Samsungs TouchWiz mit Themes: Zukunft oder überflüssig?

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Samsung TouchWiz
Samsung TouchWiz(© 2014 Instagram/cinquetacche)

Es scheint, als würde Samsung Benutzer einiger (oder gar aller?) seiner Smartphones künftig mit der Möglichkeit beglücken, den Look der TouchWiz-Benutzeroberfläche mittels Themes zu verändern. Damit wären die Koreaner nicht die ersten, die ihre Android-Geräte mit einer solchen Option ausstatten — aber aufgrund der Marktmacht, die Samsung auf dem Android-Sektor hat, könnten sie damit einen Trend (fort)setzen. Die Frage ist: Wollen wir das?

Es gab einmal eine Zeit, da war es gang und gäbe, alle möglichen Geräte mittels Themes zu individualisieren: Von Windows selbst über Spielkonsolen bis hin zu Feature Phones. Mit dem Aufkommen der Smartphones ließ dieser Trend ein wenig nach, auch weil das Anpassen von Icons und Menüs in den abgeschlossenen Betriebssystem, wie vor allem iOS, nicht ohne Weiteres möglich ist. Außerdem schien es der Masse der Nutzer auszureichen, lediglich das Hintergrundbild an ihren Geschmack anzupassen.

Android bietet grundsätzlich den großen Vorteil, dass sich mittels Launchern, die das Standard UI oder die Benutzeroberflächen der OEMs ersetzen,  wenigstens neue Symbols-Sets installieren lassen — allein ist das ein Feature, das hauptsächlich von Kennern, weniger aber von der Masse genutzt wird. Das macht auch Sinn, denn die Hersteller-UIs sind Erkennungs- und Alleinstellungsmerkmal vieler sich technisch immer ähnlich werdender Geräte — für die OEMs also Verkaufsargument, für viele Kunden etwas Vertrautes, zu dem sie gerne wieder greifen.

Huawei bietet schon länger einen Theme-Katalog auf seinen Geräten

Der Kompromiss aus vertrauter Umgebung und individueller Ausgestaltung könnten Themes sein; die Cyanogen Mod hat das vorgemacht und — noch näher am Normal-Kunden — gibt Huawei seinen Geräten seit geraumer Zeit eine eigene Theming-Engine und einen breiten Katalog an kostenlosen, wechselbaren Designs mit. Und auch Sony erlaubt auf seinen Smartphones und Tablets seit diesem Jahr vorgefertigte Designsets aus dem Play Store zu installieren. Genau dort scheint auch Samsung anknüpfen zu wollen, das verraten wenigstens die jüngst geleakten Screenshots vom kommenden Firmware-Versionen diverser Galaxy-Geräte.

Vielleicht ein Segen, im schlimmsten Fall ein Fluch

Huawei hat es bei der Einführung der Themes clever gemacht: Mit dem Emotion UI standen gleich eine Menge Designs zum Download bereit, die teilweise aus eigener Feder stammten, teils aus der Community kamen. Von Sonys Theme-Offensive hingegen hat kaum jemand mitbekommen und ich gehe davon aus, dass vielen Xperia-Besitzern gar nicht bewusst ist, dass das Wechseln des UI-Designs mit Bordmitteln möglich ist — auch weil die Zahl der zur Verfügung stehenden Themes bei den Japanern eher überschaubar ist.

Was muss Samsung als tun, um es richtig zu machen? Zum einen muss vom Start weg ein ordentliches Angebot an guten Themes bereitstehen. Drei oder vier Designs zur Auswahl, die sich bis auf ein paar Farbnuancen auch noch ähneln — und so sieht es auf den aktuellen Screenshots leider aus —, dürften kaum jemanden zum Ausprobieren animieren. Darüber hinaus müssen die Themes hochwertig sein, sprich sauber gearbeitet, vielfältig und in sich stimmig. Und bitte: Nicht nur Wallpaper und ein paar Farbverläufe in den Menüs ändern; wenn schon, dann müssen komplette Icon-Sets, Menü-Darstellungen und vielleicht sogar unterschiedliche Benachrichtigungsleisten in den Paketen enthalten sein. Ansonsten werden auch weiterhin die alternativen Launcher mehr Möglichkeiten bieten.

Idealerweise — und hier wird es nun haarig — öffnet Samsung sich diesbezüglich der Community und lässt Entwürfe von Hobbykünstlern zu. Die müssen aber kuratiert werden, damit der arme Nutzer sich nicht ab einem gewissen Zeitpunkt durch einen Wald von halbgaren, schlecht gemachten oder gar schädlichen Themes kämpfen muss.

Kein Mensch möchte 2015 noch mit einem Snapdragon 805-bewehrten 600 Euro-Smartphone herumlaufen, das hier und da immer wieder laggt, weil die Theming Engine nicht hinterherkommt.

Das Wichtigste aber ist die Performance der Benutzeroberfläche: Bis zum Emotion UI 3.0 hatten wir stets den Eindruck, dass Huaweis Firmwares unter der Theming Engine eher litten und das ganze UI beispielsweise eines Ascend P7 trotz guter Hardware ruckelte und stotterte, weil das System in dieser Hinsicht nicht optimiert war. Mit EMUI 3.0 scheinen die Chinesen das endlich in den Griff bekommen zu haben.

Das darf bei Galaxy-Smartphones nicht passieren, denn TouchWiz ist ohnehin schon reichlich schwerfällig. Im Vordergrund sollte in Seoul also weiterhin die Optimierung des UI auf Performance stehen. Denn kein Mensch möchte im Jahr 2015 noch mit einem Snapdragon 805-bewehrten 600 Euro-Smartphone herumlaufen, das hier und da immer wieder laggt, weil die Theming Engine nicht klar kommt — unter diesen Umständen würde die Mehrheit der Nutzer wohl eher auf schicke Designs verzichten wollen.

Eigentlich befindet Samsung sich in Sachen Design gerade auf einem guten, weil schlichten Weg: Sowohl die Geräte selbst als auch deren Software scheinen wertiger, minimalistischer und aufgeräumter daherzukommen. Hoffen wir, dass die Koreaner diese Richtung nun nicht  wieder mit Spielereien und ihrer berüchtigten "Featuritis" verlassen ...

Wie seht Ihr das? Wäre die Möglichkeit, auf Samsung Galaxy-Geräten zwischen verschiedenen Designs zu wechseln Euch wichtig? Oder gar Einbußen in der Performance wert? Wir haben dazu mal eine Umfrage auf Google Plus gebastelt — sagt uns dort doch einfach Eure Meinung zum Thema. Wir sind gespannt auf das Ergebnis und werden das hier in ein paar Tagen dann nochmal präsentieren und kommentieren.


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