Snapdragon 810: Hat Qualcomm die Probleme gelöst?

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Der neue Snapdragon 810 im Mi Note Pro
Der neue Snapdragon 810 im Mi Note Pro(© 2015 Qualcomm)

Xiaomi hat sein neues Oberklasse-Phablet Mi Note Pro veröffentlicht; ein tolles Gerät, das uns vor allem mit der ersten Benchmarkwerten umhaut: Es scheint, als wäre der Snapdragon 810 im QHD-5,7-Zoller deutlich performanter als noch im HTC One M9 oder LG G Flex 2

Rettet die dritte Revision des Snapdragon 810 Qualcomm etwa doch den Allerwertesten? Zumindest suggerieren das erste Benchmarkwerte aus AnTuTu und CF Bench des Xiaomi Mi Note Pro, das vom 810 in der Version 2.1 angefeuert wird. Die beiden Grafiken sind im chinesischen Netzwerk Weibo aufgetaucht und zeichnen ein deutliches Bild:

Offensichtlich ist der Chipsatz im Mi Note Pro denen im HTC One M9 und LG G Flex 2 irgendwie überlegen – zumal er in ersterem Fall eine WQHD-Auflösung bewegen muss, während die beiden letztgenannten Geräte lediglich über 1080p-Displays verfügen. Gleichzeitig läuft der neue Snapdragon 810 wohl kaum heiß, allerdings war dieses Problem ja bereits durch entsprechende Software-Updates auch in den Geräten von LG und HTC zuletzt nicht mehr akut.

Das suggeriert nun also trotzdem: Der Snapdragon hat inzwischen sein zuletzt immanentes Hitzeproblem, das im HTC One M9 und LG G Flex 2 eben durch harte Drosselung angegangen wurde, überwunden und ist nunmehr da, wo er ursprünglich sein sollte – nämlich ungefähr auf Augenhöhe mit Samsungs Exynos 7420. Xiaomi-Chef Lei Jun hat dafür eine interessante Erklärung: So habe Xiaomi 20 seiner eigenen Ingenieure ins Qualcomm-Hauptquartier entsandt, um dort zusammen mit den Mitarbeitern der Amerikaner "eine Menge Energie" in die Verbesserung des Snapdragon 810 zu stecken. Ob das nun bedeutet, dass die Version 2.1 des Snapdragon 810 exklusiv den Produkten des chinesischen Herstellers vorbehalten bleibt, geht aus den Aussagen Juns nicht explizit hervor; davon auszugehen ist aber auch nicht, da das nachteilig für Qualcomm wäre.

Zu spät für HTC und das One M9

So oder so, für HTC und auch LG, die für das G4 auf den weniger potenten Snapdragon 808 ausweichen mussten, kommt dieser Durchbruch reichlich spät – und dürfte vor allem in Taiwan für verärgerte Minen sorgen: Neben der enttäuschenden Kamera war es vor allem die mangelhafte Leistung des Snapdragon 810, der dem One M9 den Sprung in den Smartphone-Olymp 2015 verwehrte und Samsungs Galaxy S6 glänzender aussehen ließ als es das mit einem echten Konkurrenz-Gerät getan hätte.

Abzuwarten bleibt derweil zum einen, ob weitere Benchmarks das positive Bild des neuen Snapdragon 810 fortzeichnen können und ob die oben angegebenen Werte auch unter Dauerlast stabil bleiben. Speziell mit der Konstanz kämpfte des Chipsatz im HTC One M9 in unseren Tests. Zum anderen muss man nun schauen, wie schnell diese neue Version ihren Weg in Smartphones und Tablets findet, die international breiter verfügbar sind, als die Geräte von Xiaomi, oder sich gar in kommenden Revisionen des One M9 und des G Flex 2 wiederfindet – und ob Qualcomm in einem solchen Fall schnell genug in Masse liefern kann.

Vor allem davon wird auch abhängen, wie zügig und nachhaltig der amerikanische Chiphersteller sein etwas ramponiertes Image bei seinen Partnern und den Smartphone-Käufern wiederherstellen wird können.

Wir werden uns schnellstmöglich um ein Test-Exemplar des Xiaomi Mi Note Pro bemühen, um selber ausprobieren zu können, ob die dritte Revision des 810 wirklich hält, was sie seit heute versprochen hat.


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