So einfach lassen sich App-Bewertungen fälschen

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Jeder Download zählt und wenn die nicht von alleine kommen, können App-Entwickler für sie bezahlen.
Jeder Download zählt und wenn die nicht von alleine kommen, können App-Entwickler für sie bezahlen.(© 2015 CC: Flickr/Christian Dembowski)

65 Cent für einen Download oder 5,80 Euro für eine Bewertung: Entwickler, die etwas Geld übrig haben, können sich Aufmerksamkeit in den App Stores kaufen. Dabei lässt sich aber nicht nur die eigene Anwendung über den grünen Klee loben, sondern auch die Konkurrenz niedermachen. CURVED erklärt, wie Fake-Bewertungen funktionieren und was dagegen getan werden kann.

Die Bewertungen in den App Stores sind für viele Nutzer ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl einer App. Müssen sie sich zwischen zwei Anwendungen entscheiden, gibt oft selbst ein kleiner Unterschied von 0,1 Punkten den Ausschlag, welche Anwendung auf dem Smartphone oder Tablet landet.

Allerdings sollte man sich nicht nur von hohen Downloadzahlen und hohen Noten leiten lassen, denn diese können mit Investitionen an den richtigen Stellen leicht gefälscht werden. Genaue Zahlen über die Fake-Bewertungen sind schwer zu erheben, der Analytics-Dienstleister Apptentive kommt für 2014 zu dem Ergebnis, dass im App Store mehr gefälschte Bewertungen zu finden sind, im Play Store ihre Qualität aber deutlich schlechter ist.

Brushing, der neue Trend aus China?

Der App-Entwickler Simon Pang aus Hongkong hat ein Foto auf Twitter veröffentlicht, das zeigt, wie eine Frau vor einer großen Batterie an Smartphones sitzt und dort angeblich wie am Fließband Apps bewertet.

Pang hat das Bild nach eigenen Angaben von einem Freund aus China erhalten und weiß nicht, wo es aufgenommen wurde. Softpedia hat ähnliche Fotos bei Sina Weibo, einem großen sozialen Netzwerk aus China gefunden, und Roland Eisenbrand von onlinemarketingrockstars.de ist auf Einträge in chinesischen Blogs gestoßen, die beschreiben, wie in China immer mehr Unternehmen entstehen, die die systematische Fälschung von App-Bewertungen als Dienstleistung anbieten. Mit Brushing soll es auch schon einen Namen für das professionelle Verfassen von Fake-Bewertungen geben.

5000 Downloads für 3250 Euro oder 50 Bewertungen für 290 Euro

Auch in Deutschland gibt es Firmen, die Downloads von und Bewertungen für Apps gegen Geld verkaufen. Eine davon ist die Gratizzz GmbH aus Mainz, die auch Domains wie appdownloadskaufen.de und appbewertungenkaufen.de für ihre Zwecke nutzt. Für 650 Euro verspricht das Unternehmen 1000 Downloads, was für einen Platz unter den Top 25-Apps des Tages in einer Kategorie reichen soll.

Soll die Anwendungen dagegen zu den Top 5 gehören, sind angeblich 5000 Downloads für 3250 Euro nötig. Pro Download ergibt sich in beiden Fällen ein Preis von 65 Cent. Deutlich teurer sind Bewertungen, für die eine reale Person einen Text schreiben muss. Für sie müssen App-Entwickler zwischen 4,98 Euro und 5,80 Euro zahlen. 50 Stück kosten 290 Euro, 500 sind mit 2490 Euro im Schnitt etwas günstiger.

Hinter dem Angebot steckt die Mainzer Agentur Match2Blue, die verspricht, dass sie nicht gegen die Bestimmungen von App Store und Play Store verstößt. Stattdessen stünden im Hintergrund "Community Netzwerke" bereit, so dass am Ende reale Nutzer für echte Downloads und Bewertungen sorgen würden. Eine Garantie über die Durchschnittsbewertungen gebe es deswegen auch nicht, da die Firma ihre "Nutzer zu aufrichtigem Feedback" anhalte.

Es soll also nicht so aussehen wie auf dem von Simon Pang geteilten Foto. Aber als Nutzer fühle ich mich auch verschaukelt, wenn ein App-Entwickler "echte" Bewertungen kauft. Match2Blue scheint seinem Angebot selber nicht zu trauen. Die eigenen Apps des Unternehmens haben bis auf eine Ausnahme bisher so wenig Bewertungen erhalten, dass eindeutig nicht einmal das günstigste Paket von Gratizzz in Anspruch genommen wurden.

Was unternehmen Apple und Google gegen Fake-Bewertungen?

Die falschen Bewertungen sind ein Ärgernis für Apple, Google und andere App Store-Betreiber. Am Ende führen sie zu unzufriedenen Kunden, die aufhören, Apps herunterzuladen. Was sie aber genau gegen Fake-Bewertungen unternehmen, verraten die Unternehmen allerdings nicht.

Aber man kann davon ausgehen, dass nicht nur ungewöhnlich viele Bewertungen in kurzer Zeit, die auch noch alle die höchste Punktzahl vergeben, auffallen. Einen entsprechenden Fall, in dem eine App über Nacht 20.000 Bewertungen einbüßte, hat Techcrunch beschrieben. Am Ende sorgten hier aber nicht gekaufte Bewertungen für die Abstrafung durch Apple, sondern ein Angebot an die App-Nutzer, die für eine Bewertung eine Schriftart kostenlos erhielten.

Das Internet, ein Ort für Nörgler und Miesmacher

Selbst bei einer App, die nur echte, unbezahlte Bewertungen erhalten hat, würde ich diese mit Vorsicht genießen. Solange die Anwendung läuft und ihren Job erledigt, werden ihr Nutzer nur wenige positive Bewertungen geben. Sorgt eine Aktualisierung dagegen für Probleme, dann sind die Bewertungen schnell mit Beschwerden gefüllt, und die Durchschnittsnote sinkt, selbst wenn das nächste Update die Fehler schon längst behoben hat.

Also verlasst Euch bei der Auswahl einer App nicht nur auf die Punktzahl, sondern lest wenigstens durch, worüber sich die Bewertungen mit einem Stern beschweren und schaut Euch ausführliche Tests der Programme an – sofern es welche im Netz gibt.


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