So wichtig sind Unternehmen als iPad-Kunden für Apple

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Das iPad: Im Ladengeschäft von Edel Optics im Einsatz
Das iPad: Im Ladengeschäft von Edel Optics im Einsatz(© 2014 Heiko Bichel)

Apple vermarktet offensiv und mit ganz konkreten Beispielen die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des iPads in kleinen und großen Unternehmen und teilweise sehr spezialisierten Wirtschaftsbereichen. Bei genauerem Hinsehen findet man dabei auch in Deutschland und abseits der Marketing-Offensive aus Cupertino Betriebe, in denen das Apple-Tablet zum zentralen Arbeitswerkzeug geworden ist. Liegt die Zukunft des iPads für Apple im Unternehmensbereich?

Besonders auf seinen US-amerikanischen Business-Websites zum iPad stellt Apple Betriebe und Institutionen vor, die das iPad ganz konkret und oft mithilfe eigener Software-Tools in ihren Alltag eingebunden haben. Die Beispiele reichen vom Getränke-Giganten PepsiCo, der in Nordamerika iPads mit In-House-App-Lösungen als Koordinations-Tool für die Distribution einsetzt, bis zu Kliniken, deren Ärzte das iPad für den mobilen Zugriff auf medizinische Daten nutzen oder um anhand von konkretem Anschauungsmaterial Befunde ortsunabhängig mit Patienten zu besprechen. Die Liste der von Apple aufgeführte Business-Profile mit Affinität zum iPad ist lang und prominent besetzt. Das Modehaus Benetton ist dabei genauso wie die Fluglinie United Airlines oder die Hotelkette Hyatt. Doch auch kleinere Betriebe wie das in Arizona ansässige ökologische Farmunternehmen McClendon’s Select, das nach eigenen Aussagen iPads in sämtlichen geschäftlich relevanten Bereichen – von der Kontrolle der Ernte bis Verkauf – einsetzt, werden gern von Apple genannt. Passen doch nicht zuletzt gerade solche Betriebe gut in das alte, aber für Cupertino noch immer relevante Think-different-Image, das man gern verkörpert(e).

Zahlen sprechen für Apple

Über Apples Marketing-Präsentationen hinaus scheinen jedoch auch Zahlen für den Vormarsch des iPad in Wirtschaftsunternehmen zu sprechen. So hat Good Technology, wichtiger Anbieter von Sicherheitslösungen, der auf die Integration von Mobilgeräten in Firmenumgebungen spezialisiert ist, in seinem Index-Report für das vierte Quartal 2013 (PDF) festgestellt, dass es sich bei 91,4 Prozent aller im Zeitraum zwischen Oktober und Dezember 2013 in den betreuten Unternehmen – und das sind mehrere tausend – aktivierten Tablets um iPads handelte. Insgesamt waren 73 Prozent aller aktivierten Mobilgeräte iOS-Devices. Nach den Zahlen von Good Technology ist hier ein stetiger Anstieg von 72 Prozent im dritten Quartal und 69 Prozent im zweiten Quartal zu beobachten. Gleichzeitig sank die Zahl der aktivierten Android-Geräte im Rahmen dieser Erhebung beständig.

Ist das ursprünglich von vielen vor allen Dingen als mobile Entertainment-Zentrale bewertete Apple-Tablet also zur Wunderwaffe im Business-Einsatz geworden? Möglicherweise. Technologisch ist das iPad für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche gerüstet, Apples Software gilt zudem noch immer als vergleichsweise sicher und extrem zuverlässig. Befragt man iPad-Anwender, die das Gerät professionell im Berufsalltag einsetzen, ist der Tenor in der Regel der Gleiche – egal ob ein Warenwirtschaftssystem auf dem Tablet zum Einsatz kommt, das iPad als mobile Patientenakte im Pflegebereich verwendet wird oder als Kassensystem in der Gastronomie: die Bedienung ist simpel, der Wartungsaufwand gering. Selbst ältere und kaum Computer-affine Anwender profitieren oftmals im Arbeitsalltag vom iPad und haben kaum Berührungsängste.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Mitunter werden in einem Betrieb dabei gleich mehrere und sehr unterschiedliche Arbeitsbereiche vom iPad-Einsatz bestimmt, wobei deutlich wird, wie das Apple-Tablet trotz des wachsenden Konkurrenzdrucks durch Tablets von Samsung, Google & Co seine Vorteile – nicht zuletzt in Sachen Image – noch immer geschickt ausspielen kann. Ein Beispiel dafür ist das Ladengeschäft von Edel Optics im Alstertal Einkaufszentrum in Hamburg, dem wir im Rahmen der Recherche für diesen Artikel einen Besuch abgestattet haben. Hier werden iPads im Verkaufsbereich prominent platziert, um den Kunden mithilfe eine speziellen In-House-App-Lösung bei der Auswahl der passenden Brille zu unterstützen. Kunden vor Ort können sehen, welche Modelle vorrätig sind und sich diese direkt zur Anprobe aussuchen. Ebenfalls mit iPads ausgestattete Mitarbeiter im Lagerbereich erhalten daraufhin eine Benachrichtigung, und die gewünschten Modellen werden zur Anprobe in den Verkaufsbereich gebracht. Eigene Programmierer arbeiten nach Aussagen der Mitarbeiter zudem beständig daran, die speziell für das Unternehmen entwickelten Tools zu optimieren. So sollen weitere Möglichkeiten für die Kunden eingeführt werden, um z.B. nicht vorrätige Modelle auch direkt über die Terminals beim Hersteller ordern zu können sowie individuelle Bezahlfunktionen. Darüber hinaus kommen bei Edel Optics iPads als Kassensystem sowie zur Anpassung von Gleitsichtbrillen zum Einsatz, so dass das Ladengeschäft insgesamt im täglichen Betrieb mit 15 bis 18 iPads, zumeist der vierten Generation, arbeitet.

