Nintendo Switch: Alles falsch gemacht und doch gewonnen

Trotz diverser Unzulänglichkeiten ein gigantischer Erfolg: die neue Nintendo Switch.
Trotz diverser Unzulänglichkeiten ein gigantischer Erfolg: die neue Nintendo Switch.(© 2018 CURVED)

Die neue Nintendo Hardware "Switch" hat famose Monate hinter sich. Rund 10 Millionen verkaufte Exemplare weltweit und ein tolles Line-Up von hochbewerteten Start-Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Dennoch hat Nintendo mit der neuen Hardware eigentlich fast alles verbockt, was man heutzutage nur verbocken kann. Wie wurde aus der Switch trotzdem ein Erfolgsgarant? Wir haben nachgeforscht.

Die Einführung einer neuen Hardware ist für jeden Hard- und Software-Hersteller immer eine große Sache. Haben sich die Mühen gelohnt? Werden die Kosten, die von der R&D-Abteilung verschlungen wurden, gedeckt? Und kommen die Spiele zum Start gut bei den potentiellen Käufern an? Diese und weitere Fragen haben Nintendo nach dem Desaster mit der ungeliebten Vorgänger-Konsole WiiU sicherlich umgetrieben. Auf dem Papier war dann auch die Hybrid-Konsole Switch ein echter Wackelkandidat. Doch der Erfolg gibt der Daddel-Kiste recht. Teilweise unverständlich, denn der Hard- und Software-Riese aus Japan hat zum Launch eine Menge Fehler begangen, die in vielen Fällen den sofortigen Hardware-Tot nach sich ziehen können.

Der Release-Termin der Switch

Mit einem gleichzeitigen weltweiten Starttermin für neue Hardware tun sich die Hersteller im Allgemeinen keinen großen Gefallen. Müssen im Vorfeld doch unglaublich viele Geräte produziert und für die verschiedenen Märkte angepasst werden. Zudem ist eine Markteinführung im Frühjahr – die Switch erschien im März 2017 – ein gewagter Schritt. Es stehen keine großen Feiertage im Kalender und das oft extrem ertragreiche Weihnachtsgeschäft ist in weiter Ferne. Da kam es, wie es kommen musste: Zum Start der Nintendo Switch reichte die Auslieferungsmenge vorn und hinten nicht, viele Kunden standen wochen-, gar monatelang vor leeren Verkaufsregalen.

Fehler in der Hardware

Wer dennoch eine Switch ergattern konnte, ärgerte sich bei den ersten Spiele-Sessions schwarz: Denn fast alle Geräte waren von einem schwerwiegenden Hardware-Fehler betroffen, bei dem die mitgelieferten Joy Con-Controller die Verbindung zur Konsole verloren. Das darf natürlich in keinem Fall passieren, um das Vertrauen der Kunden in die neue Hardware nicht zu schmälern. Nintendo besserte nach und bot ein Reparatur-Programm für die kleinen Controller an. Seitdem funktionieren sie wieder, wie sie sollen – viele Spieler griffen dennoch entnervt zum Pro-Controller.

Besonders der linke Joy-Con machte zum Start Probleme.(© 2017 CURVED)

Hoher Preis

Mit knapp 330 Euro zur Markteinführung lag der Preis sogar noch über dem einer normalen PS4 oder Xbox One (S), die beide für unter 300 Euro zu haben waren. Der auch werbetechnisch starke Fokus auf die Mobilfähigkeiten der Switch sorgte ob der Preise für die verschiedenen 3DS-Modelle für Unverständnis – die kosteten nur knapp die Hälfte, wenn nicht weniger. Zudem kann man auf den Preis der Switch noch getrost die Kosten für einen Pro-Controller und eine microSD-Karte aufschlagen. Dann ist man bei rund 500 Euro – ohne Spiel. Und auch ein weiterer Punkt rechtfertigte den hohen Preis in den Augen vieler Kunden nicht:

Schwache Hardware

Die Hardware-Leistung der Nintendo Switch bleibt weit hinter Playstation 4 und Xbox One zurück. Nimmt man die PS4 Pro oder die Xbox One X als Messlatte, dann braucht man über diesen Punkt eigentlich kaum mehr sprechen. Wie schon in fast allen Jahren zuvor, scherte sich Nintendo auch bei der Switch so gar nicht um die aktuellen Performance-Level der Konkurrenten und verbaute lediglich einen Prozessor, der an die Leistung von Top-Smartphones erinnert. Auch der zur Verfügung stehende Festspeicher ist mit rund 30 Gigabyte ein schlechter Scherz. Ohne eine microSD-Speicherkarte – die nicht im Lieferumfang enthalten ist – ist der Speicher schnell voll und man muss regelmäßig Platz für neue Software schaffen.

