Netflix, Spotify & Co: Digitale Abos teilen und sparen - darf man das? 

Entspannt Netflix oder Spotify teilen  und Geld sparen - klappt das wirklich?
Entspannt Netflix oder Spotify teilen und Geld sparen - klappt das wirklich?(© 2018 Shutterstock / fizkes)

Viele Audio- und Video-Streamingdienste, ob Spotify oder Netflix, aber auch Games, Apps und Bücher lassen sich mit mehreren Nutzern teilen – was die Kosten für den einzelnen ordentlich reduziert. Aber was ist problemlos möglich und wo wird's heikel? Wir haben die einzelnen Services auf ihr Sparpotential gecheckt.

Einmal zahlen, mehrfach nutzen – was bei analogen Medien an der Tagesordnung ist, wird mit digitalen Medien oft schwierig. Denn während man Bücher, CDs, DVDs oder Spiele im Familien- und Bekanntenkreis problemlos weitergeben kann, sind digitale Medien in der Regel an ein Benutzerkonto gekoppelt. Aber man stelle sich einmal vor, Vati würde seinem Knirps Kohle dafür abknöpfen, wenn er ihm seine "Mark Forster"-CD oder die "Herr der Ringe"-DVD-Collection überlässt. Schwer vorstellbar. Und so haben viele Anbieter mittlerweile ein Familienkonto oder ähnliche Möglichkeiten im Angebot, damit man auch digitale Medien weitergeben kann.

Was liegt also näher, als sich auch mit Freunden, Nachbarn und (vielleicht auch nur entfernten) Bekannten, zusammenzutun, um Kosten zu sparen? Denn sind wir am Ende nicht alle eine große Familie? Die entscheidende Frage allerdings lautet: Ist das erlaubt? Oder vielmehr: Was ist erlaubt?

Egal ob Netflix, Spotify, Apple Music, Google Music, Maxdome, in der Regel schafft ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder die Nutzungsbedingungen des Anbieters Klarheit darüber, was tatsächlich erlaubt ist. Aber wer ist schon immer so gewissenhaft und scrollt akkurat durch's Kleingedruckte? Wir haben es getan und die populärsten Services unter die Lupe genommen.

Unter bestimten Bedingungen lassen sich auch digitale Inhalte einfach teilen.(© 2019 Shutterstock / Look Studio)

1. Netflix, Maxdome, Amazon Prime: Der Video-Streaming-Check

Netflix erlaubt die gleichzeitige Nutzung auf mehreren Geräten. Mit dem Standard-Abo für 11,99 Euro im Monat können zwei Nutzer, im Premium-Abo für 13,99 Euro vier Personen gleichzeitig Filme und Serien anschauen. Dabei lassen sich bis zu fünf Einzelprofile anlegen. Lediglich mit dem Basis-Account kann man nur einen Stream zur Zeit abspielen, zudem auch nur in SD-Qualität.

Bei Netflix spricht man allerdings nicht von einem Familienaccount,  in den Nutzungsbedingungen heißt es stattdessen, der Kontoinhaber solle "immer die Kontrolle über die für den Zugriff auf den Dienst genutzten Netflix-kompatiblen Geräte haben und darf das Passwort beziehungsweise die Kontoangaben zur gewählten Zahlungsart nicht mit Dritten teilen."

Und was ist mit den anderen Anbietern? Bei Maxdome kostet eine Film- und Serien-Flatrate in HD-Qualität 7,99 Euro pro Monat. Hier kann der Kontoinhaber fünf Geräte für das Streaming registrieren, gleichzeitig nutzen kann er aber lediglich zwei. Damit ließe sich schon etwas anfangen, allerdings untersagen die AGB ausdrücklich, Kennwörter oder Passwörter an Dritte weiterzugeben.

Amazon
Prime Video ist ebenfalls für monatlich 7,99 Euro erhältlich. Hier kann ein Nutzer auf zwei verschiedenen Geräten gleichzeitig streamen. Auch hier ist das Teilen technisch nicht vorgesehen. Tatsächlich müsste man, um sein Konto zu teilen seine eigenen Zugangsdaten weitergeben - und damit auch die Eintrittskarte in den gesamten Amazon Shop, für den man seine EC- oder Kreditkartendaten hinterlegt hat. Etwas anders sieht es zumindest teilweise bei gekauften Inhalten wie Büchern, Apps und Spielen aus (siehe unten).

