Netflix in Deutschland: Wiederholung als Programm

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Netflix auf dem Tablet: "Orange is the new Black" ist auch hier verfügbar
Netflix auf dem Tablet: "Orange is the new Black" ist auch hier verfügbar(© 2014 Netflix)

Endlich ist das Warten vorbei. Ich wusste ja schon gar nicht mehr, was ich im Fernsehen schauen sollte. Schließlich habe durch meinen Kabelanschluss gerade einmal Zugriff auf etwa 60 Sender. Nein, noch viel mehr – aber ich habe ja nur die interessanten Programme eingespeichert. Aber zum Glück könnte ich ja noch Filme und TV-Serien mit meinem Apple TV schauen. Oder für ein paar Euro im Monat das Rund-um-sorglos-Paket von Maxdome, Watchever und Amazon abonnieren. Und jetzt eben auch bei Netflix. Endlich. 

Nein, eigentlich gibt es in Deutschland keinen Grund, einen weiteren Streaming-Dienst zu starten. Das Angebot an freien TV-Sendern, Abo-Services und Downloadportalen ist so groß, dass man gar nicht alles sehen kann. Aber was wurde alles darüber geschrieben und Hoffnung in den Start des US-Streamingdienstes gesetzt. Von der Rettung bis zum Untergang des Fernsehens war alles dabei. Nicht wenige hatten sich mit ein paar Tricks schon vorm Deutschlandstart Zugang zum Netflix-Angebot verschafft – und schwärmten vom tollen Angebot. Davon, dass sie US-Serien sehen konnten, lange bevor sie in Deutschland ausgestrahlt werden.

Nun ist es also soweit, auch die Deutschen dürfen Netflix nutzen. Für ab 7,99 Euro gibt es Filme und Serien satt, darunter auch viele Eigenproduktionen wie "House of Cards". Wer die Inhalte in HD sehen will, muss noch mal einen Euro mehr berappen, einen Familien-Account mit bis zu vier gleichzeitigen Streams gibt es für gut zwölf Euro. Aber egal, welchen Tarif ich wähle, der erste Monat ist kostenlos – so kann ich das Angebot in Ruhe ausprobieren.

Ein Programm, alle Systeme

Wie auch beim deutschen Marktführer Maxdome ist es egal, mit welchem Gerät der Zugang erfolgt: Es gibt Apps für iOS und Android, die aktuellen Spielkonsolen, Apple TV, und die meisten smarten Fernseher bieten ebenfalls einen direkten Weg zum Netflix-Sortiment. Allerdings wähle ich zur Anmeldung ganz banal meinen Computer. Hier habe ich auch den Vorteil, dass ich in den Netflix-Einstellungen ein paar Favoriten festlegen kann und sich der Code für die Kindersicherung bequem eingeben lässt.

Ist alles eingerichtet, bekomme ich gleich ein paar Vorschläge. So wie früher in der Videothek, wenn der Typ hinterm Tresen glaubte, meinen Geschmack zu kennen und mir ungefragt Tipps gab. Aber tatsächlich zeigt mir Netflix viele Filme an, die genau meinem Geschmack entsprechen. Allerdings kenne ich die meisten davon, also werfe ich einen Blick auf die TV-Serien.

Und tatsächlich: Auf dem ersten Blick ist das Angebot riesig. Von "Breaking Bad" bis zu "House of Cards" ist alles dabei. So könnte ich mir auch die erste Staffel von "Game of Thrones" noch einmal anschauen. Aber wie auch schon bei den anderen Streaming-Anbietern sind die wenigsten TV-Serien komplett vorhanden. Will ich "Sons of Anarchy" sehen, kann ich mir die ersten drei Staffeln bei Neflix anschauen, Staffeln vier und fünf, allerdings nur diese beiden, gibt es dagegen bei Maxdome.

Flatrate mit alten Kamellen

Die Bedienung funktioniert einfach. Wenn ich nach einem Film suche, reichen die ersten Buchstaben des Titels und die passenden Ergebnisse werden angezeigt – sofern die Serie oder der Film überhaupt bei Netflix verfügbar ist. Allerdings brauche ich gar nicht erst nach neueren Filmen suchen, denn aktuelle Veröffentlichungen gibt es kaum. Da sind Maxdome- oder Amazon-Kunden besser versorgt, denn dort gibt es neben dem reinen Abo-Modell auch die Möglichkeit, einige neuere Filme gegen Gebühr auszuleihen.

Sich für einen Dienst zu entscheiden, fällt schwer, da die Angebote auf der einen Seite absolut austauschbar sind, auf der anderen Seite kaum ein Dienst beispielsweise alle Serien vollständig anbietet. Vielleicht sollte man sein Abo auch davon abhängig machen, welche Serie man gerade schauen möchte. Will man eh noch einmal alle sechs Staffeln von "Breaking Bad" sehen, ist ein Netflix-Abo gar nicht so übel – und wahrscheinlich günstiger, als sich die Erfolgsserie auf DVD zu kaufen.

Außerdem bietet Netflix, und das ist ein Novum bei Streaming-Anbietern, das TV-Highlight im Trendformat 4K an – also noch höher auflösend als hochauflösend. Bestimmt klasse, wenn man den passenden Fernseher und einen Internetzugang mit hoher Bandbreite hat. Ganz cool ist es, dass die meisten Inhalte im Zweikanal-Ton vorliegen und ich mich entscheiden kann, ob ich die deutsche Sprachfassung oder doch lieber das Original sehen möchte. Sogar Untertitel kann ich einblenden. Allerdings ist es manchmal mit High Definition nicht wirklich weit her: Als ich "Sherlock" gestartet habe, dauerte es ein wenig, bis sich die Bildqualität fast auf HD-Niveau einpendelte.

Streaming-Hopping

Doch so nett einige Features und so fein einige Eigenproduktionen auch sind: Insgesamt frage ich mich, warum ich unbedingt Netflix nutzen sollte, wenn ich als Amazon-Prime-Kunde eh Zugriff auf die meisten der auch von Netflix angebotenen Inhalte habe – außer natürlich auf die wenigen Exklusiv-Titel. Lediglich die Möglichkeit, mit meinem deutschen Account und einem VPN-Tunnel auch das US-Programm nutzen zu können, erscheint mir reizvoll.

Denn der wichtigste Grund für mich, weshalb ich auf Dauer bei Netflix bleiben würde, wäre der Zugriff auf US-Serien zeitglich mit der Erstausstrahlung. Aber das kann, auch aufgrund regionaler Rechtevergabe, auch Netflix nicht leisten. Der Service ist wie alle anderen Streaming-Dienste eine Abspielstation für Wiederholungen. Also eher eine Mediathek – und eben nicht innovativer TV-Sender. Wie gesagt: In Deutschland können wir uns wirklich nicht über zu wenig Programm beklagen. Der einzige wirkliche Vorteil an den Streaming-Angeboten ist, dass Ihr selbst entscheiden könnt, wann Ihr das Programm schauen wollt.

Testet es ruhig mal selbst: Wer Lust auf Streaming-Angebote hat, sollte sich mal durch die verschiedenen Services durchprobieren. Sowohl Watchever, Maxdome als auch Sky Snap oder Netflix bieten einen kostenlosen Probemonat an. Also: Einfach anmelden und gleich wieder zum nächsten Termin kündigen – und dann nach 30 Tagen das nächste Angebot ausprobieren. So habt Ihr mindestens vier Monate Streaming-Spaß und könnt in der Zeit garantiert alle Staffeln Eurer Lieblingsserie anschauen – ohne einen Cent dafür zu bezahlen.


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