Mobiles Messaging im Film und TV: Das visuelle Dilemma

Szene aus "Men, Women & Children"
Szene aus "Men, Women & Children"(© 2014 Youtube/Men, Women & Children)

In Zeiten, in denen der Großteil unserer Kommunikation über Smartphones läuft, haben Kino und TV ein Problem. Doch es gibt Hoffnung.

Habt Ihr Euch auch schon einmal gefragt, warum Schauspieler auch noch im Jahr 2014 Klapphandys nutzen? Weil der Film, egal ob im Kino oder im TV, ein Problem hat: Alles, was passiert, muss auch gezeigt und am besten noch gehört werden. Da sind Klapphandys einfach unschlagbar: Ein energisches Klack am Ende eines Telefonats sagt doch mehr als ein stummes Drücken auf einen virtuellen Button.

Dieser cineastische Kniff offenbart gleichzeitig ein viel größeres Problem: Der Film hat ein Problem damit, mobile Kommunikation zu visualisieren. Das ist mitunter kurios. Schließlich belegen Blockbuster wie “Minority Report” doch eindrücklich, wie wir künftig mit Computer und künstlicher Intelligenz interagieren - und wie das tatsächliche Erfindungen hervorbringt.

Bislang ein extrem aufwändiger Prozess

Warum also hadert die Filmbranche so damit, Kommunikation über Smartphones und Tablets zu visualisieren? Mit dieser Frage hat sich Tony Zhou in seiner aktuellen Ausgabe von “Every Frame a Painting”. Seine Erkenntnis: Bewährte Methoden, also das Abfilmen von Bildschirmen, funktioniert einfach nicht mehr. Nicht nur ist der Prozess extrem aufwändig, wenn eine Filmcrew Dutzende Einzelaufnahmen für eine Textnachricht abfilmen muss. Um den Text überhaupt sichtbar zu machen, müssen Filmemacher mitunter zu kruden Mitteln greifen und Nachrichten mit übergroßen Buchstaben faken.

Zum Abspielen auf den Link klicken(© 2014 Vimeo)

Doch Zhou hat Hoffnung, vor allem mit Blick auf die BBC-Serie “Sherlock”, die Texte wunderbar in die Umgebung einbettet. Ein Stil, den auch Netflix bei “House of Cards” übernommen hat. Der Clou: Der Zuschauer sieht die Reaktionen des Schauspielers. Mehr noch: Es sieht zeitgemäßer aus - und damit authentischer.

Stummfilm 2.0

Ein Film, der unsere Art der mobilen Kommunikation wie wohl noch nie dagewesen auf die Leinwand bringen könnte, ist “Men, Women & Children” von “Juno”-Regisseur Jason Reitman. Im ersten zweiminütigen Trailer reden die Protagonisten nicht ein einziges Wort miteinander - und kommunizieren doch ihre intimsten Momente.

Damit wirkt das Gezeigte fast schon utopisch. Doch ist es das? Was die “Generation Touch” ausmacht, ist kein Sticker gegen Atomkraft oder der Wunsch, Mauern einzureißen. Vielmehr verbindet sie ein Trend, der alle Altersklassen durchdringt. Die Vertreter dieses Lebensstils haben den Drang, sich zu vernetzen. Im wahrem Leben um Individualität bemüht, streben sie online nach einer Gruppenzugehörigkeit und Kontakt. Kontakt, der übers Web vielen einfacher fällt als im echten Leben.

Doch zurück zur eigentlichen Frage: Hat der Film ein Problem mit der Darstellung moderner Kommunikation? Zumindest scheinen die Kreativen weiterhin auf der Suche nach dem Optimum. Doch "Sherlock", "House of Cards" und “Men, Women & Children” sind eindrucksvolle Beispiele, die belegen, dass Hollywood auf einem guten Weg scheint.


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