Nur eine Mahlzeit am Tag? Intermittierendes Fasten als Ernährungstrend

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Kann denn so ein Frühstück Sünde sein? Für einige schon.
Kann denn so ein Frühstück Sünde sein? Für einige schon.(© 2018 Unsplash/Katerina Pavlickova)

Schon mal von intuitivem Essen gehört? Nur essen, wenn man wirklich Hunger hat, dafür steht dieser aktuelle "Ernährungstrend". Tatsächlich verlernen wir immer mehr, auf unserem Bauch zu hören. Weil wir permanent naschen und den Blutzuckerspiegel auf Achterbahnfahrt schicken, schwören immer mehr Abnehmwillige auf intermittierendes Fasten. Wir haben einen Teilzeit-Fastler, der seit 15 Jahren nur abends isst, dazu befragt.

Für die einen ist Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages um auf Touren zu kommen, die anderen brauchen lieber abends noch eine gute Portion Energie, um sich nicht in den Schlaf hungern zu müssen. Manche wollen drei Mahlzeiten, andere fünf oder mehr. Meistens essen wir aber nach der Uhr und Appetit statt nach Hungergefühl. Und genau das ist das Problem: Selten bekommt der Körper mal genügend Zeit zum Verdauen. Der Blutzuckerspiegel rauscht hoch und runter. Das ist nicht gesund. Hier setzt das intermittierende Fasten an, also das Essen in einem limitierten Zeitfenster. Okay, um den Beach-Body noch schnell zu erreichen, können sich viele notfalls noch vorstellen, für ein oder zwei Wochen von ein bis zwei Mahlzeiten am Tag zu leben, oder? Aber unser geschätzter Kollege und Gaming-Redakteur Boris Connemann isst seit 15 Jahren nur noch abends. Nicht weil er Vampir ist oder irgendwelche Ernährungstrends befolgt, sondern weil er auf seinen Körper hört. Was der so flüstert, verrät Boris im Interview:

Interview mit Gaming-Redakteur und Teilzeit-Fastler Boris Connemann

Lieber Boris, während andere darüber streiten, ob Frühstücken nun gut ist oder nicht, ob drei Hauptmahlzeiten oder fünf, isst du nur einmal am Tag. Gibt es dann abends ein Drei-Gänge-Menü?
Boris: "Nicht wirklich. Das Abendessen besteht aus einer Mahlzeit, die immer frisch zubereitet wird und – wenn es denn unbedingt sein muss – noch einem kleinen Nachtisch."

Boris Connemann, unser Gaming-Redakteur bei CURVED, hat eines Tages beschlossen, zum Teilzeit-Fastler zu werden(© 2018 CURVED)

Intermittierendes Fasten ist aktuell im Trend. Du praktizierst dieses Ernährungsprinzip aber schon jahrelang. Wie kam es dazu?
Boris: "Die Kantine bei einem damaligen Arbeitgeber war einfach supermies. Und immer in der Stadt zu essen war mir einfach zu teuer. Morgens frühstücken hat noch nie in meinen Lebensrhythmus gepasst und die Zeit zum Brote schmieren fehlte mir auch. Genauso wenig sind belegte Brötchen vom Bäcker eine Option, ich ekele mich einfach vor den vorgeschmierten Brötchen in der Auslage. Bei Essen und Hygiene bin ich etwas eigen. Daher habe ich mir damals, vor 15 Jahren, einfach gesagt: Iss doch lieber abends zu Hause etwas Schönes. Die Umstellung war aber tatsächlich sehr schwer: Mir wurde schwindelig zur Mittagszeit, ich war total unterzuckert, aber es wurde immer leichter. Am Anfang gab es mittags noch einen kleinen Obstsnack, aber irgendwann hatte sich mein Körper total an den Rhythmus gewöhnt."

Und warum hälst du weiterhin daran fest, nur abends zu essen?
Boris: "Ich brauche inzwischen keine weiteren Mahlzeiten mehr – da meldet sich in mir einfach nichts. Zudem tut mir dieser Rhythmus einfach gut. Das merke ich vor allem an den Kollegen, bei denen nach einem üppigen Mittagessen oft so eine Unproduktivität einsetzt. Gewichtsgründe spielten damals wie heute hingegen gar keine Rolle bei der Entscheidung."

