Office auf dem iPad: Microsoft, du kommst zu spät!

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Nur wenige Office-Nutzer würden mit dem iPad drucken wollen, behauptet Microsoft
Nur wenige Office-Nutzer würden mit dem iPad drucken wollen, behauptet Microsoft(© 2014 Microsoft, CURVED Montage)

Kommt es nun oder kommt es nicht? Seit dem ersten iPad spekuliert die Branche darüber, dass Microsoft seine Office-Suite auf das Tablet bringt. Jetzt scheint es soweit - und ist doch viel zu spät.

Jetzt also doch: ZDNet will von Insidern erfahren haben, dass es doch kommt. Microsoft Office. Aufs iPad. Vier Jahre nach der Einführung des Apple-Tablets. Hatte der Redmonder Softwareriese lange Zeit solche Pläne dementiert, soll nun unter dem Projektnamen “Miramar” eine iOS-Version in Arbeit sein - sogar vor einer aktualisierten Version für Windows 8. Noch in der ersten Jahreshälfte könnte eine iPad-Office-Suite in den Handel kommen, zuletzt war noch vom Herbst die Rede.

Warum so spät, Microsoft?

Ende des vergangenen Jahres soll die Entscheidung dann endlich gefallen sein. Damit zieht Microsoft die Konsequenzen aus der eigenen Tablet-Schlappe. Der Launch der Surface-Tablets floppte kolossal. iPad-Killer sollten die Surface-Modelle sein. Doch in Redmond hatte man die Zeichen der Zeit wieder einmal zu spät erkannt. Nachdem der Konzern mit großanlegten Werbekampagnen für seine Windows-Phone Millionen verbrannte, konnte Microsoft auch mit seinen Windows-Tablets keinen Erfolg landen.

Stolze 900 Millionen Dollar musste das Unternehmen im Juli 2013 für unverkaufte Tablets abschreiben. Fast eine Milliarde Dollar verbrannt! Damit hat Microsoft sein Ziel mehr als verfehlt. Und das, obwohl man sein Betriebssystem Windows 8 für die Touch-Bedienung optimiert hatte. Doch der Fehler lag nicht primär im Betriebssystem, sondern in Microsofts unübersichtlicher Geräte-Strategie: Zuerst launchte der Windows-Konzern das Surface RT, ein Tablet mit wenig Leistung, einem abgewandelten Windows RT und einem viel zu kleinen App Store. Das schnellere Modell mit "echtem" Windows kam erst Monate später. Wer also eines der ersten RTs ergatterte, bekam ein Windows-Gerät ohne Windows.

Kein Erfolg auf dem Tablet-Markt

Während Microsoft sich also erfolglos im Mobile-Markt versuchte, warteten iPad-Nutzer vergeblich auf eine Office-Suite für ihr Tablet. Wie so oft, wollte Microsoft einen Markt selbst erschaffen anstatt in bestehende Ökosysteme zu investieren. Nach dem gefloppten MP3-Player Zune und der Pleite mit den Windows Phones war es die dritte veritable Niederlage gegen Apple. Hier ist mit rund 150 Millionen registrierten iOS-Geräten ein Riesenpotenzial vorhanden - und klafft zugleich eine Riesenlücke. Denn obwohl Apples Office-Suite aus Pages, Numbers und Keynote auch für iOS erhältlich ist, ist Microsoft Office weiterhin ungeschlagen die Nummer eins im Desktop-Segment. Die Konsequenz: Wer hier im Job zwischen Rechner und Tablet switchen möchte, stößt schnell an seine Grenzen. Unterschiedliche Dateiformate werden nicht verstanden, Schriften nicht erkannt. Wer plattformübergreifend Office-Arbeit erledigen will, dem bleibt eigentlich nur noch Google Drive - allerdings lässt der Funktionsumfang zu wünschen übrig.

Lediglich fürs iPhone ist ein Office-Ableger im vergangenen Jahr erschienen: kostenlos und nur für zahlende Office-365-Kunden vernünftig nutzbar. Neben der Bearbeitung von Inhalten beherrscht die App ein Feature namens “Resume Reading”. Darüber könnt Ihr an die Stelle im Dokument springen, die Ihr kurz zuvor am Rechner bearbeitet habt. Die einzelnen Dateitypen sind für die Betrachtung auf kleineren Displays optimiert. Über das Tool lassen sich sogar Powerpoint-Präsentation per Wischgesten steuern.

Apple verkauft mehr Macs als alle PC-Hersteller

Eine iPad-Variante der App blieb bislang aus. Dabei sollte Microsoft sich sputen: Denn noch gehört die Office-Suite auf Windows-Rechnern zum Standard. Aber die Aussichten im PC-Segment sind alles andere als rosig. Im vergangenen Weihnachtsquartal hat Apple mehr Rechner verkauft als die gesamte PC-Sparte zusammen. Das ist das erste Mal in der Geschichte der PC-Verkäufe. Gleichzeit holt bei den Notebooks Google mit seinen Chromebooks gehörig auf.

