Nokias Neustart: Warum das Comeback dieses Mal gelingen könnte

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Das Nokia 6
Das Nokia 6(© 2017 HMD)

Nokia wagt den Neuanfang. Mindestens sechs Smartphoneswill die Kultmarke dieses Jahr in den Handel bringen. Welche das sein werden und ob sich das Warten darauf lohnt, erfahren wir Ende Februar. Aber schon jetzt ist klar: Totgeglaubte leben länger.

Die ganz große Bühne hat sich Nokia ausgesucht, um ihren Wiedereinstieg, ihre Quasi-Auferstehung als Smartphone-Hersteller zu feiern. Ende Februar wollen die Finnen die Aufmerksamkeit des Mobile World Congress in Barcelona für sich nutzen und ihre neuen Mobiltelefone und möglicherweise sogar neuen Tablets offiziell anzukündigen. Dass HMD Global, der Lizenznehmer hinter der Marke Nokia, die Nähe zur weltgrößten Mobilfunkmesse sucht, passt zum ehemaligen Branchenriesen. Immerhin galt Nokia über ein Jahrzehnt lang als Marktführer im Segment der Mobiltelefone.

Vom einstigen Pionier zum Problemfall

Erst der Wechsel vom Tasten- zum Touchtelefon brachte die Finnen ins Straucheln – und schließlich zu Fall. Auch die 2011 eingegangene Kooperation mit Microsoft konnte den Absturz nur temporär bremsen, jedoch nicht abwenden. 2014 folgte deshalb die komplette Übernahme der Handysparte durch Microsoft, die nicht nur kurzerhand Stellen bei Nokia strichen, sondern auch den Namen aus den Smartphones: Aus Nokia Lumia wurde Microsoft Lumia. Dem Verkauf der Geräte half das wenig. 2016 zog Microsoft schließlich die Reißleine und verkaufte Nokia an FIH Mobile, eine Tochterfirma des taiwanischen Fertigungsbetriebs Foxconn.

Bereits 2015 hatten sich Nokia und Foxconn auf eine Zusammenarbeit für zukünftige Smartphones geeinigt. Mit dem im Mai 2016 gegründeten Unternehmen HMD Global als Produzenten und Foxconn als Hersteller startet Nokia nun den nächsten Versuch im Smartphone-Geschäft Fuß zu fassen. Dabei liegt das Nutzungsrecht am Namen "Nokia" für zunächst zehn Jahre bei HMD Global. Allein in den kommenden drei Jahren will HMD Global 500 Millionen US-Dollar in das Marketing für die neuen Telefone stecken.

Gelingt das Comeback?

2017 will Nokia zu alter Stärke zurückfinden: mit neuen Partnern und eigenen Smartphones auf Android-Basis. Offen bleibt, ob sie mit ihren Produkten zu den etablierten Playern aufschließen können. Der fragmentierte Markt wird seit Jahren von Apple und Samsung beherrscht. Außerdem drängen immer mehr Hersteller aus China, wie Huawei, Xiaomi oder OnePlus, mit günstigen Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones in den Markt.

Schlecht stehen die Chancen allerdings nicht - zumindest für einen Achtungserfolg. Immerhin stand der Name "Nokia" lange Jahre für zuverlässige und langlebige Hardware. Davon zeugen bis heute zum Beispiel zahlreiche Memes zum 3310. Auf dieses Vertrauen und die Markentreue könnte HMD Global setzen, wenn sie auf dem MWC ihre ersten Premium-Smartphones präsentieren.

Die Chinesen lieben Nokia

Vor allem das Interesse am Nokia 6 scheint HMD Globals Vorhaben, den Namen wieder als relevante Smartphone-Marke zu etablieren, zu bestätigen. Die in Taiwan bei Foxconn hergestellten Smartphones sind besonders in China begehrt - und bislang auch nur dort erhältlich. Das Einsteiger-Smartphone hat eine Display-Größe von 5,5 Zoll bei Full-HD-Auflösung. Im Inneren verbirgt das Nokia 6 einen Snapdragon 430, 4 GB RAM und 64 GB Speicherplatz. Kostenpunkt für das neue Nokia: umgerechnet etwa 233 Euro.

Kein Wunder also, dass das Nokia 6 binnen weniger Minuten bei den sogenannten "Flash Sales" in China ausverkauft war. Weitere 1,4 Millionen Interessenten haben sich zumindest unverbindlich registriert. Entsprechend hoch fallen die Erwartungen an den den dortigen Absatzmarkt aus. Denn laut einer Studie vom November 2016 soll die Zahl der Smartphone-Nutzer allein in China von 552 Millionen auf über 593 Millionen im laufenden Jahr steigen.

Auch der Umstand, dass Samsung nicht wie üblich die neue Galaxy-Version auf dem MWC vorstellen wird, dürfte Nokia in die Karten spielen. Zu guter Letzt versprach HMD Global zudem jüngst eine zügige Update-Politik. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Nokia-Smartphones zeitnah neue Android-Versionen erhalten, sobald diese verfügbar sind.


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