unschlüssig, was genau zu mobile TV zählt und was nicht. Fakt ist, dass sich Inhalte vermehrt vom Fernseher lösen und geräteübergreifend abzurufen sind. Dabei sprechen wir von drei unterschiedlichen Formen:

1. Fixiertes Konsumieren von Inhalten, ohne sich zu bewegen. Das habe ich persönlich gerne während den Olympischen Spielen gemacht. So habe ich für wenige Minuten über das iPad Wettkämpfe verfolgt und dabei etwas gegessen. Diese Möglichkeiten bietet z.B. der Anbieter Zattoo an, wo ich über das Internet alle öffentlich-rechtlichen Sender und einige andere live empfangen kann.

2. Nomadisches Konsumieren von Inhalten mit wenig Bewegung. Man sitzt z.B. in einem Café und möchte aber die Bundesliga live verfolgen, so kann ich das z.B. mit der Funktion von Sky über das iPad mit Sky Go tun. Treffe ich dann Freunde im nächsten Café kann dort das Programm bequem auf dem iPad oder sogar auf dem iPhone fortgeführt werden.

2. Echtes mobiles Konsumieren von Inhalten. Diese Form bezeichnet das Konsumieren von Inhalten bei ständiger Bewegung. Damit befindet sich der Nutzer meist außerhalb eines WLAN-Netzwerkes und bezieht Daten entweder über das Mobilfunknetz oder über einen DVB-T Empfänger. Inhalte können natürlich über UMTS oder auch bald über LTE gestreamt werden, jedoch sind die Volumina bereits nach wenigen Tagen aufgebraucht, was dann zu sehr langsamen Internetverbindungen und Frust beim Nutzer führen kann. Ein bessere Alternative dazu ist der DVB-T Empfänger für das iPhone und iPad von z.B. elgato. Dieser wird einfach an den Dock-Connector angeschlossen und über eine Antenne kommt das Signal abrufbereit auf das iPad oder Smartphone. Diese Variante ist die noch bisher eleganteste und einfachste, klassisches Fernsehen von überall zu gucken. Mit dem gleichen Prinzip funktionieren auch TV-Geräte in Autos, wie z.B. dem Audi A8.

Ich sprach vergangene Woche auf dem Mobile Monday mit einem Teilnehmer, der mir sagte, Tablets oder Laptops seien keine klassischen mobilen Geräte und auch deshalb nicht wirklich mobile-TV-fähig. Das hat mich verwundert, so etwas zu hören. Es ist mir doch als Nutzer egal, wie ich über das Internet Fernsehen schaue bzw. Inhalte konsumiere. Wohl würde ich behaupten, dass mobile TV über das Smartphone nur wenig bis keinen Spaß macht. Da gehören eher kurze Trailer hin, die ich bei Youtube oder Vimeo finde.

Wo kann die Reise hin gehen?

Das größte Problem, das Mobilfunkanbieter in Deutschland haben, sind die geringen Kapazitäten von Datennetzen und die Überlastung durch zu viel Traffic an Daten, die das mobile Internet leider sehr langsam werden lassen. Einen Film mobil zu schauen, würde ungefähr 700MB bis 1GB an Daten benötigen und damit die meisten Volumina der Nutzen schon nach wenigen Minuten ausreizen. Angenommen, wir bekommen dieses Problem gelöst, so wären wohl in Zukunft Streamingportale wie Spotify oder Simfy für TV-Inhalte denkbar. Erste Angebote gibt es bereits aus den USA und Großbritannien. Hulu bietet für 7,99$ im Monat eine mobile Flatrate auf alle Inhalte der Streaming-Plattform, so dass auf dem Smartphone bzw. Tablet verschiedene Serien geschaut werden können.

In Großbritannien bietet die BBC eine App für Tablets an, worüber sowohl kostenlos, als auch gegen Bezahlungen verschiedene Sendungen, Serien und Dokumentationen geschaut werden können. Für 6,99€ erhält man unbegrenzten Zugriff auf alle Inhalte - und es funktioniert sogar in Deutschland.

Pro7Sat1 und RTL haben versucht ein deutsches Hulu zu gründen, was jedoch vom Landesgericht Düsseldorf abgelehnt wurde mit der Begründung es verstoße gegen das Kartellrecht. Das ist sehr schade, denn solch ein Portal täte der deutschen Fernsehindustrie sicherlich gut und es wäre ein richtiger Schritt nach vorn. Auch Nutzer würden sich freuen. Man muss es ihnen nur geben.