Office für iPad: Microsofts alternativlose Apple-Wette

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Strategiewechsel: Konzernchef Satya Nadella bietet  Microsofts Cow Office jetzt auch über Apples App Store an
Strategiewechsel: Konzernchef Satya Nadella bietet Microsofts Cow Office jetzt auch über Apples App Store an(© 2014 CC: Flickr/LeWeb13)

Umdenken in Redmond: Seit heute ist die lang erwartete iPad-App von Microsofts Bürosoftware erhältlich. Die Trendwende folgt dem Paradigmenwechsel: Die jahrzehntelange Lebensversicherung Windows verliert rasant an Bedeutung, während die heutige Cash Cow Office weiter von ihrer Desktop-Verbreitung lebt. Im Post PC-Zeitalter jedoch muss sich Microsoft den Spielregeln der neuen Platzhirsche Apple und Google anpassen – mit ungewissem Ausgang…

Der iPad-Launch kommt für Microsoft zu einem kritischen Zeitpunkt. Obwohl sich das Kerngeschäft weiter bemerkenswert robust hält und Microsoft im vergangenen Geschäftsjahr nochmals eine Rekordbilanz verkünden konnte, entwickeln sich die Nutzergewohnheiten auffällig gegen den einst wertvollsten Konzern der Welt.

Der Paradigmenwechsel ist unverkennbar: Der Trend zum Tablet geht eindeutig auf Kosten der klassischen Computerbranche. Problem Nummer eins für Microsoft: Die monopolartigen Zeiten, in denen Windows auf über 90 Prozent aller PCs verbreitet war, sind lange, lange vorbei. Tatsächlich kommt Windows heute nur noch auf 20 Prozent aller Geräte (inkl. Tablets und Smartphones) zum Einsatz.

Office für iPad: Kannibalisierung des Surface

Noch bemerkenswerter: Im vergangenen Quartal wurden erstmals mehr Apple-Geräte (Macs, iPads und iPhones zusammen) verkauft als Windows-fähige Computer! Entsprechend befindet sich die Windows Sparte – über Jahrzehnte Cash Cow #1 für Microsoft – seit drei Jahren im  Abschwung. 

Problem Nummer zwei für Microsoft:  Die Tablet-Antwort Surface ist keine Konkurrenz zum iPad. Entsprechend musste der nach Apple und Google immer noch drittwertvollste Konzern der Welt nun mit seinem Office-Vorstoß fürs iPad handeln. Allerdings geht der neue Vorstandschef Satya Nadella ein hohes Risiko, denn er kannibalisiert damit in gewisser Weise auch sein eigenes Hardware-Produkt – die Argumente für das Surface sind seit heute eher nicht besser geworden.

Office-Geschäft verlagert sich Richtung Tablet…

Auch softwareseitig ist das Fortschreiben der Erfolgsstory Office kein Selbstläufer. Mit Umsätzen von fast 25 Milliarden Dollar ist die Business Division, wie die Office-Sparte bei Microsoft intern heißt, inzwischen die wichtigste Konzern-Unit. „Die Zukunft von Office sieht aber ziemlich dunkel aus“, findet etwa Wagnisfinanzierer Keith Rabois. „Die einzigen, die heute noch Office kaufen, sind Laptop-Nutzer“, meint Rabois beobachtet zu haben „und das ist eine sterbende Spezies.“ 

Das App-Angebot auf dem iPad, zumal gebunden an das Abonnement-Modell von stattlichen 90 Euro pro Jahr, ist eine sportliche Wette, die für den neuen Microsoft-CEO aufgehen muss, wenn er die mutmaßlich nachgebenden Office-Erlöse aus dem Desktop-Geschäft kompensieren will.

…mit offenem Ausgang

Bleibt allerdings die Frage: Wer zahlt die 90 Euro, die pro Jahr, nicht einmalig, berappt werden müssen, wenn es halbwegs vergleichbare Office-Angebote wie Google Docs kostenlos oder praktisch gleichwertige Alternativen wie Apples iWork für deutlich kleineres Geld gibt? 

Die Bindung an das Online-Abonnement-Modell kann nur der erste Schritt in eine Zukunft sein, in der sich Microsoft plötzlich in einer unbekannten Rolle wiederfindet: in der Abhängigkeit von Apple oder, sofern auch in Zukunft als Android-App erhältlich, von Google. Wie sich die Zeiten ändern…


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