Samsung Galaxy S4: Unser erster Eindruck

Gerade ist die Präsentation des neuen Samsung Galaxy S4 vorbei und wir durften die Geräte  danach noch gleich selbst ausprobieren. Das neue Produkt steht unter dem Motto Samsung Galaxy S4 Life Companion - also der Begleiter fürs Leben. Für tiefgreifende Tests braucht man natürlich sein eigenes Testgerät und mehr als nur zehn Minuten Zeit, aber trotzdem will ich euch meine ersten Eindrücke vermitteln und auf ein paar der technischen Details eingehen.

Das Design und verwendetes Material

Das Design des Samsung Galaxy S4 ist tatsächlich jenes, welches wir in den vorangegangen Leaks schon gesehen hatten. Es erinnert sehr stark an das S3 und setzt dessen Designlinie konsequent fort. Viele meiner Tech-Blogger-Kollegen haben dies sehr stark kritisiert. Ich persönlich mag das Design und die Verkaufszahlen des S3 geben Samsung doch auch irgendwie Recht.

Wie ich bereits berichtete, hatte Samsung ein Kunststoffgehäuse in Aussicht gestellt. Im Großen und Ganzen ist das finale Produkt auch aus Kunststoff, nur die Lautstärkewippe und der On- Offschalter sind aus Metal.

Auf der Front wie auch auf der Rückseite setzt Samsung neuerdings eine gepunktete Struktur ein. Dies ist allerdings rein optisch, denn eine Art Klarlackschicht sorgt für ein komplett glattes Gehäuse.

Auch die Software erinnert im Allgemeinen an andere aktuelle Samsung-Modelle, wobei man mit der transparenten Statusleiste am oberen Rand mal etwas nettes Neues eingeführt hat. Natürlich nur eine Spielerei, aber doch irgendwie am Puls der Zeit.

Das Haupteinstellungsmenü hat, wie auch schon durch Leaks erahnt wurde, jetzt eine Reiterstruktur erhalten. Im ersten Moment musste ich etwas schauen um meine gewohnten Einträge zu finden, aber in Summe wird hier gerade dem wenig erfahrenen Nutzer eine bessere Übersicht über die vielen Einstellungen geboten.

Spezielle Software-Verbesserungen

Smart Scroll und Smart Stop hatte ich bereits im Vorhinein vorgestellt und beide Funktionen wurden auch so präsentiert. Ob es in der Praxis richtig gut funktioniert muss man in einer eigenen Testreihe ermitteln.

Air View und Floating Touch hatte ich damals auch bereits angerissen: Diese Funktion bietet euch die Möglichkeit, dass ihr schon bei leichten schweben über dem Display gewisse Extra-Funktionen auslösen könnt, wie zum Beispiel eine vergrößerte Vorschau eines Bildes einzublenden.

Zudem ermöglicht das Samsung Galaxy S4 auch eine Bedienung mit Handschuhen, ein nicht zu unterschätzender Vorteil wie ich finde.

Air Gesture knüpft an dieser Stelle passend an und bietet eine Reihe von Funktionen die man ausführen kann ohne das Gerät zu berühren. Jedem fallen sicherlich diverse Situationen ein, wo die Hände dreckig oder klebrig sind und man das weiterblättern einer Seite ohne Berührung gut gebrauchen kann.

Pictures with Sound: Eine Art Fertig-MMS aus dem Automaten möchte man meinen. Man kann zu einem Foto vorher oder nachher eine kurte Tonspur aufzeichen. In der Präsentation wurde ein Familienfoto für die Oma mit lieben Grüßen ergänzt. Sicherlich eine ganze nette Geschichte, das Format und seine Gängigkeit wird im Nachhinein entscheiden, ob sich so ein Spaß durchsetzt. Für mich nicht so spannend, da man diese Funktion sicherlich auch leicht über eine andere App abbilden kann und solche auch kurzfristig im Google Play Store aufpoppen werden.

Doppelte Kamera - beziehungsweise das gleichzeitige Nutzen der Front- und Rückkamera waren eindeutig eines der Highlights der Präsentation. Dieses wirklich gute Feature wurde uns vorher nicht durch irgendwelche dubiosen Quellen offenbartund hat meiner Meinung nach einiges an Potential.