Dies alles kann natürlich nur funktionieren, da zum einen mittlerweile sehr spezielle Anwendungen aus unterschiedlichsten Industrie-Bereichen für das iPad verfügbar sind, und zum anderen Entwickler individuell auf die Bedürfnisse eines Unternehmens zugeschnittene Software-Lösungen programmieren, was auch Apple in den Unternehmensprofilen auf den eigenen Websites nicht müde wird zu betonen. Ausgereifte In-House-Apps sind die Grundvoraussetzung, um das iPad sinnvoll in speziellen Unternehmensbereichen einsetzen zu können. Fragt man bei der Edel Optics nach Gründen für den iPad-Einsatz in den verschiedenen Unternehmensbereichen, so sind diese augenscheinlich vielfältiger Natur. Abgesehen von der Tatsache, dass es sich hier nach eigenen Aussagen schon immer um ein Apple-affines Unternehmen handelte, spielt dabei zumindest im Verkaufsbereich auch das Image des iPads natürlich eine Rolle. Es ist eben doch noch etwas anderes – oder zumindest wird noch immer davon ausgegangen –, ob ein Kunde im Geschäft mit einem iPad im typischen Apple-Design oder einem möglicherweise weniger stilsicher anmutenden Tablet eines anderen Herstellers konfrontiert wird. Kritik am iPad wird von den Mitarbeitern vor Ort, bis auf den Wunsch nach strapazierfähigeren Ladekabeln, bei Edel Optics kaum geäußert. Ein gesondertes Interesse daran, in das Marketing-Konzept von Apple passende Aussagen zu treffen, hat man bei Edel Optics dabei nicht. Denn, darauf wies man ebenfalls bereitwillig hin, besondere Unterstützung hat man bei der Ausstattung des Geschäftes von Apple nicht erhalten. Man entschied sich beim Bezug der Geräte stattdessen sogar für den örtlichen Elektronikfachmark.

Dies soll nun kein Blick durch die rosarote Apple-Brille sein, denn natürlich handelt es sich sowohl bei den von Apple gerne zur Schau gestellten Unternehmensprofilen als auch bei dem von uns gewählten Beispiel von Edel Optics zunächst einmal um prestigeträchtige Schlaglichter. Erhebungen wie die genannten Analysen von Good Technology sprechen jedoch dafür, dass der Unternehmensbereich für Apple beim iPad ein Markt mit erheblichem Potential ist.

Dies erscheint auch naheliegend, sind Tablets generell für den Privatanwender doch oftmals noch immer Geräte in einem etwas undefinierten Schwebezustand, wenn es um die Einsatzgebiete geht. Das Smartphone bleibt hier das Mobilgerät der Stunde: Es ist immer dabei, bietet grundsätzlich sämtliche Funktionen eines Tablets und ist dabei nach wie vor deutlich portabler. Wer auf der anderen Seite am Schreibtisch ernsthaft arbeiten will, greift – zumindest als Apple-Anwender – zum MacBook Pro oder MacBook Air. Daran ändern auch externe Tastaturen für das iPad und App-Versionen von Office-Programmen, Photoshop oder Videoschnitt-Software nichts.

In spezialisierten Unternehmensbereiche hingegen füllt das iPad – und der Tablet-Computer generell – eine Lücke und kann erhebliche Vorteile verschaffen: Es ist mobil genug für einen sehr flexiblen Einsatz, sei es als Logistik-Tool bei der Lagerverwaltung, als Marketing-Instrument in den Händen von Vertriebsmitarbeiter oder in der Kitteltasche eines Arztes, bietet nicht zuletzt aufgrund der Bildschirmgröße für vielen Einsatzbereiche jedoch erhebliche Vorteile gegenüber dem Smartphone. Medizinische Röntgenaufnahmen lassen sich dann doch nicht eben sinnvoll auf einem iPhone-Display betrachten, genauso wenig die Oberfläche eines Warenwirtschaftssystem komfortabel auf einem vier bis fünf Zoll großen Display bedient werden kann.

Fazit

Die eigentlichen „Helden“ dieser Geschichte sind letztlich tatsächlich auch weniger Apple und das iPad als die zahlreichen kreativen Köpfe und Software-Entwickler, die speziell – und weitgehend abseits des App Stores – auf einzelne Unternehmen oder Unternehmensbereiche zugeschnittene Software-Lösungen für das iPad erschaffen. Seien es Unternehmen wie Xonion oder Aycan, die sich im medizinischen Bereich engagieren oder die Entwickler von SKILL Software, die mobile Software-Lösungen für die Kontrolle und Erfassung von Baumängeln auf Baustellen anbieten. Bleibt abzuwarten, wie stark sich Apples Konkurrenz, nicht zuletzt in Sachen Marketing, zukünftig im Business-Bereich engagieren wird.


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