Neue Serie "Britannia": Das "Game of Thrones" der Antike?

Königstochter Kerra kämpft gegen innere und äußere Feinde des Reiches.
Königstochter Kerra kämpft gegen innere und äußere Feinde des Reiches.(© 2018 SKY)

Pay-TV-Sender Sky und Streaming-Plattform Amazon Prime Video haben sich zusammengetan und den Lannisters und Starks den Krieg erklärt: Mit "Britannia" wollen die beiden Anbieter offensichtlich eine Alternative zum Kampf um die sieben Königreiche abliefern – gelingt das?

Blutige Kämpfe, heiße Erotik und eine Welt, in der die Zivilisation noch in den Kinderschuhen steckt – mit dieser Prämisse landete HBO mit "Game of Thrones" einen Megahit. Kein Wunder, dass auch andere Sender versuchen, aus dieser Idee einen großen Erfolg zu schaffen, der neueste Versuch verschlägt uns ins antike "Britannia".

Britannia: Darum geht es

Im Jahr 43 nach Christus kommt General Aulus Plautius (David Morrissey, der Governor aus "The Walking Dead") mit vier Legionen des Römischen Imperiums knapp 100 Jahre nach Caesar erneut nach England, um die Insel diesmal erfolgreich ins Weltreich einzugliedern – wenn nötig auch mit Gewalt. Der kluge Stratege merkt schnell, dass Britannien zerrissen ist, verschiedene Gruppen kämpfen um die Vorherrschaft. So sind die beiden keltischen Stämme der Regni und Cantii bitterlich verfeindet und die Druiden, Verkünder des Willens der Götter, üben ebenfalls große Macht aus. Während Pellenor (Ian McDiarmid, der Imperator aus "Star Wars 1-3"), König der Cantii, tatenlos zusieht, wie die Römer ihren blutigen Feldzug beginnen, ist seine Tochter Kerra (Kelly Reilly, "Eden Lake") gegen das Blutvergießen und versucht, sich mit Aulus zu einigen. Doch Königin Antedia (Zoe Wannamaker), Herrscherin über die Regni, versucht schnell, die Römer auf ihre Seite zu ziehen und mit ihnen gemeinsam die Cantii auszulöschen.

General Aulus Plautius soll für Rom die britischen Inseln erobern.

In diesen undurchsichtigen Machenschaften der Mächtigen sind auch die Halbwaise Cait und ein ausgestoßener Druide namens Divis (Nikolaj Lie Kaas, als Carl Moerck in den bisherigen Jussi-Adler-Olsen-Verfilmungen zu sehen) unterwegs, um ihre Leben zu retten. Doch sie geraten unvermittelt in die Schusslinie und werden so zu Figuren auf dem Schachbrett im Spiel um die Macht …

Bekanntes Rezept

Tatsächlich sind die Parallelen der von den Brüdern Jez und Tom Butterworth sowie James Richardson erschaffenen Serie zu "Game of Thrones" deutlich. Es stehen sich mit den Römern, den Regni, Cantii und Druiden insgesamt vier Machtblöcke gegenüber, deren genaue Pläne lange im Dunkeln bleiben. Es gibt ein paar verbotene und unmögliche Liebesaffären. Dazu geben die Autoren eine fein dosierte Menge Fantasy und Mystik dazu, die sich vor allem in den undurchsichtigen Druiden Bahn bricht. Einige blutige Gefechte und ein wenig Sex sind natürlich auch dabei. Also alles wie in "Game of Thrones"? Und genauso gut?

