New Generation Hotels: Übernachten mit Handy und Stil

Supergeil !11
Die New Generation Hotels fokussieren mit Ihrem Angebot voll auf die Generation Smartphone
Die New Generation Hotels fokussieren mit Ihrem Angebot voll auf die Generation Smartphone(© 2014 Ruby Sofie)

In den kommenden zwei Jahren will die Hotelgruppe Hilton in den meisten seiner mehr als 4.000 Hotels weltweit die Raumbuchung, den digitalen Check-in und das Öffnen der Hotelzimmertür per Smartphone ermöglichen. Die Hyatt-Gruppe plant Zimmerkarten mit NFC-Chips, die beim Verlassen des Zimmers automatisch für den Liftruf sorgen. Noch einen Schritt weiter gehen aber die sogenannten New Generation Hotels, die mit Ihrem Angebot voll auf die Generation Smartphone fokussieren.

"Minibar, Roomservice, Restaurant und Wellnessbereich? Brauchen wir alles nicht", so Jens Gmiat, Vice President Operations der Münchner Ruby Hotels & Resorts GmbH. Im Herzen des 3. Bezirks von Wien hat das Unternehmen erst vor wenigen Wochen das Ruby Sofie Hotel eröffnet. Bestehende Hotel-Konzepte haben die Betreiber bei der Planung vollkommen ignoriert und ihr Haus als ein sogenanntes New Generation Hotel eingerichtet. Wer dabei an steriles Weiß, Getränke servierende Roboter und andere Hightech-Spielereien denkt, muss enttäuscht werden. Den Betreibern solcher Hotels kommt es nicht auf filmreife Science-Fiction-Technik, sondern auf den Gast von heute an – vor allem aber auch auf seinen treuen Begleiter: das Smartphone. Als Terminkalender, ÖPNV-Ticket, Bonuskarte und universeller Kommunikator, aber auch als Unterhaltungszentrale für Filme und Musik ist das für viele nicht mehr wegzudenken. Die gebotene Technik sorgt dafür, dass der gewohnte Komfort auch in der Ferne nicht aufgegeben werden muss.

"Der Urban Traveller oder der Businessreisende bucht kurzfristig auf dem Smartphone oder Tablet und möchte kurze Wege in die Innenstadt, gute Technik und ein komfortables Zimmer mit einer guten Ausstattung haben", beschreibt Gmiat die Bedürfnisse der Gäste. Zur gewünschten Ausstattung zählen nicht nur ein bequemes Bett und eine schöne Dusche, sondern auch leistungsfähiges und vor allem kostenloses WLAN, um auch in ungewohnter Umgebung gewohnte Dienste auf dem Smartphone und Tablet nutzen zu können. Der Abruf von Filmen ist aufgrund der WLAN-Verbindung nicht nur genau so schnell wie zu Hause, sondern dank Soundanlage und HD-Fernseher mit Smartphone-Anbindung mindestens so komfortabel.

Alte Anforderungen

Auf unnötigen Luxus wie eine Minibar, die Hotelmappe, einen Video-on-demand-Dienst oder ein Telefon wird in New Generation Hotels verzichtet, in moderne Technik hingegen mehr investiert. Ob ein Zimmer  dabei klassisch oder im neuen Stil eingerichtet wird, spiele zumindest finanziell keine große Rolle, sagt Ulrich Pillau, Geschäftsführer von Hetras. Mit einer Cloud-basierten Plattform ermöglicht das Unternehmen Hotelbetreibern die Zentralisierung des Managements sowie die Automatisierung verschiedener geschäftstypischer Hotelaufgaben. Je nach Ausstattung kann die moderne Einrichtung sogar geringe Kostenersparnisse mit sich bringen.

Dennoch will man natürlich die grundlegenden weltlichen Bedürfnisse der Gäste erfüllen: Getränke stehen beispielsweise statt in einer Minibar auf jedem Zimmer auf dem Gang in einem Automaten zur Verfügung. "Ob der Gast sich dort Nachts nach der Party noch ein Wasser holt oder am Morgen in Bademantel und Unterhose das erste Bier, spielt für uns keine Rolle", sagt Gmiat. Hotels wie das Ruby sparen sich durch diese Art von reduziertem Komfort nicht nur die Anschaffungskosten einer Minibar, sondern auch die Zeit und den Aufwand, diese regelmäßig zu füllen, von der Abrechnung am Ende des Aufenthalts ganz zu schweigen.