Achtest du sehr darauf, was du dann isst oder geht es dir um maximalen Genuss?
Boris: "Es geht mir um den Genuss. Meine Frau und ich wissen meistens schon, was wir abends kochen wollen, und darauf freuen wir uns dann auch den ganzen Tag. Sie isst auch nur abends. Per Skype wird tagsüber schon die Essenplanung für den Abend erledigt. Wir treffen uns dann auch direkt nach der Arbeit immer in der Stadt und kaufen gemeinsam die Zutaten für den Abend frisch ein. Notfalls auch in drei verschiedenen Läden, Bioqualität muss sein. Außer vielleicht mal tiefgekühltes Gemüse für eine Suppe, kommt sonst nichts aus irgendwelchen Tüten oder Packungen ins Haus und  Weißmehl gibt mir auch rein gar nichts mehr."

Wie stellst du sicher, dass du alle lebenswichtigen Nährstoffe mit nur einer Mahlzeit zu dir nimmst und was sagt dein Hausarzt zu deiner Ernährung?
Boris: "Da achte ich nicht drauf. Mein Hausarzt kann keinerlei Mangelerscheinungen feststellen. Jedes Gericht hat immer eine Gemüsebeilage oder Salat dabei und Kohlenhydrate und tierisches Eiweiß. Fleisch essen wir zweimal die Woche, Fisch einmal in der Woche."

Wann öffnet sich dein Essenszeitfenster und wie lange ist das Buffet dann eröffnet?
Boris:
 "Das kommt ein wenig auf die Mahlzeit an. Je länger die Zubereitung benötigt, desto früher müssen wir loslegen. Das Essen wird dann meistens erst zwischen 20:30 und 21:30 serviert, weil wir vorher lieber noch eine Runde auf der Playstation zocken.

Wenn Boris zockt, vergisst er sogar manchmal seine einzige Mahlzeit am Tag: Dann knurrt selbst sein Magen irgendwann.(© 2018 CURVED)

Und wie gestaltet sich deine Ernährung am Wochenende: Gönnst du dir dann ein leckeres Schoko-Croissant zum Frühstück?
Boris: "Am Wochenende gibt es sonntags ein dunkles Brötchen mit Butter und Wurst und dazu zwei 'Eier im Glas'. Die kommen weichgekocht und gepellt in ein Glas mit einem kleinen Stück Butter und Schnittlauch oben drauf. Ich kenne diese Spezialität noch aus meiner Kindheit in München, das war dort in den 80er Jahren total angesagt."

Du hast eine Tochter im Grundschul-Alter: Wie reagiert sie auf deinen Mahlzeiten-Rhythmus?
Boris: "Sie ist natürlich davon ausgenommen und futtert eigentlich den ganzen Tag Kleinigkeiten. Natürlich setze ich mich dann dazu, denn alleine Essen ist gar nicht schön. Wir genießen unser Abendessen auch richtig. Oft beobachte ich, wie Leute unterwegs oder auf der Abend nebenbei irgendetwas in sich hinein stopfen. Sie genießen Essen überhaupt nicht mehr und dann tun sie mir echt ein bisschen leid. Wir freuen uns einfach richtig auf das gemeinsame Dinner und kochen auch super gern für Freunde. Ich esse am Liebsten das, was ich selbst gekocht habe. In einfache Restaurant gehe ich auch nicht so gerne, dann spar ich mir lieber drei, vier solcher Restaurantbesuche und gehe dafür richtig schick und qualitativ hochwertig essen mit meiner Frau und eventuell Freunden."

Machst du denn auch werktags mal eine Ausnahme, wenn ein wichtiges Mittags-Meeting ansteht?
Boris: "Nein, dann trinke ich eben nur eine Apfelschorle und unterhalte die Esser. Ich wundere mich oft, dass meine Ernährungsweise für viele so ungewöhnlich ist, möchte aber auf keinen Fall andere bekehren. Ich habe einfach nur für meinen Organismus herausgefunden, dass ausschließlich abends essen für mich sehr gut funktioniert."

