Sky experimentiert mit VR: Fußball durch die Brille

In der virtuellen Realität könnten Fans selbst bestimmen, von wo aus sie ein Spiel verfolgen wollen.
In der virtuellen Realität könnten Fans selbst bestimmen, von wo aus sie ein Spiel verfolgen wollen.(© 2014 CC: Flickr/KalleKarl)

Auch vor dem Profisport macht VR nicht halt. Der Pay-TV-Sender Sky experimentiert gerade mit 360-Grad-Inhalten für Fußballübertragungen.

Douglas Costa läuft an und versenkt den Ball souverän im von ihm aus gesehenen rechten Eck. Bayern ist Pokalsieger 2016, Borussia Dortmund wieder mal nur Zweiter – und ich bin mitten drin, stehe quasi hinterm Tor von Torhüter Roman Bürki. Nein, Karten hatte ich keine für das Spiel und ein Flitzer bin ich auch nicht. Stattdessen durfte ich auf der IFA kurz eine Samsung Gear VR aufsetzen und mir einige Spielszenen des Finales noch einmal in einer 360-Grad-Ansicht anschauen. Denn der Pay-TV-Sender Sky experimentiert gerade mit VR-Inhalten, die Nutzern die Möglichkeit geben, Spiele so zu verfolgen, als wären sie im Stadion hautnah dabei.

Während dieser Demo hatte ich die Möglichkeit, den "Sitzplatz" im Stadion mehrfach zu wechseln. Mal war ich auf der Tribune auf Höhe der Mittellinie, mal in der Bayern-Kurve und zum Abschluss hinterm Tor. Damit der Zuschauer den Spielstand nicht aus den Augen verliert, blendet Sky diesen quasi im Oberrang des Stadions ein. Ein Blick nach oben und Ihr kennt das aktuelle Ergebnis. Schaut Ihr nach unten, könnt Ihr Euch die Statistiken zum laufenden Spiel ansehen. Ihr habt also alles im Blick, ohne dass es stört. Das haben die Macher sehr gut gelöst. Rechts oben wurde auch das Spiel aus der Fernsehübertragung eingeblendet. Denn wenn man hinter einem Tor steht, kann man schließlich schlecht sehen, was auf der anderen Seite passiert.

Es gibt viele Probleme zu lösen

Obwohl das alles schon sehr gut funktioniert und mir als Fußball-Fan auch echt Spaß gemacht hat, kann man an dieser Stelle noch lange nicht von Marktreife sprechen. Dazu gibt es aktuell noch zu viele Probleme. Auf welches Endgerät soll man setzen? Die Gear VR setzt zum Beispiel spezielle Samsung-Smartphones wie das Galaxy S7 voraus. Außerdem steckt die Technik noch in den Kinderschuhen. Auch beim Zocken mit einem High-End-PC in Verbindung mit einer Oculus Rift oder einer HTC Vive kann einem noch schlecht werden. Und ein Spiel dauert nun einmal 90 Minuten.

Deswegen sei es denkbar, dass Sky die Technik irgendwann "nur" als Add-on zur Live-Berichterstattung nutzt. Die Theorie: Fußball-Fans können nach dem Live-Spiel in VR noch einmal die Tore oder strittige Schiedsrichterentscheidungen aus einem anderen Winkel betrachten. Notorische Nörgler würden dann einmal sehen, wie schwer es für die Schiris manchmal ist, die richtige Entscheidung zu treffen. Der Konjunktiv "könnte" bleibt erstmal bestehen. Denn ob und Sky sich dazu entschließt, irgendwann verstärkt auf VR-Inhalte zu setzen, steht noch in den Sternen. Die kurze Demo hat aber Lust auf mehr gemacht – obwohl ich kein Bayern-Fan bin.


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