Post-Messenger SIMSme im Check: Vieles richtig gemacht

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SIMSme 5
SIMSme 5(© 2014 CURVED)

Die Post, die Deutsche Post, bringt einen Messenger. Der trägt den furchtbaren Namen "SIMSme". Simsen? Wie Neunziger ist das denn, bitteschön? Eine Messenger, von denen es neben WhatsApp, dem Facebook Messenger und den vielen Konkurrenten doch schon Dutzende gibt, die allesamt fast dasselbe können.

Genau das waren meine Gedanken. Ein Witz schoss mir auch gleich durch den Kopf: Kommen die Nachrichten dann auch mit Verspätung an? Und muss ich Porto zahlen? Genug gespaßt: SIMSme macht Potenzial haben, um sich darüber lustig zu machen. Vor allem aber hat die App Potenzial, ein guten Messenger zu sein.

Das Sicherheitskonzept ist gelungen

Ganz recht: SIMSme ist gelungen. Wohl kaum im optischen Sinne. Denn der Messenger schaut recht grauselig aus. Die App hat weder etwas mit cleanen Look von iOS 7, noch mit dem angekündigten Material Design von Android gemeinsam. Schön ist SIMSme nicht. Was die Deutsche Post allerdings gelungen ausspielt, das ist die Sicherheitskarte.

Denn der Messenger ist end-to-end-verschlüsselt. Das heißt, nur der Sender und der Empfänger einer Nachricht können die Kommunikation einsehen. Das kann Threema zwar auch, kostet aber dafür auch. SIMSme hingegen ist kostenlos. Ein nettes Feature, das mir auf Anhieb gefällt, ist die Eingabe eines Passwortes beim Starten der App. Ja, das mag mitunter trivial sein. Aber ist auch recht praktisch. So könnt Ihr Euer Smartphone ruhig aus der Hand geben, ohne Angst zu haben, dass jemand durch Eure Chats liest.

Ein wenig Snapchat-Slingshot-Feeling lässt dann so richtig die Post abgehen - sorry, aber das musste sein: Wer ganz sensible Nachrichten verschicken möchte, kann zusätzlich SIMSme für 0,89 Euro mit einer Selbstzerstörungsfunktion für diese Daten ausstatten. Diese kann dann bei Bedarf für alle Nachrichten angewendet werden und stellt ein Mehr an Sicherheit für diejenigen Nutzer dar, die ihre Daten und Bilder nicht dauerhaft im Netz sehen möchten. Allerdings warnt die App nach der Installation auch, dass Eure Kontakte durchaus Screenshots von pikanten Bildern erstellen könnten. Wie so oft gilt: Die größte Gefahr sitzt weiterhin vor dem Bildschirm.

Kleine Probleme unter Android

Ein Tipp: Wer keine 89 Cent ausgeben will, der kann als einer von einer Millionen Early Birds den Gutschein-Code "1Mio" in den Einstellungen der iOS-App unter "Käufe und Gutscheine" eingeben und bekommt  das Feature geschenkt. Unter Android funktioniert es anders: Hier wird mit der Registrierung unter der ersten Million Nutzer über die Eingabe des vierstelligen Code per SMS die Selbstzerstörungsfunktion freigeschaltet (Danke an TomTom! für den Tipp). Die Post ist sich offenbar zweifelsohne bewusst, dass sie den Nutzern etwas bieten muss, um gegen WhatsApp überhaupt eine Chance zu haben.

Die Umsetzung ist gelungen: Im Chat lässt klickt Ihr entweder rechts neben Eurem Text auf die Sprechblase, um die Nachricht ohne Zeitlimit zu verschicken, oder auf die Bombe links neben dem Eingabefeld, um die Selbstzerstörung zu aktivieren. Bislang lassen sich allerdings nur Bilder, Videos, Standorte und Kontakte versenden. Wer auch Sprachnachrichten verschicken will, der muss auf WhatsApp oder den Facebook Messenger zurückgreifen.

Verfügbar ist SIMSme für iOS und Android. Während die Installation und Registrierung - die wie bei jedem Messenger über die Telefonnummer läuft - bei mir auf einem iPhone 5s extrem schnell und reibungslos ablief, klagte Kollege Amir über Aussetzer.

