Neuer Datenskandal: TomTom verkauft Bewegungsprofile an Polizei

Für Aufruhr gesorgt hat Apple in den letzten Tagen mit den Nachrichten dass iPhones die jeweiligen Standortdaten aufzeichnen. Und auch Googles Android wurde dafür heftigst kritisiert. Ein viel skurrilerer Fall, der für Kopfschütteln und laute Aufschreie sorgt, wurde jetzt bekannt. Der Hersteller von Navigationsgeräten TomTom hat Kundendaten an die niederländische Polizei verkauft. Mit Hilfe dieser Daten konnte die Polizei in Holland ihre Radarfallen optimieren.

Die Sammlung der Bewegungsdaten der TomTom Kunden ist unter dem Namen TomTom HD Traffic bekannt und war ursprünglich dafür vorgesehen, Stauvorhersagen zu verbessern und effektiver ans gewünschte Ziel zu führen. "Wir stellen unsere Daten auch Regierungen und Gemeinden zur Verfügung, etwa um ihnen ein besseres Verständnis der Nutzung des Verkehrsnetzes zu liefern", erklärte Harold Goddijn, TomTom-CEO. Laut seiner Aussage werden die Informationen, die TomTom liefert, von den Behörden tatsächlich auch zur Straßenplanung genutzt. Wenn es dabei bleibt, hat sicherlich kein Kunde ein Problem damit, denn schließlich ist eine möglichst optimale Verkehrsführung im Interesse aller Autofahrer. Dass die Daten jedoch von der Polizei dazu genutzt werden, die Autofahrer durch besser platzierte Radarfallen mehr zur Kasse zu bitten, das will sicher keiner. Und schon gar nicht, ohne davon zu wissen. Goddijn erklärt jedoch, dass jeder Kunde beim Einrichten des Navis nach seiner Zustimmung zur Erfassung der Daten gefragt werde. (Man könnte hinzufügen: Die Erfassung ist ja okay, aber die meisten Kunden würden der Weitergabe an unsere Freunde und Helfer sicher nicht zustimmen.)

Wie Harold Goddijn ausführte, habe TomTom nicht gewusst, dass die niederländische Polizei die Daten zum Aufstellen von Radarfallen nutzte. Zukünftig werde man eine derartige Nutzung in den Lizenzbedingungen untersagen. Darüber hinaus betonte Goddijn, dass die Privatsphäre der TomTom-Kunden nicht beeinträchtigt worden sei, da die Daten anonym erhoben werden und weder TomTom noch die Behörden nachverfolgen können, woher sie stammen. TomTom hat sich inzwischen für den FauxPas entschuldigt – die Frage ist nur, ob das reicht oder ob der Skandal möglicherweise bleibende Schäden bei TomTom hinterlässt.