Probleme mit Partnern und verägerte Unterstützer: Was wird aus dem Smach Z?

So sah der Smach Z Prototyp auf der Gamescom 2016 aus
So sah der Smach Z Prototyp auf der Gamescom 2016 aus(© 2016 CURVED)

Es sollte das neue Ding unter den Handheld-Konsolen werden: der Smach Z, mit dem wir unterwegs PC-Spiele wie "GTA 5" zocken können. Doch das erfolgreiche Kickstarter-Projekt hat starke Probleme, bricht seine Versprechen und verschiebt den Release immer weiter. Die Unterstützer sind verärgert.

Dass sich neue Projekte verspäten können, passiert häufiger. Doch wenn sich die Verantwortlichen fast ein Jahr nach erfolgreicher Finanzierung von einem Partner trennt und verkündet, neu anfangen zu müssen, sorgt das für wenig Verständnis. So passiert das gerade beim Smach Z.

Ein Handheld für PC-Spiele

Der Smach Z ging mit großen Versprechen in seine zweite Kickstarter-Kampagne (die erste scheiterte, weil das Team zu wenige Informationen veröffentlichte und keinen Prototyp vorweisen konnte). Allein die technische Ausstattung stellt die anderen Konsolen für unterwegs in den Schatten:

  • Bildschirm: 1920 × 1080 Pixel, 6 Zoll
  • Prozessor: Quad Core AMD Merlin Falcon RX-421BD, passive Kühlung
  • Arbeitsspeicher: Smach Z: 4 Gigabyte, Smach Z Pro 8 Gigabyte
  • Interner Speicher: Smach Z: 64 Gigabyte, Smach Z Pro: 128 Gigabyte
  • Akku: 10.000 mAh – laut Angaben soll er bis zu 5 Stunden halten
  • Preis zum Start: Derzeit per Indiegogo vorbestellbar, Verkaufspreise werden später höher sein. Smach Z: 335 Dollar, Smach Z Pro 535 Dollar

Zum Einsatz sollten auch die auf dem Steam-Controller verwendeten Touch-Pads kommen, mit dem man die präzise Maus-Steuerung des Computers simulieren kann. Durch die verbaute Technik werden auch beliebte PC-Games spielbar sein, unter anderem "Grand Theft Auto 5", "Rocket League" oder "Overwatch". Als Betriebssystem sollte ja nach Wahl Linux oder Windows vorinstalliert werden. Den Prototypen des Handhelds konnten wir uns 2016 auf der Gamescom in Köln bereits anschauen. Der Youtuber LowSpecGamer konnte in Madrid schon einige Benchmarks mit großen Spielen wie "Fallout 4" laufen lassen. Und auch hier waren wir sehr beeindruckt:

Enttäuschende Updates

Doch nach dem erfolgreichen Ende der Kickstarter-Kampagne am 19. November 2016 wurde es erstmal still um die Entwickler. Das erste Lebenzeichen kam für die Unterstützer erst im Februar 2017 und brachte gleich eine Verzögerung des Projekts mit sich. Ursprünglich sollten die fertigen Handhelds im April ausgeliefert werden, dann hieß es September 2017.

Im Mai 2017 gab es in einem geschlossenen Forum eine Umfrage, ob die Nutzer auch damit leben könnten, wenn man von der passiven Kühlung Abstand nimmt und einen Lüfter hinzufüge. Bis heute haben von den 1.293 Kickstarter-Unterstützern nur 175 abgestimmt. Die Mehrheit war nicht explizit gegen einen Lüfter, also wurde die ursprünglich angekündigte passive Kühlung gestrichen. Fragwürdige Begründung: "Die Mehrheit will es ja so". Lüfter gehen immer zu Lasten des Gewichts und der Lautstärke. Außerdem ist das Gehäuse dadurch offen und anfällig für Schmutz. Eine erneute Verzögerung des Projekts wurde angedeutet.

