MWC14: Die Tech-Riesen entdecken die Entwicklungsländer

Entwicklungsländer sind im Fokus der Technologie-Anbieter – auch bei Nokia.
Entwicklungsländer sind im Fokus der Technologie-Anbieter – auch bei Nokia.(© 2014 Nokia)

Die Tech-Branche hat ein neues Buzzword: "Emerging Markets". Entwicklungsländer sind im Fokus der Technologie-Anbieter. Aber müssen Facebook und Co. die Erschließung neuer Märkte als Wohltätigkeitsveranstaltung tarnen? 

Neue Produkte im Niedrig-Preissegment

Die Schwellenmärkte waren beim Mobile World Congress eines der wichtigsten Themen. Microsoft kündigte an, neue Partner für sein Betriebssystem gefunden zu haben. Lenovo, LG und andere sollen künftig Windows-Smartphones in einem niedrigeren Preissegment als die bisherigen Hauptproduzenten Nokia und HTC entwickeln.

Einen Tag später stellte Nokia die Android X-Serie vor. Eine abgespeckte Android-Version im Look eines Windows Phones soll das Betriebssystem nicht nur für Entwickler attraktiver, sondern auch für Konsumenten erschwinglicher machen. Microsoft, der baldige Eigentümer von Nokia, reagierte kühl darauf: "Sie machen Sachen, über die wir uns sehr freuen, und Sachen, über die wir uns weniger freuen", so Joe Belfiore, Vice President für Betriebssysteme.

Firefox-Handy für 25 Dollar

Nokia und Microsoft sind längst nicht die einzigen Mobile-Anbieter, die den neuen Markt für sich entdeckt haben. Mozilla, bekannt für seinen Browser Firefox,  entwickelt ein Smartphone, das für 25 US-Dollar im Handel erhältlich sein wird. Auf dem Gerät läuft das hauseigene Betriebssystem Firefox OS, für das das Unternehmen ebenfalls gerade eben neue Partner an Land gezogen hat: Huawei und ZTE.

"Wir wollen die restlichen fünf Milliarden Menschen vernetzen"

Der prominenteste Ritter auf der Mission, jeden Erdbürger mit einem Internetzugang auszustatten, ist jedoch Mark Zuckerberg. Vergangenes Jahr stellte er seine Initiative Internet.org vor. Der Plan: Menschen in Entwicklungsländern mit Smartphones auszustatten, am besten vorinstalliert mit der Facebook-App. "Nur ein Drittel der Weltbevölkerung hat derzeit Zugang zum Internet. Wir wollen die restlichen fünf Milliarden Menschen vernetzen", lautet das Mission Statement. Seither lässt der Facebook-CEO keine Gelegenheit aus, diese Botschaft zu verbreiten - zuletzt natürlich auf dem Mobile World Congress. Beim Kauf von WhatsApp habe er die Internet.org-Kampagne im Hinterkopf gehabt, meinte er auf der Bühne in Barcelona. Das Ziel, global mehr Vernetzung anzubieten, sei mit einem Partner wie WhatsApp schneller erreichbar.

Gratis Surfen mit Facebook-App

Immerhin lässt Zuckerberg auf Worte Taten folgen. Mit niemand geringerem als Nokia kooperiert Facebook für das Projekt "SocialEDU", bei dem Studenten in Ruanda mit Online-Lerntools ausgestattet werden. Außerdem appelliert Zuckerberg an Mobile-Provider, ihre Dienste in Entwicklungsländern zum Teil kostenlos anzubieten.  Auf den Philippinen und in Paraguay hat Facebook Deals mit Telko-Anbietern abgeschlossen, mit der Kunden die Facebook-App nutzen können, ohne für den Datenverbrauch zu zahlen. Ziel sei es langfristig, die Datennutzung auch ohne App kostenfrei anzubieten.

Fakt ist: Zugang zu Technologie und Internet verschafft mehr Chancen und Bildung. Und diesen Zugang zu schaffen, ist eine teure Aufgabe. Deshalb ist es begrüßenswert, dass Tech-Riesen in diese Märkte investieren. Am Ende des Tages sind jedoch Facebook, Nokia, Microsoft und Co. keine Non-Profit-Organisationen, sondern unterstützen diese Kampagnen auch mit einem profitorientierten Gedanken. Das steht ihnen prinzipiell auch zu.

Nur ist es unsauber, diese Motivation hinter einem PR-Schleier mit Weltverbesserungsfloskeln zu verdecken. Diese Kritik gilt allen voran Zuckerberg: Tu' gutes, aber stehe auch zu deiner Motivation: die restliche Weltbevölkerung zu Facebook-Usern zu machen.


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