Netflix-Hit "Altered Carbon": Was vermutlich in Staffel 2 passiert

Szene aus "Altered Carbon"
Szene aus "Altered Carbon"(© 2018 Netflix)

Mit der werkgetreuen Umsetzung des Debütromas von Richard Morgan – der beinharte Cyberkrimi "Altered Carbon" – hat Netflix eine der spektakulärsten Serien des noch jungen Jahres ins Programm genommen. Aber geht es jetzt weiter? Und wenn ja, wie?

Bisher hat Streaming-Riese Netflix noch keinerlei Anstalten gemacht, die Serie um eine zweite Staffel zu verlängern. Aber es sprechen einige Fakten dafür, dass dies bald geschieht. Welche das sind – und was uns im Falle einer Verlängerung erwarten könnte, erfahrt ihr hier.

Ein Wiedersehen mit Cop Ortega ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Mehr Altered Carbon?

Wahrscheinlich schon. Zwar haben einige Kritiker die erste Staffel aus verschiedenen Gründen nur mittelmäßig beurteilt, aber die Zuschauer sind da – wie so oft – anderer Meinung. So steht "Altered Carbon" zurzeit beim Publikumsvoting bei der Filmdatenbank IMDB auf stolzen 8,5 von 10 Punkten. Und auch auf Netflix selbst hat die überwältigende Mehrheit der Zuschauer der Serie vier oder fünf Sterne gegeben. Die Redaktion lehnt sich hier aus dem Fenster und prophezeit eine weitere Staffel, auch wenn die Serie durch die zahlreichen Special Effects zu den teuersten gehört, die Netflix momentan im Programm hat. Aber welchen Inhalt könnte diese Staffel haben?

Möglichkeit 1: Roman 2

Showrunnerin Laeta Kalogridis dürfte auch die zweite Staffel konzipieren und umsetzen, wenn sie denn bestellt wird. Und da würde sich eigentlich der zweite Roman der Takeshi Kovacs-Trilogie anbieten – "Gefallene Engel".

Darin wird Kovacs etwa 30 Jahre nach den Ereignissen aus Teil eins – und längst in einem neuen Körper – Teil einer Expedition, die sich mit der Erforschung weitere Technologie der so genannten "Marsianer" beschäftigt. Den Namen bekamen sie, weil die Menschen die ersten Spuren ihrer Existenz auf dem Mars fanden, woher sie eigentlich stammen, weiß niemand. Die Marsianer sind schon seit Jahrtausenden verschwunden, offenbar haben sie die Milchstraße verlassen – warum weiß niemand. Kovacs stellt bald fest, dass bei der eigentlich so friedlich geplanten Mission der Wissenschaftler einiges nicht mit rechten Dingen zugeht und seine Envoy-Ausbildung warnt ihn vor Gefahr. Und bald stößt er auf den wahren Grund, warum neben den Wissenschaftlern auch auffällig viel Militär zum angeblichen Schutz der Expedition dabei ist: Offenbar gibt es in der Ruine der Marsianer ein noch funktionierendes Portal hinein in eines der Sternenschiffe der Marsianer – einer unglaublichen Machtquelle, falls man es unter Kontrolle bekäme …

James Purefoy wird in Staffel 2 sicher nicht dabei sein, bei Joel Kinnamon besteht Hoffnung.

Die Chancen, dass diese Story umgesetzt wird, sind allerdings nicht sonderlich hoch. Denn außer in möglichen Flashbacks würde kein einziges bekanntes Gesicht in der Staffel auftauchen. Das würde keine Produktion tun, wenn es nicht unbedingt nötig wäre. Und dazu hätte die Geschichte auch nur wenige Berührungspunkte mit dem Ton der ersten Staffel. Denn eine wirkliche Detektivstory gibt er hier nicht und auch die Orte der Geschichte hätte kaum Ähnlichkeit mit Staffel eins. So würde sich die zweite Staffel eher wie eine neue Serie anfühlen, statt eine herbeigesehnte Fortsetzung zu sein. Allerdings fand Kalogridis die Idee, andere Welten und Räume zu zeigen, in einem Interview unlängst "durchaus reizvoll" - ganz vom Tisch ist es also nicht.

Prognose: unwahrscheinlich

Möglichkeit 2: Roman 3

"Heiliger Zorn" heißt der dritte und bislang letzte Roman von Richard Morgan, der sich mit den Abenteuern von Takeshi Kovacs beschäftigt. Und der hat mit dem ersten Teil etwas mehr Berührungspunkte.

