Qualcomm vs. Apple: Warum ein iPhone-Verkaufsstopp niemals kommen wird

Qualcomm Snapdragon: Der Drache speit Feuer.
Qualcomm Snapdragon: Der Drache speit Feuer.(© 2017 Facebook/Qualcomm)

Der Rechtsstreit läuft seit Januar, vor wenigen Tagen hat er Deutschland erreicht. Nicht weniger als den Verkaufsstopp aktueller Apple-Smartphones will der Chiphersteller Qualcomm erwirken. Ist deswegen auch das iPhone 8 in Gefahr? Mitnichten.

Gigantische, global ausgefochtete Klagen gegen Apple, die gehörten nach dem Beilegen des Rechtsstreits mit Samsung vor einigen Jahren eigentlich der Vergangenheit an. Doch seit einigen Monaten geht Qualcomm in die offene Konfrontation. Worum geht es bei dem Rechtsstreit überhaupt?

Nutzt Qualcomm sein Quasi-Monopol aus?

Dazu muss man zunächst verstehen, wie die beiden Unternehmen zueinander stehen. Qualcomm ist der größte und wichtigste Chiphersteller für Smartphones, darunter auch für das iPhone. Er lässt sich nicht nur die reine Hardware bezahlen, sondern auch die Innovationen. Das heißt: Neben dem reinen Hardware-Verkauf bezahlen Hersteller wie Apple, Samsung und Co. auch Lizenzen – etwa dafür, wie die Qualcomm-Chipsätze Funkverbindungen aufbauen.

Was viele nicht wissen: Die Höhe der Lizenzgebühren bemisst sich am Preis des Geräts, den etwa Apple aufruft. Das bedeutet im Umkehrschluss: Auch wenn sich die Hardwareausstattung eines Qualcomm-Chipsatzes nicht ändert, muss ein Smartphone-Bauer mehr bezahlen, wenn aus welchen Gründen auch immer der Gerätepreis steigt – wodurch er entweder noch weiter steigt oder eben Apple auf einen Teil seiner Marge verzichten muss.

Andere Tech-Größen stellen sich auf Apples Seite

Das stinkt Apple. Und mittlerweile nicht nur Apple. Die Computer & Communications Industry Association ließ über  Reuters verlauten:

„If the ITC were to grant this exclusion order, it would help Qualcomm use its monopoly power for further leverage against Apple and allow them to drive up prices on consumer devices. What’s at stake here is certainly the availability of iPhones and other smartphones at better prices.“

Die CCIA mag kaum ein Nutzer kennen. Doch sie vertritt unter anderem Google, Facebook, Amazon und auch Samsung, Apple jedoch nicht. Man will vermeiden, dass die Produktions- bzw. Lizenzkosten gerade für hochpreisige Smartphones weiter ansteigen.

Anders formuliert: Den Tech-Größen gehen die Geschäftspraktiken, die aus der Quasi-Monopolstellung des Chipherstellers resultieren, gehörig gegen den Strich. Apple bezeichnete das Geschäftsmodell des Chipherstellers sogar als „illegal“. Denn der Konzern aus Cupertino zahlt sogar dann Lizenzgebühren an Qualcomm, wenn er Intel-Chipsätze verbaut. Zumindest, wenn es nach dem Chiphersteller geht. Um ein Zeichen zu setzen, hat Apple die Lizenzzahlungen eingestellt. Genauer: Die Zulieferer und Fertiger, die das iPhone für Apple produzieren.

Qualcomm braucht Apple

Die Folgen für Qualcomm sind drastisch: Der Gewinn sank im ersten Quartal im Jahresvergleich um 40 Prozent, der Umsatz über zehn Prozent. Rund 30 Prozent des Umsatzes macht Qualcomm Schätzungen von Analysten zufolge mit Apple-Geräten. Weil die Zeit drängt, hat der Chip-Gigant nun den Rechtsstreit auf Deutschland ausgeweitet. Denn das deutsche Rechtssystem ist in der Regel Inhabern geistigen Eigentums sehr gewogen. Mehr als in den USA. Zudem arbeiten die Gerichte hierzulande zügiger. Eine Entscheidung der US-Gerichte kann allem Anschein nach noch Monate auf sich warten lassen. Ein entsprechendes Urteil hätte zudem Signalwirkung, denn Deutschland ist einer der wichtigsten Smartphonemärkte weltweit.

Dass der Verkauf von iPhone 7 und 7 Plus hierzulande gestoppt wird oder gar der Marktstart des iPhone 8 in Gefahr ist, bleibt jedoch sehr unwahrscheinlich. Beide Unternehmen scheinen zwar unweigerlich zerstritten, sind jedoch aufeinander angewiesen. Es geht schlicht ums Prinzip und die Frage: Nutzt hier ein Unternehmen sein Quasi-Monopol aus? Doch auch wenn Apple zum Teil Intel-Chips verbaut, ist man allein schon mit Blick auf die benötigte Menge an Hardware auf Qualcomm angewiesen. Einen verzögerten Verkaufsstart künftiger Smartphone kann und will Apple wohl kaum erlauben.

Apple braucht Qualcomm

Beide Unternehmen brauchen sich. Und beide Unternehmen wollen sich mit diesem Rechtsstreit bessere Positionen verschaffen. Gerade wirkt es aber so, als ob Qualcomm zunehmend auch von anderen IT-Größen unter Druck gesetzt wird. Würden Google oder Samsung ebenfalls Zahlungen einstellen, würden die Kunden zwar sehr viel länger auf neue Smartphones warten müssen, doch Qualcomm wäre erledigt.

Weil der Chiphersteller aber hochinnovativ ist und mit seiner Hardware dafür sorgt, dass unsere Smartphones immer leistungsfähiger und energieeffizienter werden, dürfte eine außergerichtliche Einigung nur eine Frage der Zeit sein. Und des Geldes, versteht sich.


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