Schule: Ohne Facebook-Foto keine Veranstaltungsteilnahme

Es begann am 18. Juni, als eine kleine Meldung im "Harzticker" der Goslarschen Zeitung erschien - zwei Tage später machte es im Internet die Runde: An einer Grundschule sollen dem Bericht zufolge Kinder von einer Veranstaltung mit einem Geschichtenerzähler ausgeschlossen worden sein, weil die Eltern von insgesamt sechs Schülern der Schule nicht wollten, dass ihre Schützlinge auf Bildern bei Facebook zu sehen sind. "Anstatt eine adäquate Lösung zu finden- wie zum Beispiel Fotos ohne diese sechs Kinder zu machen – wurden sie von der Veranstaltung ferngehalten", schreibt Rechtsanwalt Christian Solmecke in seinem Blog. Die sechs Schüler mussten in anderen Klassen am Unterricht teilnehmen.
Datenschützer ist "entsetzt"
Es gibt sicherlich Eltern, die nichts gegen eine Veröffentlichung von Fotos mit ihren Kindern in sozialen Netzwerken haben. Allerdings gibt es auch Erwachsene, die sich klar dagegen aussprechen - wie die Anhänger der Facebook-Seite "Keine Kinderfotos im Social Web". Der Initiator der Seite schreibt auf einer Webseite:

Vermutlich herrscht Konsens, dass es sich nicht gehört, über andere im Web zu plaudern. Warum sollte das also bei (meinen) Kindern anders sein? Weil die mir gehören? Blödsinn! Weil die das selber lustig finden? Blödsinn! Weil die sich nicht wehren und beschweren können? Vermutlich ist da die Lücke.[ad id="mobile_half"]

"Ich bin entsetzt", sagte der schleswig-holsteinische Landesdatenschützer Thilo Weichert gegenüber Golem, als er gehört hatte, dass Kinder wegen dem oben beschriebenen Vorfall von einer schulischen Veranstaltung ausgeschlossen wurden. "Als Datenschützer allgemein und bürgerrechtlich bewusster Mensch kann ich das Verhalten nicht nur aus rechtlicher, sondern vor allem aus pädagogischer Sicht nur kritisieren: Die zwangsweise Animation von Kindern, ein Medium zu nutzen, das für diese weder rechtlich vorgesehen und erlaubt noch geeignet ist, müsste meines Erachtens nicht nur öffentlich kritisiert, sondern aufsichtlich gerügt werden", erklärte er weiter.