Schwieriger Spagat

Nicht ganz. Denn so sehr auch die Fantasy-Bemühungen zu sehen sind, letztlich basiert die Handlung auf den historischen Fakten, die den Ausgang des Machtkampfes bereits vorwegnehmen, so extrem spannend wie in Westeros geht es hier also nicht zu. Kann "Britannia" beim Gewaltgrad noch halbwegs mithalten, gibt sich die neue britische Serie in Sachen Sex bedeutend züchtiger als der HBO-Hit. Hin und wieder ein wenig Haut, das war es dann auch schon. Offenbar wollten die Produzenten, die die Serie für den US-Markt für Amazon Prime geplant haben, keine Probleme mit den dortigen Jugendschützern riskieren, die bei nackter Haut bekanntermaßen sehr empfindlich reagieren. Auch die unterschiedlichen Gruppen sind hier überschaubarer als in "Game of Thrones", denn jede verfügt meist nur über zwei bis drei wichtige Charaktere – und nicht über ein halbes Dutzend oder mehr.

Da die Butterworths, bedingt durch den wahren Hintergrund, nicht so frei in ihren Möglichkeiten waren, funktioniert auch die Mythologie der Serie nicht so gut wie beim Vorbild. Nicht immer passen die Schwerter und Rüstungen der Römer mit den Zauberkräften der Druiden wirklich gut zusammen, an einigen Stellen wirkt das eher unfreiwillig komisch als glaubhaft. Und auch beim Budget muss „Britannia“ klar hinter dem großen "Game of Thrones" zurückstecken. So ist das Römerlager für die angeblich 20.000 Soldaten starke Armee viel zu klein und mehr als 50 Legionäre sieht man eigentlich auch nie. Das darf in einer möglichen zweiten Staffel gern besser werden.

Ansehen oder nicht?

Die Serie läuft ab dem 23. Februar in Deutschland bei Sky, jeden Freitag gibt es eine neue Folge. Und wer auf Serien wie "Game of Thrones" oder "Vikings" steht, sollte hier durchaus einmal einen Blick riskieren. Denn die Schauspieler bieten durchgehend gute Leistungen, vor allem David Morrissey als gewohnt undurchsichtiger römischer General und Kelly Reilly als Königstochter, die zwischen dem Gehorsam gegen ihren Vater und und ihren eigenen Gefühlen hin und hergerissen ist. Aber auch Mackenzie Crook (das Holzauge aus „Pirates of the Caribbean“ und als Orell auch in Game of Thrones“ dabei) als unheimlicher Oberdruide Veran, Hugo Speer („The Musketeers“) als Aulus‘ rechte Hand Lucius und Ian McDiarmid als Pellenor sind sehr sehenswert.

Die Druiden interpretieren den Willen der Götter - nicht ganz uneigennützig natürlich.

Dazu fangen die Kameramänner viele spektakuläre Bilder ein, die besonders die Stimmung des mythischen Reiches "Britannia" mit seinen grünen Wäldern und wilden Küsten widerspiegeln und das Eintauchen in die Serie sehr einfach machen. Dazu gibt es genug Twists und Geheimnisse in den neun Folgen der ersten Staffel, um nach gutem Start dranzubleiben, auch wenn ein Ende des Konflikts natürlich noch nicht in Sicht ist. Und schließlich sind viele der Figuren so liebens- oder hassenswert, dass uns ihr Schicksal zumindest nicht egal ist – immer ein guter Grund, eine Serie weiterzuschauen. Also auch wenn "Britannia" noch Luft nach oben hat – recht ordentlich ist sie jetzt schon. Außerdem bietet sie noch genug Möglichkeiten, in kommenden Staffeln noch weitere Völker und Gruppen einzuführen, beispielsweise die Pikten. Wer auf korrekte Historienserien steht, wird bei "Britannia" allerdings nicht fündig: Während bei den Römern tatsächlich Aulus Plautius der befehlshabende General war, tauchen die echten britischen Anführer, die um ihre Freiheit kämpften,  in der Serie (noch) nicht auf.

Fazit:

Ein recht gute Serie, die das Potenzial in sich trägt, in den kommenden Staffeln sogar eine sehr gute zu werden. Ein "Game of Thrones" wartet hier aber wohl nicht.

Britannia ist vor allem optisch ein echter Genuss.

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