Nach der Disney-Übernahme: So könnte es mit der "Alien"-Reihe weitergehen

Sehen wir bald weitere tödliche Abenteuer im All?
Sehen wir bald weitere tödliche Abenteuer im All?(© 2018 FOX)

Einst war es eines der faszinierendsten Science-Fiction-Universen der Filmgeschichte, doch mehrere Enttäuschungen in Folge sorgten dafür, dass die Monster, die einst der Schweizer Künstler H.R. Giger erschuf, viel von ihrem Ruf eingebüßt haben. Kann sich das ändern, da die Bestien nun offiziell Disney gehören?

Aus der Taufe wurde „Alien“ vom inzwischen 80-jährigen britischen Regisseur Ridley Scott gehoben. Er inszenierte 1979 den ersten und für viele Fans bis heute besten Teil der Reihe. Leider demontierte der Brite aber auch selbst sein Franchise mit den wenig gelungenen "Prometheus" und "Covenant". Letzterer schaffte es bei vielen Filmkritikern sogar in die "Flop"-Ten des vergangenen Jahres. Wie geht es also weiter mit den fiesen Killermaschinen aus dem All?

Glibberig und tödlich: die Aliens der Filmreihe.

Scott sieht strahlende Zukunft

Der ehemalige "Halbgott" der Science Fiction, immerhin schuf er neben "Alien" auch den Kultklassiker "Blade Runner", sieht bei sich selbst offenbar keine Fehler und redet munter über die Zukunft der Filmreihe, die noch viel größer werden soll als sie ist. So ist der Regisseur der Meinung, "Alien" könnte eine ebenso große Marke werden wie "Star Trek" oder "Star Wars". Sieht man sich aber an, dass allein der letzte "Star Wars"-Film "Die letzten Jedi" mehr Geld eingespielt hat als alle "Alien"-Filme zusammen, wird klar, dass das wohl mehr Wunschdenken des Regisseurs ist als realistische Chance. Dennoch ist Scott davon überzeugt, dass es auch bei Disney Leute gibt, die das Potenzial der Serie sehen.

"Ich würde gern weitermachen und Disney wäre verrückt, würden sie es nicht tun. David ist ein fantastischer Bösewicht."

FOX, denen das Franchise bis vor kurzem gehörte, sah das offenbar anders. So wurde der Start der Pre-Production für einen weiteren "Alien"-Film von Ridley Scott von Jahresbeginn auf Mitte des Jahres geschoben, dazu verkaufte FOX bei einer Auktion kürzlich eine ganze Wagenladung voll mit Set-Stücken aus Covenant. Das Studio glaubte offenbar nicht mehr an einen weiteren Erfolg mit dieser Reihe.

Für den 80-jährigen Ridley Scott sind weitere Alien-Filme Pflicht.

Keine Hoffnung für Blomkamp-Projekt

Viele Fans der Serie setzten ohnehin eher auf das Konzept des Südafrikaners Neill Blomkamp, der einen dritten Teil der Reihe geplant hatte, der direkt an James Camerons "Aliens" anschließt und die Geschichte von Ripley und den anderen Überlebenden weitererzählt. Sigourney Weaver hatte bereits öffentlich vom Drehbuch geschwärmt, ehe Scott das Projekt im vergangenen Jahr mit recht rüden Kommentaren abschoss – außer ein paar Grundideen sei das nichts gewesen. Offenkundig war Scott nicht willens, einen anderen Regisseur an seine Bestien zu lassen.

Nun postete Blomkamp kurz nach der Übernahme von FOX durch Disney zwei Konzeptzeichnungen seiner Vision des Stoffes auf Instagram und feuerte somit neue Gerüchte an, Disney werde vielleicht doch noch auf seinen Zug aufspringen und den Film ermöglichen. Nun ruderte Blomkamp aber zurück, seine Idee sei weiterhin tot und der Film werde nicht kommen. Ist das also das Ende der Aliens im Kino?

Zukunft ungewiss

Zumindest eine weitere längere Pause wie nach "Alien 4" ist wahrscheinlich. FOX scheint keinen Film mehr anschieben zu wollen, möglicherweise hat Disney da bereits den Daumen drauf und die Anfänge gestoppt. Und der Mäuse-Konzern wird sicherlich zuerst in alle Ruhe prüfen, welche Projekte mit den neuerworbenen Franchises am sinnvollsten erscheinen. Und da drängen sich andere Serien stärker auf als "Alien". Zumal auch Disney wissen dürfte, dass mit einem PG-13-Film kein Fan zu begeistern ist. Und R-Rated-Filme sind bei Disney bislang ein No-Go. Es ist also wahrscheinlich, dass Disney zunächst einmal ein neues Label gründet, bei dem erwachsenere und blutigere Themen eine neue Heimat finden können. Vielleicht beleben sie das alte "Touchstone"-Label dazu neu, vielleicht gibt es mehrere, denn Disney hatte bereits angekündigt, über ein eigenes Marvel-R-Rated-Label nachzudenken.

Das alles könnte gut und gern zwei bis drei Jahre dauern, bis die Voraussetzungen bei Disney geschaffen sind, um Projekte wie "Alien" erneut anzugehen. Und dann wird es aller Wahrscheinlichkeit nach für weitere Scott-Filme zu spät sein. Ob Blomkamps Idee dann noch einmal ins Spiel kommt, ist bloße Spekulation, zumal auch Sigourney Weaver nicht jünger wird und möglicherweise auf Action keine so große Lust mehr verspürt.

Mögliche Szenarien

Zwar hat sich Disney bislang nicht als ausgewiesener Fan von Remakes gezeigt, wenn man von den Realfilmen nach Zeichentrick-Abenteuern wie "Dschungelbuch" oder "Beauty and the Beast" einmal absieht. Aber denkbar wäre in diesem Fall ein kompletter Neustart in einigen Jahren, vielleicht unter einem neuen Regisseur. Viele Fans würden es sicher gern sehen, wenn Denis Villeneuve übernehmen würde, der bereits "Blade Runner 2049" drehte und den Geist der Vorlage gut in den neuen Film überführte. Der hätte nach seinem Mammutprojekt "Dune", an dem er gerade arbeitet, vielleicht Zeit und Lust auf mehr dunkle Sci-Fi.

Werden wir Sigourney Weaver als Ripley noch einmal wiedersehen? Die Chancen stehen schlecht.

Ein Remake hätte auch den Vorteil, dass man eine jüngere Ripley als Heldin etablieren könnte, die für viele zukünftige Filme zur Verfügung stünde. Allerdings hätte, wer auch immer sich an die Neuinterpretation macht, mit "Alien" und "Aliens" zwei absolute Klassiker des Sci-Fi-Horrors vor der Nase und eine sehr hohe Hürde bei den Fans zu überwinden. Aber auch eine komplett neue Story mit den fiesen Monstern wäre ja denkbar, die einfach keine Berührungspunkte zu den alten Filmen hat und dennoch kein Remake wäre. Vor 2020 dürfte aber von neuen Plänen dazu wohl kaum etwas zu hören sein. Dass Disney die Reihe aber komplett dauerhaft einstampft, ist auch nicht zu befürchten – dazu sind die augenlosen Jäger einfach zu sehr Teil der modernen Bockbuster-Filmkultur. Und dementsprechend potenzielle Geldverdiener für jedes Studio.


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