Kovacs ist zurück auf seinem Heimatplaneten Harlan’s Welt. Der Planet, dessen Oberfläche zu neun Zehnteln aus Wasser besteht, wird von Artefakten der Marsianer noch immer überwacht, obwohl die Rasse längst nicht mehr dort ist. Eine ganze Armada von Satelliten schießt jeden mit höherstehender Technik erzeugten Flugkörper ab, der höher als 400 Meter fliegt, und sorgt so dafür, dass Reisen meist über Wasser stattfinden. Kovacs liegt im Clinch mit einer religiösen Organisation, die eine Jugendliebe und deren Tochter getötet haben. Um sich zu verstecken, schließt er sich einer Gruppe von Sammlern an, die in einer von amoklaufenden Maschinen bewachten Region nach verwertbarer Technik sucht. Und dabei trifft er auf eine alte Bekannte, die er für längst tot hielt …

Wem Kovacs da über den Weg läuft, wird hier nicht verraten, aber man kennt die Figur aus der ersten Staffel. Und auch Harlan’s Welt als Geburtsort von Kovacs hat Verbindungen zu den Rückblenden, die wir in der ersten Staffel gesehen haben. Daher dürfte es wahrscheinlicher sein, dass Laeta Kalogridis auf diesen Roman zurückgreift, falls sie überhaupt Material nutzt, dass bereits vorliegt. Denn da die erste Staffel die Marsianer mit keinem Wort erwähnt, wäre die Einführung dieser Rasse hier etwas sanfter, da sie hier nicht so extrem im Vordergrund steht wie im zweiten Roman. Allerdings sind auch im dritten Buch kaum Cyberthriller-Motive zu finden, sodass sich die Verfilmung von "Heiliger Zorn" auch nicht nahtlos an "Altered Carbon" anschließen würde.

Prognose: 50:50

Eine Rückkehr von Quellcrist Falconer ist gut möglich, das Ende der ersten Staffel legt das bereits an.

Möglichkeit 3: eine komplett neue Story

Das Ende der ersten Staffel legt einige mögliche Handlungsstränge an, die viele Zuschauer vermutlich auch gerne sehen würden. Daher ist es ebenfalls denkbar, dass Laeta Kalogridis die noch vorhandenen Romane ganz außen vor lässt und mit ihrem Team eine eigene Story schreibt, in der dann auch mehr bekannte Figuren aus der ersten Staffel vorkommen könnten. Momentan hat Autor Richard Morgan zwar keinerlei Signale gegeben, seine Arbeit an Takeshi Kovacs-Romanen fortzusetzen, aber vielleicht kann Kalogridis ihn ja überzeugen, bei einer neuen Story mit an Bord zu sein.

So wäre es jedenfalls möglich, einen weiteren Kriminalfall in Bay City zu erzählen, auch wenn Kalogridis dies in einem aktuellen Interview für den Moment ausschloss. Das würde die Produktion aber sicher etwas günstiger machen, da viele Kulissen und Requisiten erneut Verwendung fänden. Und zudem könnten deutlich mehr bekannte Gesichter in die Serie zurückkehren, die in den Romanfortsetzungen alle nicht vorkommen. Denn viele Fans der Serie würden sich sicher darüber freuen, Kristin Ortega, Laurens Bancroft oder auch Ryker wiederzusehen.

Prognose: 30:70


Weitere Artikel zum Thema
Filme zum Weinen: Bei diesen 10 Strei­fen liegt ihr verheult in der Ecke
Sandra Brajkovic
E.T. hat uns vor Jahrzehnten begeistert – und kann es noch, wenn ihr dem Film wieder eine Chance gebt.
Manche Tage gehören in die Tonne getreten. Was dann hilft? Einmal "abregnen". Diese Filme zum Weinen schaffen genau das.
Marie Kondo räumt bald bei Netflix auf
Francis Lido
Ob Marie Kondo das als ordentlich durchgehen ließe?
Marie Kondo kommt womöglich bald auch in euer Zuhause: Die Aufräum-Queen erhält eine eigene Serie auf Netflix.
"Ever­y­thing Sucks" ab sofort auf Netflix: Außen­sei­ter im Rampen­licht
Francis Lido
Außenseiter stehen bei "Everything Sucks" im Mittelpunkt
"Everything Sucks" startet auf Netflix. Die Serie könnte unter anderem etwas für euch sein, wenn ihr "Stranger Things" zu gruselig fandet.