Deine Kollegen können bestätigen, dass du niemals wegen Hungerattacken launisch bist oder wie sie in ein Mittagstief verfällst. Wie kann es sein, dass du nicht vor Hunger umfällst?
Boris: "Ich habe einfach keinen mehr. Aber abends ab 19:00 meldet sich der Magen natürlich hörbar. Aber auch in Ruhe einkaufen ist dann kein Problem: Irgendwann gehen diese ganzen Trigger im Supermarkt an mir vorbei und ich weiß ja genau, was ich brauche und stolpere da in keine Fallen. In einer halben Stunde bin ich mit dem Thema Einkauf durch."

Ohne Bewegungs- und Denkpausen den ganzen Tag durcharbeiten, ist aber auch keine Lösung, oder?
Boris: "Bewegung habe ich durch die kleinen Gespräche vor der Tür oder kurze Besuche im Nebenbüro. Ich bin alles andere als an den Stuhl gepappt. Und ausreichend Wasser und Tee hole ich mir über den Tag verteilt ja auch. Morgens gern auch mal einen Cappuccino."

Kleines Experten-Interview unter CURVED-Kollegen zum Thema Ernährung.(© 2018 CURVED)

Wie wirkt sich dauerhaftes intermittierendes Fasten auf den Stoffwechsel aus?

Am Ende interessiert mich noch, was es konkret in Kalorien ausmacht, wenn man sich statt dreimal am Tag bewusst nur noch einmal täglich satt isst. Schauen wir uns Boris letzten drei Abend-Menüs mal im Detail an:

  • Montag: Gulaschsuppe, 1 Stück Brot und ein kleiner Feldsalat nur mit Olivenöl, Salz und Pfeffer. Nachtisch: Eine Kugel Vanilleeis. Getränke: 1,5 Liter Weizenbier.
  • Dienstag: drei Matjesfilets mit Bratkartoffeln und einem kalten Bohnensalat dazu. Nachtisch: Ein Duplo. Getränk: Drei 0,3 Apfelschorlen, selbst gemixt.
  • Mittwoch: Penne Arrabiata mit einem Stück Brot und dazu einen kleinen, bunten Salat mit Joghurt-Dressing. Nachtisch: Ein Stück Apfelkuchen, Getränk: vier Tassen Kamillentee ohne Zucker.

Boris ist schlank, hat einen Bürojob, macht keinen Sport, geht aber jeden Tag mindestens 8.000 Schritte und steigt 400 Treppenstufen täglich. Gibt man dazu noch Alter, Größe und Gewicht in einen Kalorienrechner wie etwa der Noom-, Yazio- oder MyFitnessPal-App ein, ermittelt der einen täglichen Energiebedarf von circa 2.000 bis 2.200 Kalorien am Tag. Der Durchschnittswert seiner letzten drei Tagesmenüs liegt laut dieser Apps bei maximal 1.400 Kalorien. In den Hungermodus schaltet der Körper erst bei weniger als 800 Kalorien, da steht Boris locker drüber – und ist übrigens nie krank, sondern sprudelt nur so vor Tatendrang, was er mit seinen lebhaften Gaming-Artikeln auf CURVED täglich beweist.

Dennoch isst er deutlich weniger, als sein Körper theoretisch bräuchte – und nimmt trotzdem nicht ab, sondern hält seine schlanke, normalgewichtige Statur. Boris' Stoffwechsel hat sich so daran gewöhnt, dass er erstmal zunehmen würde, sollte er sich doch nochmal dazu entschließen, öfter und damit mehr zu essen. Irgendwann würde sich der Stoffwechsel aber auch wieder umstellen. Darum ist eine langfristige Ernährungsumstellung auch immer nachhaltiger als eine kurze Diät-Phase. Solange man den Vorsätzen zu achtzig Prozent treu bleibt, sind auch 20 Prozent Ausnahmen drin: So wie Boris' Frühstück am Wochenende. Oder die Currywurst und Pommes, die er sich hier in der letzten Mittagspause des alten Jahres dann doch mal gegönnt hat.


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