NUMBER26 im Test: das Bankkonto in der App

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NUMBER26 auf dem Tablet
NUMBER26 auf dem Tablet(© 2016 CURVED)

Deutschland ist Bargeld-Land. Immer noch zahlt der Großteil der Bundesbürger mit Kleingeld und Scheinen. Könnte auch daran liegen, dass unsere Bankkonten die Digitalisierung verschlafen haben. NUMBER26 macht vieles anders, trifft damit einen Nerv und expandiert bereits in weitere Länder. CURVED-Autor Jake Pietras hat sich ein Konto angelegt und den Service ausgiebig getestet.

Der Ausdruck Fintech steht für Finance Technology und bezeichnet Unternehmen, die sich im Banksektor bewegen. Diese Anbieter spezialisieren sich meist auf ein einziges Angebot aus dem Finanzsektor und versuchen dieses aus dem komplexen Geflecht der Banken zu entkoppeln und komfortabel und schnell zu machen. Die Kreditvergabe Smava ist da ein Beispiel sowie ein deutsches Unternehmen, das gerade Furore macht: NUMBER26.

Das Fintech will nichts anderes revolutionieren, als genau den Bankservice, der bei uns allen im Zentrum steht: das Girokonto. Ich habe mir ein Konto bei NUMBER26 angelegt, um zu checken, wie gut das App-Bankkonto funktioniert.

Los geht es mit einer einfachen Anmeldung, bei der ich mich mit den üblichen Daten, wie Name, Anschrift und Geburtsdatum, anmelde. Zur korrekten Identifikation, die für ein Bankkonto natürlich sehr wichtig ist, arbeitet NUMBER26 mit ID-now zusammen.

Dabei geht ein freundlicher Servicemitarbeiter mit mir über Kamera den Prozess durch, fotografiert zum Abgleich mein Gesicht und den Personalausweis und fragt ein paar Daten ab. Und nach Eingabe eines SMS-Codes ist mein Konto auch schon freigeschaltet. Das Prozedere dauert inklusive der Anmeldung etwa fünf Minuten und passiert über die chic gestaltete NUMBER26-App, die es für iOS und Android gibt.

NUMBER26-App(© 2016 CURVED)

Die Identifikation funktioniert auch klassisch per PostIdent-Verfahren bei jeder Postfiliale. Da wir aber bereits in der Zukunft leben, beschloss ich, die einfache Variante mit ID-now zu nutzen. Die geht erstens viel schneller und zweitens war an besagtem Tag echt fieses Wetter draußen.

Kontaktlose Zahlungen und ein Kreditkarte-Girocard-Hybrid

Die passende Karte zum Konto kommt dann auch innerhalb der von NUMBER26 versprochenen drei Tagen an. Und sieht rein optisch sehr adrett aus. Sie ist transparent mit schwarzen und türkisen Akzenten, den Hausfarben von NUMBER26. Sehr chic und vielleicht ein kleines Statement, was Transparenz und Innovation des Fintechs angeht.

NUMBER26 Kreditkarte(© 2016 Number 26)

Das Interessante ist, dass es sich um eine MasterCard handelt, die direkt mit dem Konto von NUMBER26 verknüpft ist. Diese ersetzt die leicht angestaubte Maestro-Karte. Ich kann damit weltweit an jedem Automaten kostenlos Geld ziehen und bei Onlineshops im Ausland bestellen. Das geht mit der Girocard leider nicht überall , und Geld abheben funktioniert meist nur an Banken, die zur gleichen Bankengruppe gehören. Wie zum Beispiel die CashGroup, der die Postbank, Commerzbank, Deutsche Bank, Hypo und viele Direktbanken angehören. Sparkassen- und Volksbanken-Kontoinhaber sind an ihr Institut gebunden oder zahlen Gebühren beim Abheben bei anderen Banken.

Voraussetzung für den komfortablen Nutzen der Kreditkarte ist natürlich, dass diese auch angenommen wird. In Deutschland ist die Akzeptanz für Kreditkarten leider noch nicht so verbreitet wie im Ausland, aber das normale Einkaufen funktioniert hierzulande einwandfrei. Lediglich am Kiosk, in Imbissbuden und Restaurants sowie kleineren Geschäften und Diensleistungsunternehmen gibt es Probleme.

