So bauen die Tech-Riesen das Fernsehen der Zukunft

Im YouTube Space LA werden die Video-Stars ausgebildet.
Im YouTube Space LA werden die Video-Stars ausgebildet.(© 2014 Elisabeth Oberndorfer)

Video-Offensive steht auf der Prioritätenliste der Tech-Branche weit oben: YouTube, Microsoft und Yahoo produzieren in ihren eigenen Studios demnächst professionelle Web-Serien. 

Treffpunkt für YouTube-Stars

„Wir sind so neu, dass wir noch auf keinem Navigationssystem zu finden sind“, schreibt das YouTube-Team in seinem Info-Mail. Der Videoriese siedelte vor einigen Monaten wenige Fahrminuten vom Flughafen Los Angeles sein eigenes Studio an: „YouTube Space LA“ heißt die Einrichtung.

Das Gebäude gleich neben den Fox Studios will ein Treffpunkt für Content Creators sein – also jene, die professionell Videos für YouTube produzieren. Willkommen sind sowohl erfolgreiche Web-Video-Stars als auch Anfänger. Mehrmals pro Woche organisiert das „Education Team“ der neuen Institution Workshops zu Themen wie Monetarisierung und Reichweitenaufbau. Jeden Freitag versammeln sich YouTuber hier zur Happy Hour. Beim lockeren Netzwerken stellt der Gastgeber sowie andere Unternehmen neue Apps vor, mit denen die Contentproduzenten noch erfolgreicher werden.

Die Strategie ist klar: Erfolgreiche YouTube-Kanäle bringen Googles Video-Sparte riesige Werbebudgets. Den neuen Ort nutzt das Videoportal auch als Studio für hochwertige Produktionen. Der Markt für professionelle Bewegtbild-Inhalte fängt gerade an, abzuheben. Disney übernahm kürzlich Maker Studios, Heimat vieler bekannter YouTube-Stars.

Yahoo will Comedy-Shows

Das Segment entdecken jetzt auch andere Tech-Konzerne für sich. Amazon hat über seine „Amazon Studios“ bereits zwei Serien produziert: „Betas“ und „Alpha House“. Der E-Commerce-Konzern nimmt dafür auch Drehbücher von seinen Nutzern entgegen und lässt die Crowd entscheiden, was produziert wird.

Erfolgreiche YouTube-Kanäle bringen Googles Video-Sparte riesige Werbebudgets

Davon lässt sich auch Yahoo beeindrucken. Wie kürzlich bekannt wurde, plant der Google-Konkurrent nicht nur sein eigenes Video-Portal. CEO Marissa Mayer will demnächst wie Netflix und Amazon TV-Serien produzieren. Auf dem Plan stehen halbstündige Comedy-Shows, von denen jeweils zehn Folgen gedreht werden.

Microsoft gewinnt US-Comedians

Einen ähnlichen Weg geht Microsoft. Anscheinend ist der Software-Riese schon einen Schritt weiter: Das Xbox-Studio will bereits im Juni seine Arbeit aufnehmen. In der Pipeline sind sechs Serien. Als Darsteller konnte Microsoft unter anderem bekannte US-Comedians wie Sarah Silverman und Seth Green gewinnen. Für die Video-Offensive engagierte der in Seattle beheimatete Konzern Nancy Tellem, ehemalige Managerin des TV-Senders CBS.

Mit den jüngsten Akquisen im Video-Bereich und dem Aufbau von eigenen Studios setzen die Technologie-Größen ein Zeichen für die Zukunft von Fernsehen. Mit Apple TV, Android TV,  Amazon Fire TV und Google Chromecast stellen die üblichen Verdächtigen auch ihre eigene Hardware dafür her. Auffallend ruhig beim Thema TV und Bewegtbild ist derzeit nur Facebook. Mit seinem Virtual Reality-Deal hat das Social Network immerhin ein innovatives Endgerät für ein neues Filmerlebnis.

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