Nvidias GRID: Das ist die Zukunft des Gamings

Supergeil !7
Grid Games
Grid Games(© 2014 CURVED)

OnLive hat bislang nicht überzeugend abgeliefert, Gaikai muss in Form von PlayStation Now erst noch beweisen, wie alltagstauglich es ist ... Nvidias GRID-Service hat dies derweil gerade getan: Mit dem Firmware-Update auf Android 5.0 Lollipop hat das Shield Tablet den Spiele-Streaming-Dienst in seiner finalen Version erhalten und erlaubt das Zocken von ausgesuchten AAA-PC-Titeln aus der Cloud — wie Netflix, nur eben für Spiele. Und das funktioniert so gut, dass ich ziemlich sicher bin, gerade die Zukunft des Gamings erlebt zu haben ... 

Wohin geht es mit dem Gaming? Seit der Vorstellung der PlayStation 4 und der Xbox One im vergangenen Jahr wird gemunkelt, diese beiden Konsolen seien die letzten ihrer Art — in rund fünf Jahren, wenn turnusmäßig die nächste Generation der PlayStation und der Xbox erscheinen müssten, wird deren Konzept längst überholt sein. Aber wovon?

Ähnlich sieht es bei den PCs aus: In Zeiten, in denen Smartphones und Tablets mobiles Spielvergnügen für die Massen bieten, schwindet die Zahl der Nutzer, die bereit sind, mehrere hundert oder gar tausend Euro in Grafikkarten und hochperformante Gaming-Rigs zu investieren, um aktuelle Spiele in voller Pracht zocken zu können. Auch hier ist eine Ablöse fällig, ein Konzept, das AAA-Spiele auf vielen, im Idealfall mobilen Endgeräten erlaubt, ohne die Notwendigkeit, sich eine Konsole ins Wohnzimmer stellen zu müssen oder den PC alle paar Jahre kostenintensiv aufzurüsten müssen. Wie könnte diese Ablöse aussehen?

Cloud Gaming: Zukünftiger Heilsbringer für Gamer?

Cloud Gaming schwirrt seit einigen Jahren als potenzieller Heilsbringer für Spieler und die Spiele-Industrie durch die Branche — allein war das Konzept bislang weit davon entfernt, alltagstauglich zu sein und echtes High-End-Gaming befriedigend auf Endgeräte im heimischen Wohnzimmer zu streamen.  Es lässt tief blicken, dass nun ausgerechnet Nvidia, Marktführer im Bereich der Gaming-Grafikkarten für PCs, die bislang beeindruckendste und viel versprechendste Antwort auf diese Fragen liefert: Das Shield Tablet und seit ein paar Tagen der darauf nutzbare GRID-Service. Ein Unternehmen, das sich sein Sporen damit verdient hat, sehr performante, teilweise wahnwitzig leistungsfähige und teure Grafikkarten zu bauen, hat nun einen Dienst entwickelt, der auf lange Sicht diesem Markt das Wasser abgraben soll.

Ich habe in der Vergangenheit hier und andernorts darüber geschrieben, wie schwierig es für Unternehmen sein kann, ihr noch gut funktionierendes Geschäftsmodell, ihre Produktpalette oder ihr gesamtes Konzept im Angesicht zukünftiger Entwicklungen über den Haufen zu werfen. Samsung beispielsweise ist ein Konzern, der einen vorsichtigen Neuanfang wagt, auch Microsoft hat sich recht erfolgreich neu erfunden. Nvidia tut dies nun auch — und zwar mit einer Weitsicht, die fast schon beängstigend ist.

Nvidia-CEO Jen-Hsun Huang bei der Vorstellung des K1-SoCs

Noch vor ein, zwei Jahren sah es eher so aus, als hätten die Kalifornier im Mobile-Sektor mit ihren Tegra-Prozessoren den Anschluss verloren und könnten gegen Qualcomm nicht mehr viel zu Felde bringen. Dieser Tage dominiert der Snapdragon-Chipsatz in all seinen Variationen zwar quantitativ das Android-Lager, aber wenigstens in Sachen Rechenleistung und vor allem Grafikpower hat Nvidia mit dem K1 gezeigt, wo der Hammer hängt — und immerhin Google und HTC davon überzeugen können, diesen Chip im aktuellen Flaggschiff-Tablet Nexus 9 zu verbauen. Nicht schlecht für einen Totgesagten (nur nebenbei sei an dieser Stelle auch noch angemerkt, dass sich die Kalifornier auch im Automotive-Sektor und der dort gerade stattfindenden Vernetzungs-Revolution bereits ausgezeichnet positioniert haben).