Was ebenfalls vorbildlich ist, ist der Umgang mit den Nutzerdaten - genauer: die Transparenz beim Umgang mit den Nutzerdaten. In einer Pressemitteilung heißt es: "Während andere Messenger-Dienste sich in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Zustimmung der Kunden geben lassen, dass alle Inhalte, auch Bilder, ohne Einschränkung und in allen Medienformaten und über alle Kanäle weiterverbreitet werden können, behält der Nutzer bei SIMSme seine Rechte."

Den Mund zu voll genommen?

Das stimmt nur zu Teilen. Zwar ist bei etlichen Messenger die Verwendung von Nutzerdaten eine Grauzone. Doch nicht immer bedeutet eine nach deutschen Maßstäben schwammig formulierte AGB auch, dass mit Euren Daten Schindluder getrieben wird - so wie im Fall der falschen Kritik an den AGBs von WhatsApp. Dafür sind die Datenschutzbestimmungen jederzeit in den Einstellungen von SIMSme einsehbar. Da haben die Macher aufmerksam die Debatte verfolgt und sich an den Wünschen der Nutzer orientiert. Bravo!

Allerdings lässt sich dort Folgendes lesen unter dem Punk "Nutzung und Weitergabe der personenbezogenen Daten": "

Nur dann, wenn Sie uns zuvor Ihre Einwilligung erteilt haben bzw. wenn Sie - soweit gesetzliche Regelungen dies vorsehen - keinen Widerspruch eingelegt haben,  nutzen wir diese Daten auch für produktbezogene Umfragen und Marketingzwecke. Eine Weitergabe, Verkauf und sonstige Übermittlung Ihrer personenbezogenen Daten an Dritte erfolgt nicht."

Soso, wenn ich zustimme oder keinen Widerspruch einlege? Da bin ich mal gespannt, wie das in der Praxis aussieht... Tatsächlich verspielt SIMSme auf diese Weise gleich zum Start seine Glaubwürdigkeit. Wird in der Pressemitteilung noch indirekt gegen die US-Konkurrenz gewettert und damit ein Gefühl à la "Deutsche, nutzt deutsche Messenger", macht es der Post-Messenger auf den zweiten Blick nicht besser. Das erinnert stark an die "E-Mail -  Made in Germany"-Kampagne von GMX und Co., die sich als Nebelkerze entpuppte.

Transparenter Hintergrund - wie genial!

Eine Funktion ist dann doch zu cool, um sie hier nicht zu nennen: Stellt einmal den Einstellungen "Transparenter Hintergrund" ein. Dann zeigt Euch die App beim Chatten das Kamerabild an. So könnten zumindest bei notorischen Aufs-Display-Schauern künftig Unfälle in freier Wildbahn vermieden werden. Allerdings geht das auch zu Lasten des Akkus.

Fassen wir zusammen:  SIMSme ist ein kostenloser Messenger mit End-to-end-Verschlüsselung, Passworteingabe und optionaler Selbstzerstörung von sensiblen Nachrichten, der sich vorbildlich bei der Kommunikation in Sachen Datenschutz gibt - allerdings die Weiterverwertung in seinen Bestimmungen nicht vollständig ausschließt. Nur beim Design müssen die Macher dringend nachbessern. Bleibt die Frage? Welche Chancen hat SIMSme? Ganz ehrlich: So gut wie keine. Denn selbst die enorme Empörungswelle nach dem WhatsApp-Kauf durch Facebook und anschließende Server-Ausfälle hat gezeigt, dass zwar einige Nutzer bereit sind, auch einmal die Alternativen auszutesten. Doch selbst Monate danach kommen Telegram, Threema und Co. nicht übers Nischenangebot hinaus. Während sie zwar Millionen vernetzen, kommuniziert über WhatsApp weit über eine halbe Milliarde. WhatsApp ist nicht mehr nur ein Messenger, der die SMS gekillt hat, sondern längst zur Infrastruktur unserer mobilen Kommunikation geworden.

Insofern drücke ich der Deutschen Post zwar beide Daumen, wünsche ich mir aber gleichzeitig die vier praktischen Features - End-to-end-Verschlüsselung, Passwort-Eingabe, Selbstzerstörungs-Modus und transparenter Hintergrund - für den grünen Messenger.

Update vom 14.08, 10.03 Uhr: Auf Google+ mehren sich die Kommentare, dass Nutzer vor allem unter Android enorme Probleme bei der Registrierung ihrer Telefonnummer haben.


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