Statt eines Zimmerservice, der das Bügelbrett auf Wunsch aufs Zimmer bringt, gibt es gemütliche Etagenküchen mit den wichtigsten Geräten. Auch die 24-stündige Besetzung einer Bar hat in einem New Generation Hotel nichts verloren. Ein Spa-Bereich mit Pool, Sauna und Massage darf in einem Fünf-Sterne-Urlaubsressort zwar nicht fehlen, in einem New Generation Hotel ist ein solcher Bereich aber ebenso fehl am Platz wie Konferenzräume, Frühstückssaal, Restaurant und sogar die Rezeption. Stattdessen finden Gäste eine Lounge, die mit einer kleinen Bar, dem Check-in-Bereich sowie gemütlichen Tischen und Stühlen jede Funktion erfüllt.

Wenig neu und vieles besser

Der Clou von New Generation Hotels ist der Verzicht auf die Buchung vor Ort: Gäste buchen ihre Zimmer bereits online zu Hause oder unterwegs. Daten wie die Adresse, die Kreditkartennummern, die Anzahl der Übernachtungen und mehr werden vorab übermittelt. Im Hotel angekommen bestätigt der Gast lediglich mit seiner digitalen Unterschrift die Angaben. Der Check-in funktioniert mit dem eigenen Smartphone, Tablet, oder aber "an weißen Tischen mit iPads, wie in einem Apple Store", sagt Pillau. Auch den Check-out übernimmt der Gast auf seinem eigenen Smartphone oder dem Hotel-Tablet am Empfang selbst. Er kann daher kommen und gehen, wie es ihm beliebt, und das ohne lange Wartezeiten oder die Abhängigkeit vom Personal am Empfang.

Die Cloud-Lösung Hetras bildet das Bindeglied zwischen Hotel und Kunde, da sie sämtliche Funktionen des Hotelbesuchs steuert. Die Integration der Plattform beginnt bei der Anbindung an über 250 Buchungskanäle, über die Gäste eine Reservierung erstellen. Auch die Hotelwebseite wird von der Management-Plattform für mobile Geräte optimiert erstellt. Den anschließenden Check-in mitsamt Zimmerplan zur Auswahl, die Buchung von Leistungen und den Check-out am Ende des Aufenthalts übernimmt Hetras ebenso wie einen Fragebogen und die Anbindung an Bewertungsportale. Dem Hotelier stehen damit sämtliche Daten und Funktionen an zentraler Stelle zur Verfügung.

"In den New Generation Hotels starren die Mitarbeiter nicht mehr auf den Rechner bei dem Versuch, einen Gast einzuchecken, während die Schlange dahinter immer länger wird. Wenn der Gast das alles in der Halle selbst machen kann, haben die Mitarbeiter Zeit, sich mit den Gästen zu beschäftigen", erklärt Pillau. Sie helfen beispielsweise Gästen beim neuartigen Check-in-Prozess. Vergleichbar ist der selbstständige Check-in mit den Expresskassen bei Ikea, Real oder Saturn — Kunden, die noch keine Erfahrung mit dem System haben, werden von einem Mitarbeiter durch den Check-in-Prozess geführt.

Gmiat ist häufiger unterstützend im Empfangsraum tätig und konnte seit der Eröffnung des Ruby Sofie Hotels die Erfahrung der Gäste unmittelbar erleben: "Am Anfang haben wir die Gäste begleitet. Inzwischen machen sie den Check-in selbst und kennen die Mitarbeiter. Die schätzen das Unkomplizierte. Solange der Faktor Mensch, der Faktor Softskill der Mitarbeiter passt, ist die Sache ganz hervorragend. Wir haben ja keinen Automaten an der Tür stehen, der Gast kann also immer mit jemandem reden."

Mehr Service durch weniger Service

Mit weniger Service zu mehr Service? So kurios diese Rechnung klingt, so einfach ist sie eigentlich. Denn durch den Verzicht auf bestimmte Dienstleistungen kommen New Generation Hotels mit 0,2 Mitarbeitern pro Zimmer oder neun Prozent des Umsatzes mit deutlich weniger aus, als klassische Häuser, in denen im Schnitt 0,5 Mitarbeiter pro Zimmer angestellt sind und bis zu einem Viertel der Kosten ausmachen, so die Statistik von Top Hotel Projects.

Doch anders als Low-Budget-Hotels, die durch Personaleinsparungen auch notgedrungen den Service gesenkt haben, bieten New Generation Hotels gleichwertigen und teilweise sogar besseren Service an: Da den Angestellten in New Generation Hotels mehr Zeit für andere Aufgaben zur Verfügung steht, sind klassische Aufgabenbereiche wie Empfang, Bar, Zimmerservice oder Küche in der neuen Rolle des Allrounders zusammengefasst. Statt acht Stunden Empfang wechseln die Angestellten im Laufe des Tages mehrmals ihre Rolle.