Vergangene Woche kam dann der Hammer: Eigentlich sollten System on a Chip (SoC), Arbeitsspeicher und Hauptspeicher auf der Rhomb-Technologie basieren und modular austauschbar sein. Doch die Partnerschaft mit den Entwicklern wurde plötzlich beendet. Das Team hinter dem Smach Z muss von vorne beginnen und will eine eigene modulare Lösung entwickeln. Dabei wollen sie auf Standards wie M.2 für SSDs und DDR4 Arbeitsspeicher setzen. Das derzeitige Lieferdatum liegt im Februar 2018, kann sich aber weiter verzögern.

Was läuft schief?

Die Entwickler von Smach Z beteuern, dass es nicht ihre Schuld sei, dass das Projekt ins Stocken kam. Auf unsere Anfrage bekamen wir wir eine Erklärung: Die Partnerschat mit dem Team hinter Rhomb musste beendet werden, weil dieses seinen vertraglichen Pflichten nicht nach kam. Darunter Produktionskosten und Entwicklungszeit:

"We've done our best to continue working with Rhomb and finding a way to solve the issues with them but it has not been possible. Unfortunately, we’ve been forced to break the contract with Rhomb because they weren’t meeting their contract obligations, and among them the production cost per unit and the development time estimated by them and stated in the development contract of 6-7 months."

Das Team hinter Rhomb schreibt dagegen auf seinem Blog, dass die Entwickler von Smach Z auf eigene Faust Lieferversprechungen gemacht habe, die so nicht abgesprochen waren. Auf ihrem Blog heißt es: "Wir glauben, dass Smach Z nicht in der Lage war, die Komplexität der Entwicklung und Fertigung, die diese Art von Produkt mit sich bringt, zu verstehen oder einzuschätzen".

Die Smach-Z-Entwickler kommentieren diesen Blog-Eintrag auf unsere Anfrage hin als Unverschämtheit, die rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen wird, da eine Verschwiegenheitserklärung gebrochen wurde: "Their publications saying that the platform was planned for 2018 and accusing us publicly, by breaking our signed NDA, is outrageous, and will have legal consequences for them."

Wie geht es weiter?

Nach diesem Streit, wer auch immer nun tatsächlich der Schuldige ist, stehen die Entwickler von Smach Z nun also wieder recht weit am Anfang. Sie erklärten uns, dass sie zwar einiges an getaner Arbeit verwenden können, doch dass einiges komplett neu entwickelt werden muss – so zum Beispiel die Integration des AMD SoC in ein neues modulares Design. Doch dieser Rückschlag soll dazu beitragen, die Konsole zu verbessern. Das eigene modulare System sei spezifischer auf den Handheld angepasst, wohingegen das Rhomb-System zu allgemeingültig für diese Art Geräte sei.

"We will try to transform this fallback as an opportunity to improve the console, the new modular system will be more specific of our console, Rhomb system is too generic for any kind of device." (Smach Z)

Das neue modulare System soll sehr nah mit dem Team vom Smach Z zusammen entwickelt werden. Das soll auch dazu beitragen, dass die Kommunikation nach außen transparenter abläuft und während der Entwicklung mehr Details des Prozesses offen gelegt werden: "The way to work with the new partners will be more transparent than with Rhomb, and they will be more integrated in the SMACH Team, so we'll be able to share more technical details and development progress than before."

Kein Geld zurück

Nach der sporadischen Kommunikation nach außen und dem Streit mit dem Rhomb-Team ist verständlich, dass einige Unterstützer die Hoffnung in das Projekt verlieren und ihr Geld zurück haben möchten. Doch das ist bei Crowdfunding schwierig bis unmöglich. Im Falle des Smach Z sagen die Entwickler, dass kein Unterstützer sein Geld zurück erhält. Man arbeite weiter an der Realisierung. Außerdem würden sich 80 Prozent aller Kickstarter-Projekte verzögern – darunter auch erfolgreiche Gadgets wie die Ocuclus Rift oder die Pebble Smartwatch.

Die Kickstarter-Unterstützer befürchten, dass der Smach Z erst in den Handel kommt, wenn seine Hardware schon längst veraltet ist. Doch hier geben die Entwickler des Handhelds Entwarnung. Sie arbeiten an Hardware-Updates, sodass die Unterstützer zum Release auch ein aktuelles Produkt in den Händen halten.

"We're working on improving the hardware, so it'll be updated at the release date, I think everybody will be very satisfied with these improvements." (Smach Z)

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