Porträtmodus im iPhone 7 Plus angetestet: So gut funktioniert er schon

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Schön unscharf: Aufnahme mit dem iPhone 7 Plus im Porträtmodus
Schön unscharf: Aufnahme mit dem iPhone 7 Plus im Porträtmodus(© 2016 CURVED)

Das ging schneller als erwartet: Knapp eine Woche nach dem Rollout von iOS 10 bringt Apple die Beta von iOS 10.0.1 für Entwickler mit dem vieldiskutierten Porträt- bzw. Bokeh-Modus für das iPhone 7 Plus mit. Wir haben ihn schon mal ausprobiert und zeigen Euch erste Fotos.

So viel vorab: Der neue Modus funktioniert schon sehr gut. Auswahlen lässt er sich künftig direkt in der Foto-App. Zu Begin gibt es aktuell noch den Hinweis, dass es sich um eine Beta handelt. Nicht der einzige Hinweis, den die Software liefert. So heißt es unten im Vorschaubild, dass etwa das Objekt maximal 2,40 Meter entfernt sein soll. Ferner zeigt Euch die Software an, ob der "Tiefeneffekt" aktiv ist oder nicht. Das ist eine sinnvoller Hinweis, allerdings sieht man auch relativ gut in der Vorschau, ob der Effekt in Benutzung ist oder nicht.

In diesem ersten, kurzen Check des neuen Kamerafeatures ging es mir zunächst einmal darum, mit dem neuen Effekt ein wenig herzumzuspielen. Und was soll ich sagen: Das macht verdammt viel Spaß und ist genau das, was ich mir an Mehrwert von der Dualkamera im iPhone 7 Plus versprochen habe. Denn das Gerät nimmt mir maximal viel Arbeit ab beim Erstellen der Bilder und erkannte meist automatisch, was im Bild scharf sein soll und was nicht.

Gute Bilder auch bei wenig Licht

Im Folgenden seht Ihr immer drei Bilder pro Motiv: das Tiefenschärfe-Foto, dieselbe Aufnahme ohne Tiefenschärfe (die iOS aktuell noch mitabspeichert) und die Aufnahme vom selben Standpunkt mit dem normalen Fotomodus.

Dabei fällt zunächst einmal auf, dass das iPhone 7 Plus optisch in das Bild zoomt, während das Motiv im normalen Fotomodus weitwinkliger ist. Auch wenn das natürlich selbstverständlich ist, gilt es das künftig bei der Bildgestaltung zu beachten.

Große Qualitätsunterschiede bei Aufnahmen im Freien oder bei Kunstlicht im Studio konnte ich auf den ersten Blick nicht ausmachen. Recht beeindruckt bin ich vom aus der Hüfte geschossenen Porträt von Marco. Nicht nur, weil Marco auf dem Bild zu sehen ist, sondern weil die Lichtverhältnisse im Redaktionsbüro nicht gerade prall sind. Dass die Software daraus ein so gelungenes Bild zaubert, überrascht mich dann doch.

Marco bei der Arbeit: aufgenommen mit dem iPhone 7 Plus(© 2016 CURVED)

Die Tiefenschärfe entsteht mit Hilfe der Kameras, aber vor allem auf dem Chip

Und damit sind wir schon beim Thema: Die Tiefenschärfe erzeugt das iPhone 7 Plus vor allem über Software bzw. Rechenarbeit auf dem neuen A10-Chipsatz. Sie nutzt die Informationen über die Entfernung der Objekte im Bild sowie die Tiefenschärfe beider Objektive und errechnet daraus das Bild. Wie das genau funktioniert, verrät Apple nicht. Dass der Effekt vor allem über Software erzielt wird, sollte nicht verwundern. Denn für die optische Erzeugung eines solchen Bokeh-Effekts ist physikalisch betrachtet einfach zu wenig Platz in einem Smartphone-Gehäuse. Weil wir so häufig darüber schreiben: Ein Bokeh meint einen stilistischen Unschärfebereich in einem Foto bzw. dessen Qualität. Das menschliche Auge sieht diese Unschärfe nicht bzw. anders. Sie sind also quasi Erfindungen des Objektivs - oder in diesem Fall der Software. Denn während bei großen Profikameras das Aussehen und die Qualität eines Bokehs von sehr vielen Faktoren abhängt, handelt es sich bei der Smartphone-Fotografie vor allem um eine Frage des Softwarequalität. Stichtwort: Computational Photography. Der HDR-Modus in Eurer Foto-App ist auch eine Errungenschaft modernder Fotografie, bei der Algorithmen zunehmend die Bildqualität beeinflussen bzw. bestimmen.

Was das iPhone 7 Plus also in Zusammenarbeit mit den beiden Objektiven und dem schnellen Chipsatz macht, ist Euch in wenigen Millisekunden ein Bild zu präsentieren, das Ihr derart in weiteren Arbeitsschritten mit einer weiteren App oder nach dem Import der Bilder am Computer erledigen müsstet.

Zudem sei noch erwähnt, dass das iPhone 7 Plus nicht das erste Smartphone ist, dass ein derartiges Feature mitbringt. Android-Nutzer denken hier bestimmt an das Huawei P9, bei dem nachträgliches Fokussieren möglich war. Damit orientierten sich die Chinesen eher an der Lichtfeldfotografie als an traditionellen DSLR-Aufnahmen.

Vorläufiges Fazit

Es sei nochmal erwähnt: Das Feature ist noch Beta. Und dennoch scheint es schon relativ ausgereift zu sein. Das iPhone stürzte während der Aufnahme nicht ab. Nach einer halbe Stunde Bokeh-Fotografie lief es auch nicht heiß. Die Qualität hat mich überrascht. Denn Apple ist schließlich nicht der erste Smartphone-Hersteller, der sich an der Imitation von Aufnahmen mit teuren, großen Profikameras versucht. Doch scheinbar haben die spekulierten 800 Mitarbeiter in Cupertino, die allein für die iPhone-Kamera zuständig sein sollen, gute Arbeit geleistet. Hier und da sind Kanten von Objekten noch verwaschen, doch insgesamt wirkt die Unschärfe in den Bildern nicht überzeichnet.

So ersetzt der Portätmodus nicht den regulären Fotomodus, sondern eröffnet neue Möglichkeiten - so wie es der Panoramamodus schon seit einigen Jahren. Der neue Look bietet sich nicht immer an, aber macht in ausgewählten Situation ordentlich was her.

Die Testbilder haben wir für Interessierte unbearbeitet in voller Größe ins Google Drive geladen.


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