Für einen Arbeitsplatz im Ruby Sofie Hotel haben sich Mitarbeiter gerade deshalb beworben, wie Gmiat erklärt: "Die Spannung und das Entwicklungspotenzial ist größer, da die Arbeit abwechslungsreicher ist. Die Mitarbeiter können auch eine ganz andere Bindung mit den Gästen aufbauen, da der gleiche Mitarbeiter am Check-in aber auch an der Bar arbeitet." Theoretisch könnte ein Gast also direkt während des Eincheckens beim Gespräch mit dem Hotelangestellten um ein Getränk in wenigen Minuten an der Bar bitten. In klassischen Hotels wäre dies nur, wenn überhaupt, mit zusätzlichem Aufwand möglich.

Hotels mit Seele und Hightech

Mehr Nähe zu den Gästen, eine gemütliche Kombination aus Empfang, Lobby und Bar – auch das gehört zum Konzept. New Generation klingt zwar nach viel Weiß, geraden Linien und Minimalismus, doch im Ruby Sofie Hotel hat man genau den anderen Weg eingeschlagen: Keine perfekt aufeinander abgestimmten Designer-Möbel, sondern rustikaler Look mit viel Vintage-Charme. Gmiat beschreibt sein Hotel als "nichts Steriles, sondern einen Ort mit Wärme und Menschen. Mit einer Bar, in der man andere Leute treffen oder sich mit den Mitarbeitern unterhalten kann. Wir haben Seele und Charakter. Für uns ist es wichtig, zu den Einrichtungsgegenständen eine Geschichte erzählen zu können."

Gleichzeitig steht den Kunden auf den Zimmern eine auf die Generation Technik angepasstes Unterhaltungsangebot bereit: Neueste Flat-Screen-Fernseher, kostenfreies WLAN, Klimaanlage sowie ein Soundsystem, um nur die Minimalausstattung zu nennen. Im Vergleich zu anderen Hotels seien die Investitionen in Technik aber nicht überdurchschnittlich hoch, auch selbst dann nicht, wenn man dem Wunsch der Gäste entspreche, über aktuelle Geräte zu verfügen, so Gmiat: "Technisch sind wir auf dem neuesten Stand und aus Software-Sicht bekommen wir Updates. Ein iPad, das an der Rezeption liegt, hat sowieso eine begrenzte Lebensdauer. Auf den Zimmern bieten wir ein leistungsfähiges WLAN, was auch eine Weile ausreichen wird. Die Technik im Hintergrund ist nicht anders als bei anderen Hotels."

Für die Updates der zugrundeliegenden Software sorgt hingegen Hetras. Da das Hotel-Management-System Cloud-basiert ist, sind Hotelbetreiber und Gäste gleichermaßen geräteunabhängig. Ob jemand ein zwei Jahre altes iPad oder ein aktuelles Gerät mit Android besitzt, spielt für den Aufenthalt keine Rolle, da sämtliche Funktionen Browser-basiert über eine Webseite gesteuert werden.

Die Hotelbranche im Zugzwang

Besteht also für bestehende Hotels ein Muss, in den kommenden Jahren ihr Geschäftsmodell zu ändern? Immerhin brüsten sich New Generation Hotels mit einer durchschnittlichen Buchung von 90 Prozent. Dass es immer mehr Druck auf die Hotelindustrie geben wird, davon ist Pillau überzeugt. Gleichzeitig sieht der Hetras-Chef aber auch eine ernstzunehmende Hürde für die bereits auf dem Markt positionierten Unternehmen: "Die bestehenden Hotels und Ketten, die viele Millionen investiert haben, werden sich sehr schwer tun, erneut zu investieren. Der Umstieg kostet wirklich Geld. Erfolgreich sind vor allem die Hotels und Hotelketten, die gerade neu aufgebaut werden. Die gehen von Anfang an mit diesem neuen Konzept in die Gebäude rein."

Das New-Generation-Prinzip macht es Investoren und zukünftigen Hotelbetreibern allerdings auch besonders einfach, Hotels in guter Innenstadtlage zu eröffnen und zu führen. Anders als klassische Hotels benötigen die auf Geschäftsleute und digitale Nomaden ausgerichteten neuen Herbergen keine großen Parkplätze und andere raumfressende Nutzflächen wie eine Hotelküche. Gleichzeitig gibt es in New Generation Hotels aber die besondere Anforderung, sie stets auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten. Zukünftige Investitionen in neue Technologien wie iBeacon, NFC und die nahtlose Integration des Smartphones zur Steuerung der kompletten Zimmertechnik, wie Apple dies mit HomeKit in iOS 8 anbieten wird, sind unausweichlich.

