MWC: Kann Apple 7 Monate mit dem iPhone 5s überstehen?

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Alle gegen Apple: Die Neuheiten des MWC lassen das iPhone buchstäblich alt aussehen
Alle gegen Apple: Die Neuheiten des MWC lassen das iPhone buchstäblich alt aussehen(© 2014 CC: Flickr/deerkoski, CURVED Montage)

Die Einschläge kommen buchstäblich von allen Seiten: Samsung, Huawei, HTC, sogar Nokia – alle Mobilfunk-Hersteller haben größere Smartphones am Start, die längst ihre eigenen Killerfeatures besitzen. Das iPhone 5s wirkt dagegen wie ein Anachronismus: Die wirklich einzigen Argumente für Apple als Smartphone-Pionier sind das Betriebssystem und die  geschlossene iTunes-Welt. Doch die  mutmaßlich sieben Monate bis zum iPhone 6 dürften schmerzhaft lang werden.  

Inzwischen sind schon weniger bombastische Nachrichten aus Barcelona gute Nachrichten in Cupertino: Als Samsung gestern sein neues Flaggschiff Galaxy S5 vorstellte, setzte die Apple-Aktie umgehend zu einer Erleichterungsrally an –  um 5 Dollar ging es nach oben, als Samsung präsentierte. Wall Street-Logik: Die fünfte Galaxy-Generation  ist auch kein Wundergadget, das das Smartphone neu erfinden würde.

Technisch ist das S5 dem 5s allerdings in fast allen Belangen überlegen: Einer Bildschirmdiagonale von 5,1 Zoll stehen 4 Zoll gegenüber, 16 Megapixel bei der S5-Kamera den 8 Megapixeln beim 5s. Einen Fingersensor haben beide Smartphones - doch das Galaxy S5 ist nun auch noch wasserfest.

Mit dem iPhone 5 hat Apple erstmals seit Beginn des iZyklus einen Trend verschlafen

Dass sich der Abstand der Konkurrenz zu Apple nach der Branchenmesse vergrößern würde, ist  nun nicht die größte Überraschung – der Kultkonzern aus Cupertino hat einen anderen Erneuerungszyklus als die Konkurrenz. Was bei Samsung, Huawei, HTC, Nokia & Co das Frühjahr ist, ist bei Apple der Herbst. 

2011 hat Apple seinen Launch-Zyklus um vier Monate von Juni auf September umgestellt – zu einer Zeit, als das iPhone 4 das mit Abstand dominierende Smartphone der Welt war. Doch diese Zeiten sind vergangen, seitdem Apple 2012 das erste Mal seit Beginn des iZyklus Ende der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts einen Trend verschlief: den der Phablets.

Als das iPhone 5 im Herbst 2012 herauskam, sah es mit seinen 4 Zoll bereits alt aus. Eine fatale Erkenntnis, denn traditionell dauert ein Produktzyklus bei Apple zwei Jahre. Die Upgrade-Generation 5s wurde noch einmal durch den Fingersensor, eine bessere Kamera und ein goldenes Gehäuse aufgewertet – das iPhone jedoch blieb klein.

Nach dem Mobile World Congress gehen Apple für das iPhone die Argumente aus

Auf der Leistungsschau der Branche in Barcelona sieht Apples Smartphone-Bestseller nun fast wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten aus. Nahezu jedes neue Modell ist größer als das iPhone: HTCs Desire 816 und 610 (5,5 und 4,7 Zoll), Samsungs Galaxy S5 (5,1 Zoll), Nokias X (5 Zoll), Sonys Xperia Z2 und M2 ( 5,2 bzw. 4,8 Zoll) oder Huaweis Ascend G6 und und P7 (4,5 Zoll). 

Dazu kommen Kameras mit einer deutlich höheren Pixelanzahl (20 Megapixel beim Xperia Z2,  16 Megapixel beim Galaxy S5 oder 13 Megapixel beim HTC Desire 816) - und vor allem der Preisfaktor.

Nach dem Mobile World Congress, in dessen Folge die großen Produktneuheiten im März und spätestens April (Galaxy S5) auf den Markt kommen werden, gehen Apple schlicht die Argumente für den iPhone-Kauf aus: Wieso zumindest 700 Euro für ein 4-Zoll-Smartphone in 16 GB-Ausstattung ausgeben, wenn die Konkurrenz mit weitaus größeren Displays und ähnlicher Ausstattung inzwischen für den halben Preis zu haben ist?

Bedeutung des China Mobile-Deals wächst

Das Standardargument für das iPhone liegt in der Benutzerfreundlichkeit des Betriebssystems, in der engen Bindung an die Apple-Welt, sofern man bereits Kunde ist, und natürlich in der Strahlkraft der Marke. Aber reicht das, um sie die kommenden sieben Monate noch zu wachsen?

Die Trumpfkarte, die Apple dabei helfen sollte, die absehbare Dürreperiode bis zum Herbst zu überstehen, wird in China gespielt. Die Bedeutung des China Mobile-Deals ist im Licht des Mobile World Congress noch einmal deutlich geworden – ohne die mutmaßlich 15 bis 20 Millionen zusätzlich verkauften iPhones in China wäre das letzte Viertel des iPhone 5 / 5s-Zyklus vermutlich zum ersten Halbjahr dieses Jahres mit rückläufigen Absätzen geworden.

Nichtsdestotrotz: Es dürfte ein quälend langer Frühling und Sommer bis zum iPhone 6-Start werden, in dem wohl selbst der ein oder andere  Apple-Fanboy der Versuchung erliegt,  es einmal mit der günstigeren Konkurrenz zu versuchen….


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