Vor allem für Familien bieten sich Möglichkeiten, Streams, Apps und Bücher untereinander zu teilen.(© 2018 Shutterstock / Golubovy)

Bei Sky ist das Account-Sharing traditionell verpönt, um nicht zu sagen: untersagt – egal welches Abomodell man nutzt. Für das lineare Fernsehen geht sowieso nichts ohne den Sky-Receiver, daher stellt sich hier die Sharing-Frage erst gar nicht. Daneben gibt es das mobile Streaming-Angebot Sky Go sowie Sky Ticket. Als Kunde von Sky Ticket kann man maximal vier Geräte registrieren, mehrere Streams gleichzeitig zu schauen ist allerdings nicht möglich sind. Ebenso gibt es bei Sky Go strenge Regelungen was das Teilen des Abos angeht – in den AGB ist auch hier die Weitergabe an Dritte ausdrücklich untersagt.

Der Sportübertragungsdienst DAZN erfreut sich bei den Fans internationalen Sports, insbesondere der Champions League, steigender Beliebtheit. DAZN ermöglicht den Nutzern das Streamen auf zwei Geräten gleichzeitig. In den Nutzungsbedingungen ist es aber ausdrücklich untersagt, die Login-Daten mit anderen Personen zu teilen.

2. Spotify, Deezer, und Amazon Music: Der Audio-Streaming-Check

Bei den Anbietern von Audio-Streaming-Diensten sieht es ähnlich aus. Spotify bietet mit Spotify Family ein sogenanntes Familienkonto an. Für 14,99 Euro können sich bis zu sechs Nutzer ein Konto teilen. Eine Person übernimmt dabei Verwaltung und zahlt auch die Rechnung. Damit kostet Spotify im Idealfall 2,50 Euro pro Person. Das Familienkonto darf laut Nutzungsbedingungen allerdings nur von Personen mit identischer Adresse genutzt werden.

Beim Mitbewerber Deezer sieht es ganz ähnlich aus, sowohl in der Preisgestaltung als auch in den Restriktionen. Auch hier gibt es einen Familienaccount für 14,99 monatlich, in den Nutzungsbedingungen heißt es allerdings, das Angebot gelte nur für Personen "eines Haushaltes mit dem gleichen Wohnsitz".

Auch Google Play Music bietet im Grunde die gleichen Leistungen wie Spotify und Deezer. Für 9,99 Euro im Monat gibt es das reguläre Abo, den Familientarif für bis zu sechs Mitglieder für 14,99 Euro. Allerdings ist Google etwas kulanter: Play Music benötigt keine postalischen Adressen der Nutzer, die Mitglieder einer Familie müssen lediglich im selben Land leben - und sollten bitte keiner anderen Familiengruppe angehören.

Bei Apple Music kostet ein Gemeinschaftsabo für 14,99 Euro. Über die Familienfreigabe kann der Familienorganisator bis zu fünf weitere Personen in die Gruppe einladen, Voraussetzung ist lediglich eine eigene Apple-ID. Trotzdem ist die Familienfreigabe bei Apple in erster Linie für echte Familien interessant, denn abgerechnet wird über eine einzige Kreditkarte. Wenn die Gruppenmitglieder also im iTunes Store, im iBook Store oder im App Store shoppen, wird stets der Karteninhaber zur Kasse gebeten. Besser, man kennt sich.

Entspannt auf der Couch Musik streamen, womöglich auf einem Konto, das man sich mit Freunden teilt? Nicht ganz einfach...(© 2018 Shutterstock/LDprod)

3. Apps, Spiele, Bücher: Die Stores von Apple, Google und Amazon im Check

Jenseits der Musikabos bieten Apple und Google als die beiden großen Anbieter auch Apps, Spiele und Bücher in ihren Stores an. Im Wesentlichen gleichen sich die Familienmediathek von Google und die Familienfreigabe von Apple für diese Medien. Die Aufnahmebedingungen in die Familie entsprechen denen der bereits erwähnten Musikdienste.

In der Apple-Familie Apple kann man zwar pauschal alle Inhalte freigeben, allerdings sind manche urheberrechtlich so geschützt, dass das Teilen nicht möglich ist. Das gilt für Bücher, Apps und Spiele ausgeschlossen sind Musik, Zeitschriften und Zeitungen sowie Videos.

Bei Google hingegen kann man einzelne Inhalte freigeben. Ausnahmen sind Leihfilme und -serien, In-App-Käufe, kostenlose Leseproben und Musik (dafür gibt es die Streamingoption).