Komfortabel ist , dass die NUMBER26-MasterCard einen NFC-Chip verbaut hat. Das kontaktlose Zahlen wir damit zu einer Angelegenheit von etwa zwei Sekunden, in denen man die Karte auf das Lesegerät legt und den Beleg mitnimmt. Das bei Kreditkarten übliche Unterschreiben entfällt damit. Sicherheitsfans wird das leicht sauer aufstoßen, jedoch ist auch die Unterschrift bei der Kreditkarte im Grunde kein echtes Sicherheitsmerkmal. Von daher wird mit dem NFC-Chip nur eine genauso gute beziehungsweise schlechte Verifizierung etwas vereinfacht. Das Zahlen per NFC-Funktion funktioniert übrigens in allen von mir getesteten Supermärkten einwandfrei, die diesen Service anbieten.

Anfang Februar gab es diesbezüglich leider ein Datenleck. Die NFC-Chips der MasterCards konnten die Umsätze mit einem entsprechenden Gerät ausgelesen werden. Ein Hacker darf dazu aber nur wenige Zentimeter von der Karte entfernt sein. Davon waren sowohl NUMBER26-Karten wie auch die anderer Institute betroffen, die MasterCards mit NFC-Chip anbieten. Aus Sicherheitsgründen müsst ihr ein Mal normal mit der Karte bezahlt haben, um dann fünf mal bis zu Beträgen von 20 Euro zahlen zu können. Danach schaltet ihr quasi wieder fünft kontaktlose Zahlungen frei.

Eine normale Girokarte kann übrigens ebenfalls bei NUMBER26 bestellt werden, aber erst sobald mindestens 100 Euro auf das Konto eingegangen sind. Die Bestellung funktioniert dann mit einigen wenigen Klicks auf der Webseite oder in der App. Überhaupt setzt NUMBER26 viel auf Self-Service über die App und die Webseite, die intuitiv gestaltet sind und alle wichtigen Funktionen leicht zugänglich machen.

Ich kann mir zum Beispiel sowohl meine eigene PIN festlegen und jederzeit ändern (Anmerkung: Es ist nicht 1234) oder mich per Push-Mitteilung über Kontobewegungen informieren lassen. Somit sehe ich sofort, ob ich eventuell ein Paar 1000-Euro-Kopfhörer zu viel bestellt habe. Auslandszahlungen, sowie die NFC-Funktion oder Onlinezahlungen mit der Karte kann ich ebenfalls komfortabel per Klick nach Wunsch ein- oder ausschalten. Man denke nur an die tagelang dauernden Prozesse in Untermenüs oder über die Hotline bei anderen Banken, die von der Dauer her immer an Peterchens Mondfahrt erinnern.

Beam mir Geld rüber, Scotty!

Ein weiteres cooles Feature lässt mich Freunden und Bekannten in Sekunden Geld überweisen. NUMBER26 nennt die entsprechende Funktion Moneybeam. Hierzu wähle ich einen Kontakt aus meinem Telefonbuch aus, gebe einen Betrag ein und überweise.

In einem etwas realitätsnäheren Beispiel habe ich einem Freund nahezu in Echtzeit ein paar Euro auf sein Konto schieben können, als wir beim Mittagessen waren. Er erhielt dazu direkt eine Push-Nachricht, wie übrigens bei allen Kontobewegungen oder Zahlungen. Das funktioniert bei NUMBER26-Kontonutzern sofort, Kunden anderer Banken erhalten eine SMS oder E-Mail, in der sie einem Link folgen. Dieser führt sie in eine Eingabemaske, in der sie ihre Kontodaten hinterlegen, auf die die Moneten fließen sollen. Der Link ist sieben Tage lang aktiv. Danach fließt das Geld auf das Konto des Senders zurück. Wie ein Safe, auf den nur Sender und Empfänger Zugriff haben.

Das Geld bei NUMBER26 ist übrigens an das Guthaben auf der MasterCard gekoppelt. Sowohl auf der Karte, als auch auf dem Konto ist somit immer das real verfügbare Guthaben vorhanden. Das beugt vor allen Dingen vor, dass man seine Karte überzieht und Zinsen fällig werden. Auch hier also guter Service. Wer will, kann sich aber kreditkartentypisch einen Dispokredit einrichten. Den Überziehungsrahmen legt ihr im Unterschied zu anderen Banken selbst fest und könnt ihn jederzeit an Eure Bedürfnisse anpassen.

Ein weiteres Tool ist CASH26. Damit kann ich Geld ein- und auszahlen, ohne meine Karte nutzen zu müssen. Abhebungen funktionieren dabei ganz einfach: Ich fordere einen bestimmten Betrag an und die App generiert einen Barcode. Mit dem gehe ich zu einem der Partner von NUMBER26, wie Penny, real, REWE oder einem anderen der über 6000 Geschäfte. Das Kassenpersonal scannt den Code von meinem Smartphone-Display und zahlt mir das Geld aus. Das hat erstaunlich unaufregend und problemlos funktioniert. Die Umwege zu einem Geldautomaten fallen somit komplett weg.