Auch im Ruby Sofie Hotel wurde auf diese Art und Weise geplant. "Wir brauchen keine große Lobby oder ähnliches, sondern es gibt kombinierte Bereiche mit Bar, Check-in, Frühstück und Lounge. Im Ruby in Wien haben wir eine Personalstärke von neun Mitarbeitern. Die Kostenersparnis können wir an die Kunden weitergeben", berichtet Gmiat. Ehemalige Bürogebäude oder selbst Wohnhäuser mit Innenstadtlage eignen sich aus diesem Grund ganz besonders als Investitionsobjekt.

Hoteliers mit Vision

Das Ruby Sofie Hotel in Wien ist nicht das erste New Generation Hotel, das auf der von Hetras entwickelten Plattform läuft. Auch andere Häuser, vor allem in Skandinavien verwenden bereits das System der Münchner. Dennoch sind die Hotels alle unterschiedlich, weil das Konzept eine starke Individualisierung vorsieht. Doch der Hetras-Chef sieht auch einen gemeinsamen Nenner aller New Generation Hotels: die Vision, statt eines Billighotels mit technischen Spielereien ein Hotel mit Herz und Seele aufzubauen, das alle Anforderungen seiner Gäste komfortabel bedient. Diese scheint jedoch nur bei wenigen Hoteliers vorhanden. Pillau erzählt: "Ich habe vielleicht eine Handvoll Hoteliers getroffen, bei denen ich gemerkt habe, dass die das New-Generation-Prinzip verstanden haben und umsetzen können." Steht das Konzept als Gerüst einmal da, lässt es sich relativ einfach auf weitere Standorte übertragen, ohne auf eine individuelle Einrichtung verzichten zu müssen. Klar, dass besonders Hotelketten von diesem Prinzip profitieren.

Trotz ihres Vorsprungs stehen aber auch die New Generation Hotels nicht still. Welche Bereiche noch Potenzial bieten, versuchen derzeit Wissenschaftler am Fraunhofer Institut im Projekt Future Hotel herauszufinden. Die ersten Ergebnisse sollen bereits in naher Zukunft in einem von Hetras und Fraunhofer gemeinsam geplanten Hotel gezeigt werden.

Auch mit den technischen Entwicklungen mobiler Endgeräte und Apps bieten sich den modernen Hotels neue Chancen und Herausforderungen: Einfachere Apps, bessere Buchungssysteme und eine engere Verzahnung von Smartphone mit der Hoteltechnik sind aufgrund steigender Anforderungen unausweichlich. Zwar entsprechen die Hotels bereits deutlich mehr den Ansprüchen einer sich verändernden Kundschaft, doch auch mit Blick auf die Einrichtung gibt es noch Optimierungsbedarf, wie Gmiat feststellt: "Die Grundbedürfnisse werden weiter steigen. New Generation Hotels müssen sich selbst verbessern was Licht, Raumaufteilung und Einrichtung betrifft, um Komfort zu bieten. Der Qualitätsanspruch der Gäste wird auf jeden Fall steigen."


Weitere Artikel zum Thema
Samsung Galaxy A5 und Co sollen Edge-Displays erhal­ten
Guido Karsten1
Her damit !17Das Galaxy A5 (2016) besitzt noch ein starres AMOLED-Display ohne Biegungen
Samsung soll in Zukunft noch mehr auf OLED-Bildschirme setzen als bisher. Gerade Mittelklasse-Geräte wie das Galaxy A5 sollen davon profitieren.
Honor 8 Premium in Pink: Neue Farbe soll noch vor Weih­nach­ten erschei­nen
Christoph Groth
Das Honor 8 Premium in Sakura Pink soll pünktlich zum Fest erscheinen
Pretty in Pink: Honor kündigt eine neue Farbvariante des Honor 8 Premium in Rosa an, die noch vor vor Weihnachten erhältlich sein soll.
Huawei stellt robus­ten Akku mit langer Lebens­dauer vor
Christoph Groth
Her damit !7Die direkten Nachfolger des Huawei Mate 9 werden wohl noch herkömmliche Akkus besitzen
Huawei hat einen neuen Akku vorgestellt, der mehr Hitze verträgt und länger haltbar ist. Davon könnten beispielsweise Drohnen profitieren.