Netflix - und die Kosten - mit mehreren Freunden teilen? es gibt einiges zu beachten?(© 2019 Shutterstock / Lolostock)

Neben Apple und Google muss natürlich noch Amazon mit seinem Gemischtwarenladen an Apps, Büchern und Games erwähnt werden. Auch Amazon bietet eine Familienbibliothek für Apps, Spiele und Bücher an. Eine mustergültige Amazon-Familie besteht aus zwei Erwachsenen und bis zu vier Kindern. Dabei entscheidet jeder Erwachsene, was er teilt: Entweder alle kompatiblen Inhalte oder nur einzelne Titel.

Was ist denn nun erlaubt?

Die Mehrzahl der Dienste ermöglicht es zwar, einen Account auf mehreren Geräten zu nutzen und sogar gleichzeitig unterschiedliche Inhalte auszuspielen, das Teilen von Streaming-Accounts ist in der Regel  mehr oder weniger stark eingeschränkt. Erlaubt ist es oft nur unter Familienmitgliedern beziehungsweise Personen, die im gleichen Haushalt leben.

Accounts mit Freunden, Bekannten oder gar Fremden zu teilen, ist in der Regel nicht gestattet. Und auch nicht immer ratsam, da man oftmals seine Zahlungsdaten hinterlegt hat und jeder Nutzer des Zugangs mit diesen Daten auf große Shoppingtour gehen kann.

Aber wieviel Sinn macht dann ein Angebot wie Netflix' Premium-Abo, das es erlaubt  bis zu vier Geräte gleichzeitig zu nutzen. "Praktisch ist das ja nur möglich, wenn verschiedene Leute schauen", konstatiert Rechtsanwalt Christian Solmecke, Spezialist für die Internet und IT-Branche und Partner der Kölner Medienrechtskanzlei Wilde Beuger Solmecke.

Bringt künstliche Intelligenz das Account-Sharing zur Strecke?

Und wie kann ein Nutzer sein Konto teilen und gleichzeitig die Kontrolle behalten, wie beispielsweise Netflix es fordert? "Das ist möglich, indem der Abonnent ein Konto auf fremden Geräten einrichtet und diese Personen dann streamen, ohne das Passwort zu kennen. Wenn der Abonnent  dann das Passwort ändert, haben die anderen Personen keinen Zugriff mehr – so behält er die Kontrolle."

Welche Möglichkeiten haben die Anbieter überhaupt, eine unsachgemäße Nutzung festzustellen? Vor kurzem machte die Meldung die Runde, einige Anbieter würden zur Kontrolle IP-Adressen analysieren. Letztlich sagen diese aber nichts über den Verwandtschaftsgrad der Nutzer aus. Daher lohnt sich diese aufwändige Maßnahme nicht wirklich. "Uns sind bislang auch keine Fälle bekannt, in denen die AGB wirklich durchgesetzt wurden", stellt Anwalt Christian Solmecke fest. "In manchen Fällen mag es daran liegen, dass zusätzliche Nutzer mehr Werbung bedeuten. Bei bekannten Diensten wie Netflix wird es aber eher an den technischen Möglichkeiten, beziehungsweise dem Aufwand liegen."

Fazit: Alles Familie, oder was?

Nun hat vor kurzem allerdings das Unternehmen Synamedia ein Tool vorgestellt, das mittels Künstlicher Intelligenz feststellen kann, ob ein Abonnent Account-Sharing betreibt. Eingesetzt wird diese Tool allerdings bislang nicht.

Aber angenommen, ein Anbieter würde einem Nutzer, wie auch immer, vertragswidriges Account-Sharing nachweisen, was passiert dann?  Theoretisch wäre es dann möglich, den Nutzungsvertrag zu kündigen oder den Account einzuschränken, indem man ihn vorübergehend sperrt. "Allerdings verliert das Unternehmen dann ja Nutzer", gibt Solmecke zu bedenken. "Daher ist es wahrscheinlicher, dass der Nutzer dann einfach ein Konto-Upgrade angeboten bekommt, mit dem dann mehrere Nutzer legal schauen können.“

Nichtsdestotrotz, juristisch betrachtet, stimmen Nutzer den Bedingungen der Anbieter bei der Anmeldung zu. Halten sie sich nicht daran, haben die Dienste das Recht, ihm zu kündigen. Ob sie dies auch tun, steht auf einem anderen Stück Papier. Aber auch wenn Anbieter vielfach das Account-Sharing untersagen, so sind die dass Maßnahmen, dies umfassend um- und durchzusetzen für den Anbieter bislang noch mit (zu) großem Aufwand verbunden.


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