Abhebungen sind dabei kostenfrei, das Einzahlen auch, aber leider nur bis zu 100 Euro pro Monat. Für jeden Betrag darüber wird eine Gebühr von 1,5 Prozent fällig. NUMBER26 führt diese Regelung ab Mai ein und ist somit nicht mehr völlig kostenlos. Für mich ist das aber kein Problem, da ich sowieso selten händisch Geld einzahle.

Zur besseren Übersicht über meine Finanzbewegungen listet mir die App von NUMBER26 alles in einem köstlichen Tortendiagramm auf. Clevererweise schlägt mir NUMBER26 bei jeder Bewegung die passende Kategorie vor, die zur Zahlung passt. Zum Beispiel Haushalt, Rechnungen, Shopping, Geldautomat oder Bars. Die Kategorie kann ich aber auch nach Belieben ändern. So erhalte ich dann eine perfekte Übersicht, wofür ich am meisten Geld ausgebe. Das aufgeräumte Backend und all die Funktionen sind überhaupt etwas, was ich mit dem Begriff “Konto 2.0” bezeichnen würde.

NUMBER26-App(© 2016 CURVED)

Sicherer als jede Brieftasche, einfacher als Bargeld

Überweisungen und Daueraufträge funktionieren sowohl in der App als auch der Webseite wie gewohnt. Nur eben komfortabler. Anders ist nur, dass ich statt dem mittelmäßig sicheren TAN-Verfahren einen Überweisungscode eingebe. Und auch den kann ich mir selbst aussuchen und ebenfalls jederzeit ändern (Es ist auch hier nicht 1234).

Hier merkt man, was Fintechs wie NUMBER26 den Bankgiganten voraus haben. Sie sind deutlich agiler und schneller. Ein Fintech funktioniert nach dem guten, alten KISS-Prinzip : Eine Sache beherrschen, aber die so gut, effizient und einfach wie möglich.

Im täglichen Gebrauch ist das Konto aus Sicherheitsperspektive gesehen vorbildlich. Es schmeißt mich auf dem Smartphone nach ein paar Minuten Inaktivität raus. Und selbst, wenn es mir jemand mopst, kann er keinen großen Schaden anrichten. Zum Überweisen braucht er mein Passwort und meinen Code für die Überweisung. Vom Entsperr-Code meines Smartphones beziehungsweise meines Daumens für den Fingerabdruckscanner abgesehen. Im Grunde also deutlich sicherer als eine Brieftasche. Auch die Webseite loggt mich nach 30 Minuten automatisch aus. Und das egal, ob ich aktiv war oder nicht. Safety first also.

Wer sich jetzt fragt ob das denn alles koscher ist: NUMBER26 arbeitet mit der Wirecard Bank zusammen und agiert entsprechend unter den Regelungen des deutschen Bankenrechts. Somit hält sie von diesem Standpunkt aus gesehen den Vergleich mit anderen Banken stand, was Bonität und Regulierungen angeht. Es ist also keine Spaßbank oder ein Akteur, der in irgendeiner Grauzone agiert. Das kommt einem nämlich gerne mal in den Kopf, wenn man an Fintechs oder Startups denkt.

Fazit: endlich ein zeitgemäßes Girokonto

Würde ich NUMBER26 also uneingeschränkt empfehlen? Auf jeden Fall. Es ist natürlich keine Revolution in der Menschheitsgeschichte, denn wir sprechen hier schließlich von einem Bankkonto. Es macht nur eben alles einfacher, was mit der Kontoführung zu tun hat. Von der Einrichtung, über blitzschnelle Überweisungen bis zu einfachen und schnellen Einstellungen.

Moneybeam ist eine coole Variante um meinen Freunden mal eben ein paar Euro rüber zu schieben und die NFC-Funktion ist genau das, was ich mir zum Bezahlen schon immer gewünscht habe. Kein langes Rumkramen nach passendem Kleingeld, Vergessen des PIN-Codes oder Warten auf die Bestätigung der Zahlung mehr.

Der Vollständigkeit halber sollte ich noch erwähnen, dass die Kontoführung bei NUMBER26 nahezu vollständig kostenlos ist Mit Ausnahme von Bargeld-Einzahlungen über 100 Euro eben. 2016 sollte das eigentlich selbstverständlich sein. Aber vor Allem Filialbanken berechnen noch für viele Dienste extra Gebühren. Das es auch anders und noch mehr geht, zeigt eben NUMBER26.


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