Wie Macrumors errechnet hat, verdiente Apple pro verkauftem Gerät 584 Dollar. Die PC-Hersteller verdienten pro verkauftem Rechner mit Windows hingegen nur 544,30 Dollar. Damit setzt Apple nicht nur mehr Geräte ab, sondern macht damit auch mehr Umsatz.

Office für iOS als Weg aus der Krise?

Daran trägt Microsoft auch eine gehörige Mitschuld. Denn obwohl Kritiker die Bemühung des Konzerns beim neuen Windows 8 lobten, war das Design offenbar doch an den Nutzungsgewohheiten vorbeigedacht.  Der Kachel-Look war ein wohl kalkulierter Bruch mit früheren Windows-Versionen. Kein Start-Button, kein normaler Desktop, keine Programmleiste. Dafür führte der frühere Microsoft-CEO Steve Ballmer die Kacheloptik ein, die vor allem auf Geräten mit Touchbedienung Vorteile in Sachen Usability bringen sollte. Nur ein halbes Jahr später zog Microsoft dann die Reißleine. Im Juni vergangenen Jahres erklärte man, dass eine neues Betriebssystem die  Schlüsselaspekte der Software verändern soll. Dazu zählt offenbar auch die Rückkehr des Start-Buttons, den viele von Euch offenbar schmerzlich vermisst hatten in Windows 8. Das spiegelte sich auch in den Verkäufen wieder. Nach rund 40 Millionen Kopien im ersten Monat ebbte das Kaufinteresse rapide ab.

Office ist neben Windows Microsofts wichtigstes Pferd im Stall. Warum Microsoft nicht die Masse an iPads nutzt, um die Apple-Geräte auch zu Windows-Rechnern zu machen, weiß wohl nur das Management in Redmond. Denn tatsächlich hat Microsoft seine Office-Suite im Laufe der Jahre sukzessive verbessert. Mit Office 365 ist das Software-Paket endgültig in der Cloud angekommen und synchronisiert Inhalte zwischen unterschiedlichen Geräten. Hier hat Apple noch Nachholbedarf. Zwar ist iWork für iCloud mittlerweile auch in der Datenwolke aktiv, allerdings klagen Nutzer über Fehler und Verzögerungen bei der Synchronisation von Dateien auf mehreren Geräten. Die Apple-Foren sind voll von Einträgen, in denen Nutzer über Problem zwischen iCloud und Pages klagen.

Umstieg aufs iPad ist schwieriger als gedacht

Microsofts Manager-Riege weiß um diese Probleme in der Apple-Gemeinde und scheint offenbar geneigt, eine Office fürs iPad noch vor einer aktualisierten Version für Windows 8 herauszubringen. Gut möglich, dass der Konzern aber nicht auf eine kostenpflichtige Variante für iOS setzt, sondern die bestehende iPhone-Variante auch für das iPad verfügbar macht. Dadurch würde sich Microsoft auch die Schmach sparen, Tantiemen für App-Käufe an Apple zu zahlen. Die Bezahlmodalitäten könnte Microsoft dann beim Abschluss eines Office-365-Abos lösen und für den mobilen Zugriff mehr Geld verlangen.

Doch der Weg zum Erfolg auf dem iPad dürfte für Microsoft recht steinig werden. Allen voran das Schriftenproblem lässt sich in Verbindung mit iOS nicht in den Griff kriegen. Derzeit gibt es keine gangbare Lösung, wie ein Dokument mit Windows-Schriftarten problemlos auf einem iPad angezeigt werden können. Die Lösung wäre ein Schriften-Paket für iOS, das allerdings noch in weiter Ferne scheint. Und selbst wenn diese Hürde genommen wäre, wäre die Anpassung von Microsofts Datei-Struktur an die von iOS die nächste Mammutaufgabe. Wer einmal eine Excel-Tabelle mit vielen Verknüpfungen und Formeln erstellt hat, kennt das Problem. Hier haben wir es mit komplexen Dateien zu tun, die bei falscher Behandlung schnell unbrauchbar sein könnten.

Kurzum: Selbst wenn Microsoft nun den Schritt aufs iPad wagt, so kommt dieser Schritt doch Jahre zu spät. Auch wenn der Bedarf da ist, dürften Microsofts Ingenieure ohne die Unterstützung Apple die Probleme bis zum Sommer kaum in den Griff bekommen. Anfang der Neunziger gingen Redmond und Cupertino einen Kompromiss ein und nutzten Adobes TrueType-Schriften. Ein ähnlicher Kompromiss für Office auf dem iPad ist aber recht unrealistisch - zumal Adobe und Apple seit dem Ausschluss von Flash auf  allen iOS-Geräten wahrlich keine Freunde mehr sind.


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