Secret: Diese App verwirrt die Tech-Community

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Geheimnisse teilen mit Secret
Geheimnisse teilen mit Secret(© 2013 CC: Flickr/lisaverhas)

Sehnen wir uns nicht alle ein bisschen in die Zeit zurück, in der unsere Eltern und Arbeitskollegen noch nicht auf Facebook waren,  die Privacy-Einstellung verständlich waren und wir bedenkenlos unsere Freunde wissen ließen, wie das Date vergangenen Abend gelaufen ist? Von privater Kommunikation auf sozialen Netzwerken mussten wir uns schon längst verabschieden.

User schreiben von 100 Millionen-Dollar-Fehlern und Milliarden-Dollar-Angeboten, die ausgeschlagen wurden.

Eine neue App will jetzt Anonymität wieder zurückbringen. Auf "Secret" können Nutzer ihre Geheimnisse teilen, ohne dafür einen Namen anzugeben. Anonym ist dabei relativ: Um die iPhone-Anwendung zu nutzen, musste ich meine Telefonnummer und meine Email-Adresse verifizeren und Zugriff auf meine Kontakte gewähren (was man nicht alles für Recherchen macht). Angemeldet kann man dann die anonymen Beiträge durchscrollen, favorisieren und kommentieren. Selbst posten dürfen nur Nutzer, die mehr als drei Freunde haben.

Wird Evernote verkauft?

Der bisherige Content ist ziemlich belanglos: "Ich täusche vor, mir die Hände nach der Toilette zu waschen" oder "Ich checke noch immer jeden Tag dein Facebook-Profil". Einige Geheimnisse sorgten jedoch diese Woche für Aufregung unter der Tech-Community. "I work at Evernote and we're about to get aquired", schrieb ein angeblicher Mitarbeiter des Notiz-Tools. CEO Phil Libin dementierte die Gerüchte sofort. Die Behauptung wurde von den Branchenblogs und auf Twitter dennoch heiß diskutiert. Und dieses auf Secret veröffentlichte Posting ist nicht das einzige aus der Tech-Szene. User schreiben von 100 Millionen-Dollar-Fehlern und Milliarden-Dollar-Angeboten, die ausgeschlagen wurden. Und ein Nutzer schrieb wohl treffend: "You could really f**k with journalists on here."

"Ziel ist es, nicht nur eine App, sondern eine Plattform aufzubauen, die mehr Authentizität, Empathie und Selbsterkenntnis in die Welt bringt", sagen die Macher von Secret. Der Schuss geht momentan eher nach hinten los. Vielmehr bietet die App Nährboden für Diffamierung, Cyber-Mobbing und eine brodelnde Gerüchteküche.

 Anonym geht anders

Hinter Secret steht mit Google Ventures ein großer Investor, die App wird also so schnell nicht verschwinden. Jedoch muss Secret das Ruder umdrehen, User außerhalb der Tech-Community finden und einen Mehrwert bieten. Ein ähnliches Problem hat derzeit Biz Stones Frage-und-Antwort-App Jelly: Auch hier stellen Nutzer vorwiegend belanglose Fragen, weitaus weniger intellektuell als der Twitter-Mitgründer sich das vorgestellt hatte.

Secret ist jedoch ein weiteres Indiz für das Abflauen der offenen Social Media-Kommunikation. Anwendungen wie Snapchat zeigen einen Trend in Richtung geschlossene Netze, ebenso Facebooks eigenständige News-App Paper. Ein Internet, in dem Menschen wieder authentisch sein können und kein fröhlich-erfülltes Leben durch Instagram-Bilder inszenieren müssen, ist durchaus wünschenswert. Generell ist es jedoch bedenklich, Geheimnisse in einem Service zu teilen, das Zugriff auf die Telefonnummer, Emailadressen und das Kontaktbuch hat. Anonym geht anders.


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