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Nach Abhör-Skandal: Telegram ist in Südkorea ein Hit

Die Chats in Telegram sind nicht automatisch Ende-zu-Ende verschlüsselt.
Die Chats in Telegram sind nicht automatisch Ende-zu-Ende verschlüsselt. (© 2014 Telegram, CURVED Montage )
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07.10.14 von

Jan Johannsen

1,5 Millionen neue Nutzer in sieben Tagen: Der verschlüsselte Messenger Telegram erfreut sich in Südkorea derzeit großer Beliebtheit. Schuld ist die Präsidentin.

Vor zwei Wochen verkündete die südkoreanische Präsidentin Park Geun-Hye, nach wochenlanger öffentlicher Kritik an ihrer Person, hart gegen Beleidigungen und die Verbreitung von Gerüchten vorzugehen. Daraufhin begannen Ermittler, auch private Nachrichten in Messenger-Apps, wie dem im Land sehr beliebten Kakao Talk, nach strafbaren Inhalten zu durchsuchen. Die verschärfte Überwachung bekommt einen Beigeschmack durch die Tatsache, dass die gewählte Präsidentin die Tochter von General Park Chung-hee ist, der das Land nach einem Militärputsch von 1961 bis zu seiner Ermordung 1979 als Diktator regierte. Ältere Koreaner erinnern sich noch an die Zeit, als sie ihre ebenfalls bei einem Attentat verstorbene Mutter fünf Jahre lang als First Lady vertrat.

Aber selbst im inzwischen demokratischen Südkorea drohen nun auch nach nicht genehmen Äußerungen über Park Geun-Hye in privaten Gesprächen Strafen. Hierzulande würde es bedeuten, dass die Polizei Eure Chats bei WhatsApp & Co. mitliest und Euch eine Anzeige schickt, wenn Ihr schlecht über Angela Merkel redet. Als Reaktion auf die verschärfte Überwachung suchten sich viele Koreaner einen Messenger, der Verschlüsselungen anbietet und seinen Sitz im Ausland hat. Ihre Wahl fiel auf Telegram, das wie Kakao Talk nicht nur für mobile Geräte, sondern auch für Windows und OS X zur Verfügung steht. Rund 1,5 Millionen Südkoreaner meldeten sich bei dem Messenger innerhalb von einer Woche an - im Vergleich zu 35 Millionen Kakao-Nutzern unter 50 Millionen Einwohnen, aber immer noch eine vergleichsweise kleine Zahl. Das Telegram-Team reagierte auf die große neue Nutzergruppe mit der Übersetzung der App und seiner FAQ ins Koreanische.

Unterhaltungen mit Telegram sind allerdings nicht automatisch komplett verschlüsselt. Für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einer Unterhaltung müsst Ihr diese explizit als "geheimen Chat" starten. Hinter Telegram steckt der Gründer des russischen Facebook-Klons Vkontakte Pavel Durov, der in seiner Heimat in Ungnade gefallen ist, aber sich und sein Vermögen ins Ausland retten konnte. Mit einem Teil davon finanziert er über eine Stiftung Telegram, dessen Quellcode allerdings noch nicht komplett öffentlich ist. Auch zur genauen Funktion der Verschlüsselung findet sich inzwischen ein Eintrag in der FAQ des Messengers. Mit Wickr, Surespot und Textsecure stehen Euch übrigens weitere Crypto-Messenger zur Auswahl, die auf Open Source setzen und ihren Quellcode zur Überprüfung freigeben.

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