Kein Online-Service

Für Playstation- und Xbox-Spieler, die sich abends auf einen gepflegten Chat oder eine zünftige Runde im Multiplayer freuen, ist dieser Umstand schon fast nicht zu glauben. Denn die Nintendo Switch verfügt weder über ein Lobby-System mit Nachrichten-Austausch, Chat und Co., sondern auch die Mehrspieler-Runden lassen schmerzlich ein paar der rudimentärsten Features vermissen. Die wacklige und komfortlose App für Smartphones, die diesen Umstand eigentlich vergessen lassen sollte, ist in mehrerlei Hinsicht ein schlechter Scherz. Auch die vielgeliebte "Virtual Console", die es euch ermöglichen soll, Spiele scheinbar vergessener Nintendo-Hardware aus dem eShop herunterzuladen, lässt weiterhin auf sich warten. Mit Sicherheit sind viele Spieler bereit, auch bei Nintendo eine Abo-Gebühr für einen entsprechenden Service zu zahlen – allerdings nicht mit Chat per Smartphone-App.

Der Voice-Chat funktioniert ausschließlich in dem jeweiligen Spiel.(© 2017 CURVED)

Schleppender 3rd Party-Support

Nachdem absoluten Verkaufs-Debakel "WiiU" sind auch die Dritthersteller gebrannte Kinder und haben die Markteinführung der Switch zu großen Teilen eher stiefmütterlich behandelt. Klar, wenn man kein großes Risiko eingehen will, dann bieten sich Umsetzungen von alten Spielen am ehesten an. Bis zum Jahresende 2017 kam ein aufgewärmtes Remake nach dem anderen für die Switch. Klar, "DOOM" oder "Skyrim" auch unterwegs spielen zu können hat sicher seinen Reiz, aber fast alle Spieler kannten diese Games schon lange von dem PC, der PS4 und der Xbox One – zudem sehen sie auf der Switch systembedingt zudem noch etwas schlechter aus, als die "großen" Vorbilder. Da sich inzwischen aber ein deutlicher Erfolg für die Switch abzeichnet, springen nun auch die Dritthersteller "mutig" auf den Zug auf und haben für das neue Jahr viele exklusive Entwicklungen angekündigt.

Woher also der Erfolg?

Nun bleibt die Frage, warum sich die Nintendo Switch gerade zu einem unglaublichen Erfolg mausert? Zum einen liegt das sicherlich an dem wirklich genialen Spiele-Angebot, bei dem ein Top-Spiel das nächste jagt: Mit "The Legend of Zelda: Breath of the Wild", "Mario Kart 8 Deluxe", "Splatoon 2" und nicht zuletzt "Super Mario Odyseey" hat Nintendo in den ersten neun Monaten nach Verkaufsstart abgeliefert, dass es schon kaum mehr feierlich ist. Auch die Hardware kann mittlerweile vollends überzeugen – was nicht zuletzt an dem großartigen Bildschirm liegt, der verbaut wurde. Immer noch keine Lösung gibt es hingegen für die nicht in einer Cloud-ähnlichen Mechanik sicherbaren Speicherstände, den fehlenden Online-Support, der seines namens in jetziger Form nicht würdig ist, oder für den mageren Hauptspeicher. Zudem muss Nintendo jetzt zwingend das großartige Momentum halten und alle Käufer auch 2018 wieder mit atemberaubenden Eigenproduktionen versorgen. Es bleibt auf jeden Fall spannend zu sehen, ob der Verkaufserfolg der Switch auch in diesem Jahr fortgeführt werden kann.

Mehr Spiele-News?

Dann haben wir hier noch die aktuellen Erscheinungstermine aller Spiele 2018 für die Konsolen und den PC. Und wenn ihr euch dafür interessiert wann zu welchem Preis und mit welcher Ausstattung die Playstation 5 verfügbar sein wird, dann blickt doch einfach mit uns in die CURVED-Kristallkugel.

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