Snapdragon 810: Der echte Flaggschiff-Killer

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Der Snapdragon 810 bringt Qualcomm mächtig ins Schleudern.
Der Snapdragon 810 bringt Qualcomm mächtig ins Schleudern.(© 2015 Qualcomm)

OnePlus kündigt von Jahr zu Jahr den Flaggschiff-Killer an. Doch dieses Jahr war Qualcomm der einzige Hersteller, der es wirklich schaffte, gleich mehrere Highend-Geräte zu ruinieren - wenn auch nicht mit Absicht.

Die Geschichte des Snapdragon 810 ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Denn eigentlich sollte der potente Chip alle Smartphones, in denen er verbaut wurde, zu Gewinnern machen. So, wie es eben bei seinen schnellen Vorgängern war. Doch schon vor dem ersten Gerät mit dem Prozessor machten Gerüchte über Hitzeprobleme die Runde - und erwiesen sich spätestens mit dem LG G Flex 2 als wahr. Der grundsätzlich sehr flotte Prozessor muss, um nicht zu heiß zu werden, heruntertakten. Und verliert dann ganz schnell seinen Geschwindigkeitsvorteil. Die betroffenen Geräte wurden abgestraft, die Marke Snapdragon bekam eine große Delle in ihrem Ruf. Am Ende waren alle Verlierer.

Denn ob das HTC One M9, das Sony Xperia Z3+ oder aktuell das OnePlus 2: Irgendwie waren alle Flaggschiffe, die auf den Snapdragon 810 setzten, Enttäuschungen. Dabei ging es bei keinem der Geräte ausschließlich um den Chip. Sowohl Sony als auch HTC legten mit ihren diesjährigen Spitzen-Smartphones schlicht uninspirierte Neuauflagen der Geräte vom letzten Jahr vor. Beim OnePlus 2 gibt es in einigen Bereichen zwar Verbesserungen, etwa bei der Kamera. Doch anders als beim OnePlus One merkt man dem OnePlus 2 durch den Wegfall von NFC und dem Einsparen der “Quick Charge”-Funktion an, dass der günstige Preis auch Kompromisse erfordert. Das alles ist nicht Qualcomms Schuld. Und trotzdem hat auch der Chip-Hersteller seinen Anteil daran.

Das Jahr der enttäuschenden Flaggschiffe

Denn all diese Mängel wären vermutlich verzeihbar gewesen, wenn da nicht auch noch die riesige Crux des gedrosselten Prozessors gewesen wäre. Obwohl die Geräte die meiste Zeit schneller sind als ihre Vorgänger, ist das Upgrade einfach nicht groß genug, um ein Umsteigen zu rechtfertigen. Vor allem, wenn die neuen Geräte gedrosselt dann sogar langsamer sind als ihre Vorgänger.

Nun dürfte vor allem Qualcomm darunter leiden. Der Ruf als zuverlässiger Lieferant von Highend-Bauteilen ist vorerst dahin. Den Herstellern ist längst aufgefallen, dass auch andere Mütter schnelle Töchter haben, etwa Mediatek oder Intel. Beide kamen in der Vergangenheit nicht gegen Qualcomm an, nun ist ihre Chance gekommen. So werden sich im nächsten Jahr wohl viele Hersteller nicht direkt an Qualcomm binden, sondern auch bei anderen anklopfen - oder gleich selbst Chips entwickeln. Das hat etwa LG vor kurzem angekündigt. Auch Huawei setzt bereits seit längerem auf die selbst entwickelten Kirin-Prozessoren.

Samsung gewinnt haushoch

Doch kein Kunden-Verlust dürfte Qualcom so sehr schmerzen wie der von Samsung. Statt beim Galaxy S6 wie geplant auf den Snapdragon zu setzen, wichen die Koreaner nach ersten Gerüchten über Hitzeprobleme lieber auf einen selbst entwickelten Exynos-Chip aus. Und trafen voll ins Schwarze. Galaxy S6 und S6 Edge hängen die Konkurrenz gnadenlos ab, der Abstand ist beeindruckend. In Zukunft wird der größte Smartphone-Hersteller der Welt seine Chips wohl selbst produzieren. Keine gute Nachricht für Qualcomm.

Ob sich der einstige Beinahe-Monopolist wieder aufrappeln kann, wird nicht zuletzt an seiner nächsten Chip-Generation hängen. Der Snapdragon 820 ist offiziell noch nicht angekündigt, erste Leaks scheinen aber vielversprechend. Vielleicht kann Qualcomm das Ruder tatsächlich noch einmal herumreißen. Eines scheint aber klar: So stark wie in der Vergangenheit wird der Snapdragon wohl nicht wieder dominieren. Für die Vielfalt und die Innovation ist das aber gar nicht so schlecht.


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