Es funktioniert in Videos wie auch bei normalen Bildern. So kann man im Videochat seine Umgebung präsentieren und trotzdem die Emotionen des Teilnehmers weiterhin einblenden. Auch hier Bedarf das Gütesiegel der Praxistauglichkeit sicherlich noch einiger Erprobungsrunden, aber immerhin wird am Ende ein normales Foto erzeugt, welches man problemlos teilen und auf anderen Geräten wiedergeben kann.

Drama Shot und die Eraser Funktion sind zwei sehr nette Spielereien die sich die extrem kurze Auslöseverzögerung der Kamera zu nutzen machen. Durch das schießen einer sehr schnellen Bilderfolge lassen sich nachher nette Bewegungsabläufe in ein Bild zusammenfassen oder aber vorbeilaufende Passanten aus dem hübschen Erinnerungs-Foto entfernen.

Samsung Hub ist die neue Plattform unter der die alten Hubs Gaming, Music, Video und Learning zusammengefasst wurden. In einer modernen Magazinansicht präsentiert Samsung nun alle extra Inhalte. Man merkt natürlich auch hier, wie über zusätzliche Inhalte Geschäft gemacht werden soll. Aber das ist sicherlich ein allgemeiner Trend der vom Konsumenten bei entsprechenden Preisen auch durchaus gewollt ist.

S Translator ist eine tief ins System integrierte Übersetzungsapp, welche euch diverse Sprachen in verschiedenen Modi übersetzen kann. Neben Text-zu-Text-Übersetzungen steht auch eine Sprache-zu-Text-Umwandlung bzw. die umgekehrte Richtung zur Verfügung. Es sollen sogar abfotografierte Texte übersetzt werden, als Beispiel wird hier immer gerne die Speisekarte in einem fremden Land gewählt. Des Weiteren wurden einige häufig genutzte Wörter und Phrasen hinterlegt, damit man den Weg zum Bahnhof auch offline in einer anderen Sprache abrufen kann. In wie fern die App der sehr guten Konkurrenz von Google überlegen ist, bleibt noch zu prüfen.

Group Play ist eine interessante Anwendung für alle Nutzer die selbst oder im Freundeskreis mehrere aktuelle Samsung Geräte besitzen. Hier kann unter anderen der Bildschirm geteilt oder gemeinsam Musik abgespielt werden. Gerade der letzte Teil ist recht innovativ, denn auch wenn die Idee nicht neu ist, kenne ich keine zuverlässige Lösung die dies bisher realisieren kann. Es können bis zu acht Geräte gleichzeitig den Ton wiedergeben und somit auch mal ein paar externe Lautsprecher ersetzen. In einem Nebensatz wurden auch Multiplayer-Spiele erwähnt, Details gibt es dazu bisher keine.

Adaptiv Display nennt Samsung die Weiterentwicklung der automatischen Helligkeitssteuerung. Das Samsung Galaxy S4 soll neben der Helligkeit nämlich auch noch den Kontrast und die Sättigung dynamisch nach der ausgeführten Anwendung und den Umgebungsbedingungen anpassen. Ein Test dieser Funktion ist bei so einem Event nicht möglich, hier muss man etwas langfristigere Erfahrungen sammeln.

Story Album ist ein Assistent, welcher dem Nutzer helfen soll seine Bilder nett und attraktiv zusammen zu fassen. Hierbei werden entsprechende Bilderserien in eine Art Fotobuch mit Kommentaren aufbereitet, welches man tatsächlich dann so entwickeln lassen kann. Die Bilder versucht der Assistent auch direkt anhand von Merkmalen wie zum Beispiel der Geo-Location passend auszuwählen. Samsung arbeitet bei der Realisierung des Drucks mit dem Dienstleister Blurb zusammen. Blurb bietet ein neues, für das S4 exklusives 13x13 Zentimeter-Buch und eine 18x18 Zentimeter große Variante an. Preise wurden noch nicht veröffentlicht.

