Readfy: Das deutsche Spotify für E-Books ist da

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Für Bücherwürmer: die E-Book-Plattform Readfy
Für Bücherwürmer: die E-Book-Plattform Readfy(© 2013 istock.com/TheYok)

Kostenlos E-Books lesen? Völlig legal? Das ist ab heute möglich. Das Start-up Readfy plant eine Revolution auf dem Büchermarkt. Die E-Book-Plattform will das neue Spotify für Bücher werden.

Tatsächlich besteht enormer Handlungsbedarf.  Denn das E-Book-Segment ist dabei, in derselben Misere zu landen, wie einst die Musikindustrie. Erst nach vielen Jahren, in denen illegale Download-Dienste und Tauschbörsen wie Napster und Bitorrent florierten, gelang es den Musik-Labels, mit Web-Shops wie iTunes und Streaming-Diensten wie Spotify die Abwärtsspirale bei den Umsätzen zu stoppen.

Vorerst nur für Android

Vor allem die Streaming-Plattformen erweisen sich bei der Musik als Erfolgsmodell. Gegen eine monatliche Gebühr dürfen die Nutzer so viel Rock, Pop oder Jazz hören, wie sie wollen. Die Musik wird allerdings nicht dauerhaft auf ihren Rechnern, Tablets und Smartphones gespeichert, sondern nur ausgeliehen. Statt illegal alles auf die eigene Festplatte zu saugen, ohne es jemals alles hören zu können, ist nun einfach alle Musik immer verfügbar.

Genau dieses Prinzip will Readfy nun auch auf den E-Book-Markt übertragen. So gibt es über die Readfy-App, die zum Start allerdings erst einmal nur Android-Nutzern vorbehalten bleibt, kostenlos und unbegrenzt E-Books für Euch. Im Gegenzug dazu müsst Ihr akzeptieren,  dass in Krimis, Romanen oder Sachbüchern Werbeeinblendung eingespielt werden - oder aber Ihr zahlt eine monatliche Pauschale für eine unbegrenzte werbefreie E-Book-Flatrate.

Zum Start müssen die Nutzer erst einmal mit dem werbebasierte Kostenlos-Model vorlieb nehmen. Ab Mitte des Jahres soll dann auch Abo-Angebot implementiert sein. Geplant sind ein „Premium Light“-Zugang (4,99 Euro pro Monat, weniger Werbung, ausgewählte Social-Reading-Funktionen) sowie ein „Premium“-Modell (9,99 Euro, keine Werbung, voller Funktionsumfang, offline lesen).

"Wir wollen die disruptive Kraft sein"

Hinter dem Web-Projekt stehen die drei Gründer Felix Bauchspiess, Ryan David Mullins und Frank Großklaus. Die Idee zu Readfy ist nicht ganz neu. Auf ein ähnliches Konzept – allerdings ohne die Kostenlos-Option – setzt bereits die von Holtzbrinck und Bertelsmann unterstützte App Skoobe.

“Wir wollen die disruptive Kraft sein, die das Geschäftsmodell der Verlage auf eine neue Stufe hebt“, erklärte Readfy-Geschäftsführer Bauchspiess selbstbewusst gegenüber Buchreport.

Eine echte Besonderheit ist, dass Readfy kein Copycat ist. „Das Vorbild für dieses Geschäftsmodell kommt diesmal nicht aus den USA, sondern aus Düsseldorf, Germany. Ist ja auch mal schön ;-)“, erklärt der Gründer Frank Großklaus gegenüber CURVED.

Riesenangebot: 15.000 Titel von 120 Verlagen

Das Sortiment kann sich von der puren Masse her schon einmal sehen lassen. 15.000 Titel von über 120 Verlagen - das ist genug Lesestoff für Jahrzente. Bis zum Jahresende, wenn dann auch die iOS-App verfügbar sein wird, sollen es bereits 30.000 Titel sein.

Allerdings dürfte auch den Machern bewusst sein, dass ein solche Plattform - auch wenn sie so wunderbar zu den neuen mobilen Nutzungsgewohnheiten passt - nicht durch die schiere Masse des Kataloges ein Erfolg wird. Es braucht auch bekannte Autoren. Nur wenn die Datenbank echte Bestseller und namhaften Literaten führt, ist sie auch attraktiv für Bücherwürmer.

Dem hält Großklaus entgegen: „Wir haben viele bekannte Titel aus allen Genres mit dabei. Von Klassikern wie „Der große Gatsby“ oder Tolstoijs „Krieg & Frieden“ über deutsche Krimis und Thriller von Jacques Berndorf bis hin zur Perry Rhodan-Reihe“. Damit sich das Angebot nicht für die Leser, sondern auch für die Verlage lohnt, will das Startup mit den Rechteinhabern pro gelesener Seite abrechnen.

Mit Crowdfunding  über 167.000 Euro eingesammelt

Die Folge ist ein kostenintensiver Launch. Bis sich das Angebot tatsächlich lohnt, werden einige Investitionen nötig sein. Zum Aufbau steckte der Düsseldorfer Inkubator 1st Mover erst einmal rund 100.000 Euro in das Startup. Für die zweite Finanzierungsrunde hofften die E-Book-Experten noch einmal auf den selben Betrag, den sie über die Crowdfunding-Plattform Companista generieren wollten. Dieses Ziel ist längst erreicht, sodass die Düsseldorfer bereits die Marke von 200.000 Euro als neues Ziel ausrufen. Stand am Donnerstagabend: über 167.000 Euro! Wer Interesse hat: Ihr habt noch fünf Tage Zeit, Euch zu beteiligen.

Zum Beginn starten Readfy allerdings weniger mit Volldampf, sondern mit angezogener Handbremse. Lediglich 5.000 Leseratten sollen zugelassen werden. Spätestens ab Mitte des Jahres werden dann alle Schranken fallen und die Plattform für alle offen sein. Das Ziel der Macher: So schnell wie möglich zum “internationalen Marktführer für kostenfreies Lesen” zu werden. Bereits im kommenden Jahr soll Readfy international verfügbar sein.

Beim ersten Launch-Versuch ging der Server in die Knie

Wie groß das Potential der Idee hinter Readfy ist, zeigte sich bereits am vergangenen Montag. Eigentlich sollte das E-Book-Spotify bereits Anfang der Woche starten. Aufgrund des Ansturms brach allerdings erst einmal der Server zusammen. Klingt nach Katastrophe, dürfte aber wohl die besten Bestätigung sein, die die Macher für ihre Idee und ihr Projekt bekommen konnten. 


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