Schafft die EU Sommer- und Winterzeit ab? Was Zeitumstellung mit uns macht

Ist die Trennung zwischen Sommer- und Winterzeit noch zeitgemäß?
Ist die Trennung zwischen Sommer- und Winterzeit noch zeitgemäß?(© 2018 CC: Unsplash/Leon Biss)

Über ein Online-Formular lässt die EU-Kommission die europäischen Bürgerinnen und Bürger derzeit über die Vor- und Nachteile der Sommer- und Winterzeit abstimmen. Wir klären euch über die Hintergründe der Debatte auf und darüber, was die Zeitumstellung mit uns macht.

Derzeit diskutieren wieder alle über den Sinn oder Unsinn der Zeitumstellung. So weit, so gewöhnlich. Doch halt, Moment: Kommt die altbekannte Debatte in diesem Jahr nicht etwas verfrüht, immerhin sind es noch über drei Monate, bis wir die Uhren wieder eine Stunden zurück auf die Winterzeit drehen – beziehungsweise die digitale Welt das automatisch für uns erledigt. So zeitig kräht sonst allerdings kein Hahn nach der gewonnene Stunde. Im Übrigen beschweren sich die meisten Menschen ohnehin eher im Frühjahr, wenn sie eine Stunde verlieren, als wenn sie eine Stunde länger schlafen dürfen. Was soll also die ganze Aufregung?

Die EU-Kommission lässt uns per Online-Formular über die Zeitumstellung abstimmen

Hintergrund ist das Online-Formular, über das die EU-Kommission die europäischen Bürgerinnen und Bürger noch bis zum 16. August 2018 darüber abstimmen lässt, ob sie die Zeitumstellung grundsätzlich befürworten oder ablehnen – und für welche Zeit man sich entscheiden würde: Sommer- oder Winterzeit.

Bereits im Februar stimmte die Mehrheit der Abgeordneten im Europaparlament gegen die Sommerzeit. Daraufhin hat man die EU-Kommission in die Pflicht genommen, die Vor- und Nachteile der Zeitumstellung einer aktuellen Prüfung zu unterziehen. Ein Meinungsbild von rund 500 Millionen EU-Bürgern soll den Prozess unterstützen – er stellt jedoch keine verbindliche Abstimmung dar, sondern soll der EU-Kommission eher als Idee für einen Vorschlag zur Gesetzesänderung dienen. Der Ansturm an Klicks war übrigens anfangs so enorm, dass die Server zusammengebrochen sind. Inzwischen funktioniert die Seite aber wieder. Ihr könnt dort angeben, wie sehr euch die Zeitumstellung zu schaffen macht und aus welchen Gründen ihr sie beibehalten oder abschaffen würdet:

  • Um Energie zu sparen.
  • Aus gesundheitlichen Gründen.
  • Für mehr sportliche Aktivitäten in den Abendstunden.
  • Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.
  • Für das Funktionieren des Binnenmarktes (grenzüberschreitenden Handel, Kommunikation etc.).
  • Aus sonstigen Gründen, die man auch näher definieren kann.

Die ursprüngliche Idee hinter der Zeitumstellung

Die ursprüngliche Intention hinter der Einführung unserer Sommerzeit 1980 war das Energiesparen im Hinblick aufn die Ölkrise: Im Sommer könne man dadurch eine Stunde mehr auf künstliches Licht verzichten. Seit 1996 zieht die EU mit, und so werden in allen EU-Mitgliedstaaten jeweils am letzten Sonntag im März beziehungsweise am letzten Sonntag im Oktober die Uhren umgestellt. Tatsächlich kommen Untersuchungen durch das Bundesumweltamt aber zu der Erkenntnis, dass wir die Einsparung von Licht im Sommer mit mehr Energie für das Heizen in den frühen Morgenstunden im Winter bezahlen. Zudem beklagen immer mehr Menschen, erheblich unter dem Gedrehe an der Uhr zu leiden. Gegner fordern schon länger eine Abschaffung der Sommerzeit – und die scheint mit Blick auf das Online-Formular gar nicht mehr so unrealistisch. Wobei ich persönlich ja als Morgenmuffel eher für die Abschaffung der Winterzeit bin, damit ich abends das ganze Jahr über noch Outdoor-Sport betreiben kann – oder mich als Frau alleine auf dem Heimweg einfach länger sicher fühlen darf. Doch schauen wir lieber mal auf die messbaren Fakten zu den körperlichen Folgen der Zeitumstellung:

Was macht die Zeitumstellung mit mir?(© 2018 CC: Unsplash/Elizabeth Lies)

Was macht die Zeitumstellung mit dem Körper?

Geht die Sonne mit der Zeitumstellung eine Stunde früher auf beziehungsweise unter, mag uns das zwar mehr Licht bescheren, wenn wir es brauchen, aber den Körper überfordert diese plötzliche Umstellung. Eine Stunde mag nicht viel klingen, aber besonders sensible Menschen leiden wochenlang unter der erzwungenen Anpassung des Bio-Rhythmus – anders als bei einem Jetlag, wenn man nach der Reise eben wieder in seine gewohnte Zeitzone zurückkehrt. Frauen macht die Umstellung ihres Bio-Rhythmus sogar noch etwas mehr zu schaffen.

