Robin Thicke #getherback: Trennung in der WhatsApp-Ära

Peinlich !12
Womanizer Robin Thicke muss sich derzeit einiges anhören
Womanizer Robin Thicke muss sich derzeit einiges anhören(© 2014 Youtube/RobinThickeVEVO)

Mutig oder eine reine Inszenierung der A&R-Abteilung: Im Video zur neuen Single "Get her back" jault Robin Thicke seiner verflossenen Highschool-Liebe Paula Patton nach, die er einfach zu oft öffentlich betrogen hat. Thicke mimt den reumütigen Fremdgänger, der mit fragwürdigen Instant Messages versucht, seine Ex zurückzugewinnen  – eine peinliche, weil vorhersehbare Inszenierung des "Blurred Lines"-Egomanen. 

Man hat es kommen sehen. Als cooler Poser mit großbrüstigen Supermodels in "Blurred Lines" herumturnen, mit der damaligen Silvie van der Vaart von der VIP-Party ins Hotel abzischen, Fans auf Instagram-Fotos an den Hintern packen, mit Miley Cyrus auf den VMA Awards den wilden und willigen Hengst spielen – und das alles mit der Beteuerung, eine offene Beziehung zu führen: Man konnte sich Robin Thicke als glücklichen R&B-Superstar vorstellen.

Dass all die Versatzstücke am Ende nur einen Bruchteil des wahren Lebens Thickes widerspiegeln und die Wahrheit vermutlich ganz anders aussieht – geschenkt. Weil Thickes Story nach dem breitbeinigen Sportsfreund-Image aus "Blurred Lines" ein bisschen Reue verdient haben könnte,  vermeldeten die PR-Agentinnen des 37-Jährigen ausgerechnet auf dem Karrierehöhepunkt Anfang des Jahres die Trennung von Ehefrau Paula Patton, der die Promiskuität ihres Mannes dann doch zu viel geworden sei. Au Backe. Aber haben wir etwas anderes erwartet, wenn wir uns die unszenierte Version von "Blurred Lines" mit den ansehnlich hüpfenden Brüstchen von Emily Ratajkowski noch mal auf unseren Smartphones und Tablets anschauen?

Nein, dieser Robin Thicke ist offenkundig schon ein schlimmer Finger, der es faustdick hinter den Ohren und in der Hose hat, schließlich lässt er diese Botschaft ja auch noch stolz in seinen Videos zirkulieren ("Robin Thicke has a big dick"). Doch 2014 helfen wohl auch die geschwellten Boxershorts nicht mehr: Robin Thicke ist nach zwei Jahrzehnten mal wieder Solo – und so gar nicht glücklich damit. Der arme Robin will seine Paula zurück!

Diese Botschaft, bereits im Februar etwas zu durchsichtig in diesem Wortlaut verkündet,  soll zumindest das erste Video zu seinem neuen Album vermitteln, das gestern das Web erreichte. "Get her back" heißt die Single, und natürlich ist der Titel Programm. Und weil die Botschaft in einer Single nicht ausreicht, wurde das ganze Album, das nächste Woche erscheint, zur Sicherheit auch noch mal nach seiner Highschool-Liebe und Mutter seines Sohnes benannt.

Dass sich  die Thickes in Kalifornien bei der Verbreitung dieser rührseligen "Nimm-mich doch-zurück"-Story vermutlich die Schenkel klopfen  und mit Dauergrinsen die neuen Zahlungseingänge quittieren, gehört bekanntlich zum Geschäft – irgendeine Story muss schließlich immer erzählt werden. (Den Spin der kommenden Monate ahnen wir jetzt schon: Irgendwann gibt Paula Patton in einem Video die Cameo-Appearance und wird am Ende der Paula-Tour tränenüberströmt ihren Robin wieder in die Arme schließen.)

Um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, spielt das Video von "Get her back" auch noch mit einem gesellschaftlichen Phänomen: dem reumütigen Texten. Nicht nur sexuelle Anbahnungen verlaufen im WhatsApp-Zeitalter schließlich über unsere Smartphones, sondern auch die verzweifelten Echtzeit-Versuche, die Verflossene zurückzuerobern – also:  zurückzuertexten.

An dieser Stelle hätte Thicke vielleicht besser die Apps gewechselt: Die Argumente auf Snapchat wären mutmaßlich schlagendere gewesen als auf WhatsApp, iMessage oder welchen Messenger-Klone er uns in "Get her back" auch immer andrehen will. Was wir zu lesen bekommen, ist ein 1 x 1 an verbrauchten  "Isch-aabe-einen-gaaansch-duuumen-Fehler-gemacht-Schatz"-Floskeln. Es sind dies:

"Ich habe Dich gewarnt, aber Du hast es zu weit getrieben."
"Wir hatten doch alles."
"Warum warum warum warum warum???"
– "Es tut mir leid."
–"Kann ich mit Dir reden?"
"Du trinkst zu viel"
"Du hast mich lächerlich gemacht."
"Ich kann nicht mehr mit Dir schlafen."
– "Ich hasse mich."
– "Kann ich Dich sehen?"
"Es ist noch zu früh."
– "Ich habe ein ganzes Album über Dich geschrieben."
"Ist mir egal."
"Ich weiß nicht mal mehr, wer Du bist."
– "Du fehlst mir."
" Du hast alles ruiniert."
"Wie konntest Du das nur tun?"
"Du bist rücksichtslos."
"Ich muss jetzt gehen."
– "Dies ist nur der Anfang"...

An dieser Stelle wird klar: Thicke sollte nicht nur sein A&R-Management überdenken, das immerhin bei Pharrell Williams' Label Star Trak beheimatet ist, sondern sich einmal einen ordentlichen (Video-)Texter zulegen. Mehr schlechte Phrasen findet man auch nicht bei Trey Songz.

Und noch was, Robin: Geheuchelte Tränen und dick auf der Wange aufgetragene Blutspuren machen das Kitschvideos auch nicht besser, sondern nur noch bizarrer bis freakiger.  Bleib der ewige, selbstverliebte Stenz, der Du bist – und zeig uns "Blurred Lines III". Oder nimm Nachhilfe bei Kim Kardashian und dreh einen Porno. Oder halt einfach mal einen Sommer die Klappe.


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