S Voice Drive ist die neuste Weiterentwicklung von Samsungs eigenem Sprachassistenten, dem ich nach dem S3-Start bereits entsprechend auf den Zahn gefühlt habe: Dieses Mal möchte Samsung das besondere Feld der Sprachsteuerung im Auto in den Fokus rücken und bietet uns eine angepasste Oberfläche mit sehr großen Touch-Flächen an, damit diese auch während der Fahrt gut zu bedienen sind. Zudem lassen sich natürlich Anrufe, SMS, Musikauswahl und Navigation durch einfache Sprachbefehle ansteuern.

Samsung Smart Switch PC Software ist ein neuer Assistent, der den Umzug von nahezu jedem anderen Smartphone zum Samsung Galaxy S4 ermöglichen soll. Allerdings wurden hier keine Fakten präsentiert, also wissen wir nicht welche Betriebssysteme das Tool wirklich unterstützt oder welchen Umfang es abbildet.

S Health - dieses Thema könnte größer werden als wir bisher denken, aber es spricht sicher in seinem vollen Umfang nur eine begrenzte Zielgruppe an. Neben einem eingebauten Schrittzähler steht optionales Zubehör bereit, das euren Schlafrhythmus, die Herzschlagrate oder den Blutdruck überwachen kann. Ich denke hier werden wir in naher Zukunft noch mehr von hören und dann einen eigenen Beitrag dazu verfassen.

Samsung Knox ist eine Sicherheitstechnik, welche ermöglichen soll, dass private und berufliche Nutzerdaten auf einem Endgerät strengstens getrennt werden können. Mehr Details wurden dazu aber auch nicht verraten und ich denke, dass ist auch in Ordnung. Die meisten Endverbraucher werden diese Funktion nicht nutzen und wenn euer Arbeitgeber es unterstützt, dann lernt ihr wohl von dieser Seite aus mehr dazu.

Samsung Home Sync stellt eigentlich ein eigenes Produkt dar. Es handelt sich hierbei um eine Art Netzlaufwerk mit 1 TB Speicher auf dem ihr dann verschiedene Medien lagern könnt um diese beispielsweise mit dem Samsung Galaxy S4 oder einem aktuellen Samsung Smart TV zu schauen. Hierbei werden bis zu acht Benutzer gleichzeitig unterstützt, man kann also von einer Familienlösung sprechen.

Technische Daten in der Zusammenfassung

  • 4,99 Zoll Full-HD SuperAMOLED-Display (441 ppi)
  • 1,9 GHz Quad-Core Snapdragon S4 Pro oder 1,6 GHz Exynos 5 Octa – abhängig vom Land
  • 13 MP Kamera auf der Rückseite, 2 MP Frontcamera
  • 2 GB RAM
  • Android 4.2.2 (Stand der Präsentation, aktuellste Version)
  • 16, 32 oder 64 GB interner Speicher erweiterbar via MicroSD Karte um weitere 64 GB
  • Temperatur- und Feuchtigkeitssensor
  • 3G und 4G LTE  als unterschiedliche Geräte, LTE Version erscheint später
  • WiFi 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.0, NFC, GPS
  • Infrarot-Port zur Steuerung von TV usw.
  • 2.600 mAh Akku
  • 136,6 x 69,8 x 7,9 mm, 130g Gewicht

Meine Meinung zu ausgewählten technischen Daten

Slimmer, lighter and more solid, nicht weniger hat Samsung direkt zu Beginn der Präsentation versprochen und wohl auch gehalten. Ob es wirklich solider ist kann ich nicht beurteilen, aber leichter und dünner als sein Vorgänger ist es definitiv. Und hier muss ich auch ein klares Lob aussprechen. Nicht weil das S3 ein dicker Klotz war, sondern allein aufgrund der Tatsache, dass Samsung ein größeres Display plus leistungsstärkeren Akku in ein leichteres und dünneres Gehäuse gepresst hat.
Was der angesprochene, leistungsfähigere Akku dann tatsächlich im Alltag leistet ist natürlich heute noch nicht abzusehen. Ich bin immer sehr zurückhaltend wenn es darum geht längere Akkulaufzeiten auszurufen, denn meistens genehmigen sich neue Funktionen wie das Full-HD Display auch ihren Anteil an der Akkulaufzeit.

Das Display entspricht definitiv dem Stand der Zeit und jeder der AMOLED gegenüber LCD bevorzugt hat momentan keine Wahl, sondern einfach nur das Samsung Galaxy S4 zur Auswahl.