Nachteulen beziehungsweise Morgenmuffeln, denen das frühe Aufstehen eh schon zusetzt, sind hier besonders betroffen – und das könnte auch die Leistungsfähigkeit im Job wie beim Sport herabsetzen. Mindestens jeder Zweite von uns dreht abends nochmal richtig auf und geht selten vor Mitternacht zu Bett und würde gerne später zur Arbeit gehen. Ob wir nun sechs oder acht Stunden Schlaf braucht, ist individuell verschieden. Aber Nachteulen, die ihren Schlafbedarf durch die Umstellung nicht mehr decken können, sammeln über die Werkwoche ein beträchtliches Schlafdefizit. Zu wenig Schlaf ist auf Dauer ganz schön ungesund, weil wichtige Prozesse im Körper gebremst werden – etwa das Muskelwachstum, die Regeneration, sowie das Immunsystem. Auch das Risiko, Depressionen zu bekommen, ist höher.

Die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit soll sogar das Risiko für Herzinfarkte anheben, wie Krankenhaus-Daten der DAK-Gesundheit in Hamburg nahelegen: So kamen in den vergangenen drei Jahren an den ersten drei Tagen nach der Zeitumstellung im Schnitt etwa ein Viertel mehr Patienten mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus als sonst. Außerdem wurden mehr Verkehrsunfälle verzeichnet. Schuld an beidem ist der Schlafmangel, den die Ärzte wiederum auf den verschobenen Biorhythmus zurückführen.

Gebt eurem Körper Zeit für die Umstellung.(© 2018 CC: Unsplash/Luis Cortes)

Tipps für Jetlag-Geplagte

Es gibt ein paar Tipps, mit denen ältere Menschen wie auch jüngere, die besonders unter der Zeitumstellung – oder auch einem Jetlag – leiden, ihre innere Uhr schrittweise schon einige Tage vorher umstellen können:

  • Spätnachmittags keinen Kaffee mehr trinken.
  • Etwas früheres und leichteres Abendbrot, das die Verdauung später im Bett nicht so fordert.
  • Zeitiger ins Bett und dafür früher aufstehen.
  • Kräutertees mit Baldrian, Johanniskraut und Melisse, ein heißes Bad, Yoga oder ein Spaziergang und ein Buch statt Flimmerkiste und grelle Displays können dabei helfen, abends früher einzuschlafen.

Wer trotzdem schlecht oder zu wenig schläft in den Wochen nach der Zeitumstellung – egal in welche Richtung – der sollte seinem Körper etwas Zeit geben. Mehr Koffein oder gar Powernaps sind allerdings keine gute Lösung, weil der Organismus dann nie in den neuen Rhythmus findet. Besser sind folgende Strategien:

  • Nutzt das Tageslicht: Lasst morgens die Sonne rein und frische Luft oder macht Frühsport um munter zu werden.
  • Spaziergänge in der Mittagspause machen mindestens genauso wach wie ein Kaffee.
  • Abends hilft euch vielleicht Sport beim Einschlafen. Allerdings nicht zu spät, weil man danach erstmal wieder wie aufgeputscht ist. Ruhigere Sportarten könnten aber gut funktionieren. Zu viel Licht und Geflimmer wie auch Alkohol solltet ihr aber erstmal verbannen, wenn es darum geht, besser zur Ruhe zu kommen.

Zum Winter gilt das Prinzip natürlich andersherum: Hier könnt ihr schrittweise  etwas länger aufbleiben, allerdings wirkt sich die Stunde Schlaf mehr nicht so drastisch aus wie wochenlanger Schlafmangel, den die Nachteulen ab Ende März durchmachen, bis die innere Uhr sich angepasst hat.

Frühsport kann helfen, wieder in den Biorhythmus zu finden.(© 2018 Shutterstock / Rido)

Fazit: Der Abschied von Sommer- und Winterzeit scheint gar nicht so unwahrscheinlich

Der Blick auf die Geschichte zeigt: Schon mehrfach wurden bei uns aus Gründen der Energieeffizient eine Sommer- und Winterzeit eingeführt – und mehrfach wieder eingestellt. Kritik an der Sinnhaftigkeit gab es also schon immer: Im Jahr 1916 führte das Deutsche Reich als Vorreiter die Zeitumstellung ein, setzte diese aber nur bis 1919 durch. 1940 war die Sommerzeit wieder da, und 1947 wurden die Uhren im März sogar zwei Stunden vorgestellt, um noch länger Tageslicht zu haben. Zwei Jahre später wurde das Procedere allerdings wieder eingestellt.

Der einzige Grund, warum wir uns in Deutschland ob der triftigen Kritik an nicht längst wieder von der Zeitumstellung zum Sommer und Winter verabschiedet haben, ist das Chaos, das wir damit in Europa ausrichten würden – schließlich ziehen inzwischen alle EU-Länder mit. Sollte die EU mit einer entsprechenden Bürgerbeteiligung nun aber zu Schluss kommen, dass die Nachteile der Zeitumstellung für die Fitness, Gesundheit oder Sicherheit der Menschen überwiegen, dann könnten wir uns vielleicht schneller von der Sommer- und Winterzeit verabschieden, als wir uns eine Eselsbrücke zum richtigen Vor- oder Zurückdrehen der Zeiger einprägen!


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