Samsung an Nuance interessiert: Das Ende für Siri?

Siri auf dem iPhone 5c: Nuance steckt dahinter
Siri auf dem iPhone 5c: Nuance steckt dahinter(© 2014 CURVED)

Siri stammt von Apple, doch ihr Hirn wird von einem Unternehmen gesteuert: Nuance. An dem scheint nun offenbar Erzrivale Samsung interessiert zu sein.

Das will das Wall Street Journal erfahren haben. Demnach ist Nuance mit einer Reihe von Unternehmen als Käufer im Gespräch. Dabei ist Nuance kein Schnäppchen. Aktuell wird die Firma auf rund 5,5 Milliarden Dollar bewertet. Kein Wunder bei rund 1,86 Milliarden Dollar Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr.

An der Spitze der Käuferliste steht laut WSJ Samsung, deren Sprachsteuerung S-Voice ebenfalls über Nuance läuft. Das wäre insofern prekär, als dass die Koreaner und die Kalifornier erbitterte Rivalen um die Gunst der Smartphone- und Tabletnutzer sind. Da sich technisch immer weniger Unterschiede bei aktuellen Top-Modellen ausmachen lassen, entscheiden Käufer vor allem auf Basis der angebotenen Dienste. Siri gilt als eine der ausgereiftesten Sprachsteuerungen am Markt.

Allerdings stammt von Apple lediglich die Implementierung in iOS, die eigentliche Rechenarbeit erledigt Nuance. Was würde also passieren, wenn Samsung sich Nuance sichert? Vor allem würde ein alter Bekannter profitieren: Carl Icahn, der 19 Prozent am Unternehmen hält. Aber würde Samsung Cupertinos Siri künftig den Datenhahn abdrehen? Wer jetzt in Panik verfällt, kann erst einmal beruhigt werden. Denn tatsächlich macht die Spracherkennung bei Nuance (noch) nicht den Löwenanteil aus. Größter Umsatzbringer ist die Medizinsparte. Dort hat sich das Unternehmen mit der Digitalisierung von Krankenakten einen Namen gemacht. Der Rest entfällt auf Mobile-Dienste, unter anderem für Daimler, Nintendo und Panasonic.

Mit Nuance würde sich Samsung also ein florierendes Unternehmen sichern, das derzeit rund 12.000 Mitarbeiter an 35 Standorten weltweit beschäftigt. Die Firma steckt übringes auch hinter der smarten Tastatur-App "Swype", die in Kürze auch für iOS 8 erhältlich sein soll.

Mit anderen Worten: Spracherkennung und Sprachverarbeitung macht nur einen Teil der Unternehmensstrategie von Nuance aus. Macht Samsung tatsächlich die Geldbörse auf und kauft den Sprachspezialisten, dann dürfte es ein typisches Tochterunternehmen werden - vergleichbar mit Apples Beats-Akquisition, die Eddy Cue als "no brainer" bzw. Selbstläufer bezeichnete. Das Aus für Siri? Sehr unwahrscheinlich. Und doch fragen wir uns: Warum ist Apple, das seine Sprachassistentin sukzessive verbessert, bislang nicht als potenzieller Käufer in Erscheinung getreten? Über das nötige Kleingeld verfügt der iPhone-Bauer schließlich.


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