Wie schon öfters von mir im Vorfeld erwähnt würde ich die Prozessordiskussion rund um die Unterschiede nicht überbewerten, denn beide Prozessoren liefern weit mehr Rechenleistung als wir den Geräten momentan abverlangen können. Interessant wäre nur, welcher der beiden eventuell ein wenig mehr Akkulaufzeit übrig lässt.

Android 4.2.2 – ich kann Samsung nicht genug für die News loben. Es ist nicht das erste Mal, dass Samsung hier der Konkurrenz etwas vormacht. Wir reden immerhin vom ersten Gerät außerhalb der Google Nexus Reihe welches mit dem aktuellsten Android 4.2.2 auf den Markt kommt. Die anderen Hersteller wie Sony und HTC schicken ihre neusten Flaggschiffe nur mit Android 4.1.2 ins Rennen und sich damit deutlich der gewünschten Entwicklung zeitlich deutlich hinterher. Immerhin erwarten wir alle im Mai auf der Google I/O die Vorstellung der nächsten Android-Hauptversion.

Die Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren möchte ich nicht unterschlagen, da sie definitiv unüblich sind. Ob sie noch für weitere Funktionen außer S Health eingesetzt werden, ist bisher nicht bekannt, aber in der Vergangenheit haben wir gelernt, dass sich aus Sensoren doch immer einiges rausholen lässt.

Vorgestelle Hüllen

Samsung zeigte ganz kurz passend zum Galaxy S4 die bekannten Variationen an Schutzhüllen, Bumpern und Flip Cover. Eine neue Innovation war dabei, nämlich ein View Cover, das prinzipiell dem Flip Cover ähnelt, aber ein Sichtfenster für Benachrichtigungen hat. Außerdem soll es endlich einen Schließmechanismus haben, der das Samsung Galaxy S4 automatisch schlafen lässt.

Das offizielle Produktvideo von Samsung

http://www.youtube.com/watch?&v=2LHv1FPd1Ec

Fazit

Manch einer wird sich ärgern, dass sich das Design und die verwendeten Materialien sich nicht geändert haben, aber hier bleibt Samsung seiner Linie treu und setzt auf ein erfolgreiches Modell, das sich weltweit am Markt bewährt hat. Die technischen Daten sind durchweg auf der Höhe der Zeit und es ist, immerhin auf dem Papier, kein Durchhänger zu erkennen. Das Display hat mal wieder das Potential, sich als richtig starkes Stück am Markt zu platzieren.

Die Software-Features sind sicherlich immer ein schwankender Posten, da viele Nutzer nicht alle Funktionen nutzen können oder wollen. Trotzdem hat Samsung ein paar nützliche und innovative Funktionen implementiert. Meine Favoriten sind hier das Display, welches auch ohne Berührung bedient werden kann, sowie das Doppel-Kamera-Feature in Video und Fotografie.

Meiner Meinung nach haben wir heute den Top Seller des Jahres 2013 gesehen. Dies ist sicherlich auch dem guten Namen der Galaxy S-Reihe geschuldet, aber es ist einfach eine solide Fortführung der bisherigen Arbeit.

Preise und Verfügbarkeit

Die Preise bei BASE sind mir aktuell noch nicht bekannt, aber ich reiche diese natürlich nach, sobald etwas offiziell wird. Die allgemeine Verfügbarkeit hat Samsung mit Ende April angekündigt, dies gilt allerdings nicht für die LTE Version, diese soll erst später erscheinen.

UPDATE: Heute hat Samsung verlauten lassen, dass wir in Deutschland als erstes die LTE Variante mit 16 GB internem Speicher sehen werden. Bei uns erscheint demnach die Variante mit dem Snapdragon Prozessor und nicht mit Samsungs eigenem Exynos OctaCore. Als unverbindliche Preisempfehlung werden stolze 729€ ausgerufen, dass ist schon ein ganz schöner Hammer. Warten wir mal ab, wie sich die Straßenpreise tatsächlich entwickeln.

Wer die komplette Präsentation noch nicht gesehen hat, kann das mit der 50-minütigen Aufzeichnung noch tun:

http://www.youtube.com/watch?&v=Yaw6CSaPnfk