Nvidias Auferstehung im Mobile-Sektor

Aber mehr noch, Nvidia hat seine mobilen Krisenzeiten genutzt, um sich ein stimmiges Konzept für seine Auferstehung auf Tablets und Smartphones zu überlegen. Mit dem ersten Shield und dem Tegra Note 7 deuteten die Grafikspezialisten an, wohin die neue Reise gehen soll, schon mit dem kurz danach veröffentlichten Shield Tablet waren sie an ihrem Ziel angekommen: Der 8 Zoller ist das ultimative Gaming-Tablet im Android-Bereich, es vereint alle Vorteile eines kleinen 16:9-Gerätes (Mobilität, micro SD-Kartenslot, Stereo-Frontlautsprecher, Stylus, Robustheit, Mini-HDMI-Ausgang, 1080p-Display) mit der immensen Gaming-Power des Tegra K1, immer zahlreicher werdenden Extras für Spieler (dediziertes WLAN-Gamepad mit Touchpad,Kopfhörer-Anschluss und Mikrofon, Konsolen-Modus, speziell portierten PC-Titeln, Twitch- und Screencast-Funktion) — und jetzt eben auch noch GRID.

Nvidias Shield Tablet mit zugehörigem, optionalen WLAN-Gamepad

Während eines Termins mit zwei hochrangigen Nvidia-Mitarbeitern am Rande der IFA 2014 berichteten diese mir von den Plänen des Unternehmens für die Zukunft und davon, wie Nvidia sich in Sachen Mobile positionieren möchte. Dass man nicht einfach mehr nur potente Chips bauen wolle, sondern für Spieler ein ganzheitliches, stimmiges und befriedigendes mobiles Erlebnis schaffen wollte; quasi eine Spielwelt, auf die der Nutzer von seinem (Shield) Tablet, später auch vom Laptop oder vielleicht sogar vom Chromebook und der TV-Box aus jederzeit Zugriff habe — unterwegs auf dem kleinen Display, zuhause auf dem großen TV, mit Gamepad oder per Touch. Und dann auf Android-Spiele, speziell portierte PC-Titel, vom heimischen Rechner gestreamte Spiele oder eben AAA-Games aus der Cloud. Und als ich "aus der Cloud" hörte, dachte ich mir damals: Das kann ja nichts werden. Und das dachte ich auch weiterhin — bis ich Anfang der Woche dann GRID auf dem Shield Tablet vorfand und ausprobieren konnte.

GRID: Wie Netflix, nur für Spiele

"It just works" möchte man ausrufen; oder Nvidia wenigstens attestieren, dass die von ihnen gewählte Umschreibung "Netflix for games" nicht übertrieben ist. Klar, im Moment ist das Produkt weder technisch noch konzeptionell ausgereift und leidet an Kinderkrankheiten. Es fehlen Preismodelle, es fehlt vielerorts — vor allem bei uns in Neuland — eine ausreichende stabile, schnelle und vor allem für alle Interessenten zugängliche Netzstruktur, die das verzögerungsfreie Streamen solcher Datenmassen erst möglich macht. Und da GRID noch in den Kinderschuhen steckt, fehlen derzeit auch die ganz aktuellen Top-Titel vom Schlage eines Shadow of Mordor, Advanced Warfare oder Far Cry 4. Bis diese Mankos behoben sind, wird noch etwas Zeit vergehen. Vor gar nicht mal so vielen Jahren noch aber hätten viele von uns die Idee des On-Demand-Video-Streaming à la Watchever oder Netflix auch als cool, aber nicht so wirklich massentauglich beurteilt ...

Nvidia ist ein Player, der sowohl das technische Potenzial als auch das nötige Gewicht in der Branche hat — anders als beispielsweise seinerzeit OnLive mit seiner eher turbulenten Unternehmenshistorie  —, um so ein Konzept erfolgreich aufzuziehen. In Anbetracht der Tatsache, dass GRID derzeit eigentlich ja noch in so etwas wie einem offenen Beta-Stadium steckt, ist das Ergebnis schon mehr als überzeugend. Ich bin sicher, dass ich dieser Tage die Zukunft des Gaming ausprobieren durfte. Denn war bislang zwar durchaus absehbar, dass Smartphones und Tablets auch im Bereich der Spiele die Zukunft sein könnten, hier aber vollem hinsichtlich des Casual Gaming respektive spezieller Portierungen grafisch weniger anspruchsvoller Titel, blieb die Frage nach mobilem AAA-Gaming weitestgehend offen. GRID malt nun deutlich an die Wand, wie der Spagat zwischen hardwarefordernden Spielen und kompakter, mobiler Hardware gelingen kann.


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